und ihre schneidigen Zähne . Hat ein Schnapphahnski je sein Wort gebrochen ? Zum nächsten Juwelier ging er , und so wahr , wie er keinen Friedrichsdor in seiner Kriegeskasse hatte , kaufte er einen Schmuck , der einer Gräfin S. , einer Schwester des Grafen G. oder einer Carlotta würdig gewesen wäre . Unser Ritter kaufte den Schmuck auf Kredit - - meine Leser werden begreifen , daß unser Ritter grade soviel Kredit hatte , wie ein Ritter ohne Furcht und Tadel haben kann - ein Ritter , der noch einmal Deputierter , Diplomat oder noch etwas Schlimmeres werden konnte . - - Auf Kredit kaufte der Ritter den Schmuck ; nur muß ich noch bemerken , daß er ihn nicht auf seinen Namen kaufte , sondern auf den des unsterblichen Gottes Zeus Kronion ! Ja , auf Zeus Kronions Namen kaufte der Ritter die Diamanten , und der Hofjuwelier fand nichts Arges hierin . Er wußte sehr gut , daß Zeus Kronion die Tänzerinnen liebte . Auf Befehl des Ritters Schnapphahnski sandte der Juwelier den Schmuck , für Rechnung des unsterblichen Gottes , an die lieblichste der Tänzerinnen . Der Juwelier trug den Schmuck zu Lasten des Gottes in seine Bücher ein ; die Tänzerin kreditierte für den Schmuck den Ritter Schnapphahnski . Kann es ein einfacheres Geschäft geben ? Zeus Kronion war der einzige , der dabei zu kurz kam . Überglücklich war aber die Tänzerin . Bisher hatte sie sich nur das liebe Brot ertanzt , jetzt einen demantenen Schmuck erliebt ! Der Name Schnapphahnskis stand leuchtend in ihrem Herzen angeschrieben . Doch überlassen wir die Tänzerin ihrer Freude an den blitzenden Steinen und den Juwelier seinem festen Vertrauen in die Solvabilität Kronions . Wir müssen nämlich darauf zurückkommen , daß der edle Ritter , während er auf der einen Seite alle Seligkeiten kostete , die ein Engel des Himmels nach dem Schluß der Oper zu bieten imstande ist , sich auf der andern ernstlich damit beschäftigte : einen Posten im diplomatischen Korps zu erobern . Der edle Ritter sah ein , daß man nicht allein von der Liebe leben kann , sondern daß die Liebe sogar sehr kostspielig ist ; selbst wenn man bei dem Hofjuwelier im Namen Gottes den unbeschränktesten Kredit genießt . Herr von Schnapphahnski besann sich daher , ob er außer seinen gesunden Lenden und außer seinem bewunderungswürdigen Schnurrbart nicht auch noch einige andere vorteilhafte Eigenschaften und namentlich soviel Grütze besäße , als man im schlimmsten Falle einem diplomatischen Kandidaten zutrauen möchte . Nachdem er sich mehrere Tage lang den Kopf darüber zerbrochen hatte , fand er endlich , daß die heilige Wissenschaft leider keinen besondern Stapelplatz für ihre Schätze darin angelegt hatte . Sein Schädel war klar und durchsichtig wie eine leere Wasserflasche , und auf der kahlen Lüneburger Heide seines Gedächtnisses tummelte sich freilich manche galante Erinnerung herum , aber leider nichts von alledem , was die Natur dem Menschen zu erobern überlassen hat . Mit jener liebenswürdigen Frechheit , die einem Manne von Adel eigentümlich ist , griff unser Ritter daher in den großen Haufen der bürgerlichen Kanaillen , in die Reihen jener Lasttiere der Kunst und der Wissenschaft , die die imaginären Goldklumpen ihres Geistes hin und wieder in das preußische Kurant der Wirklichkeit zu verwechseln pflegen . Mit einem Worte , der Studiosus Pl-r war so gefällig , der unsterblichen Seele des Ritters mit einigen Probearbeiten zu Hilfe zu kommen , die sofort an den gehörigen Ort weiterbefördert wurden und natürlich für die enormen Kenntnisse des Ritters den unzweideutigsten Beweis lieferten . Wer weiß , zu welchem Posten man den gelehrten Ritter sofort erhoben hätte , wenn nicht plötzlich die frühern Aventüren Sr. Hochwohlgeboren auf eine sehr schauerliche Weise bekannt geworden wären ! Schon ging man mit dem Gedanken um , den Ritter der Weltgeschichte zu übergeben , da ragten mit einem Male die Stöcke der Bedienten aus O. in Schlesien in die Szene hinein , da erklang der Hohn des Grafen G. und das glückliche Lachen Carlottens , und da kam , ach , auch der Juwelier und reichte allerhöchsten Ortes seine Rechnung ein , und die schöne Arbeit des Studenten Pl-r hatte wieder allen Wert verloren , und unser armer Ritter erhielt eine ebenso zarte als demütigend abgefaßte Zurückweisung . Ja , die Diamantengeschichte des Ritters Schnapphahnski wurde stadtkundig ; sie machte die Runde in den höchsten Kreisen . Die ewigen Götter zürnten erschrecklich . Zeus Kronion drohte mit Donner und Blitz , mit Magdeburg und Spandau , und wäre die arme Balletttänzerin , der verrauschten Liebe gedenkend , nicht so artig gewesen , den verhängnisvollen Schmuck aus übertriebener künstlerischer Hochherzigkeit freiwillig zurückzuerstatten , so hätte unser Ritter sehr wahrscheinlich einen Huissier ins Haus bekommen , und ach , seines Bleibens wäre vielleicht gewesen , wo da ist Heulen und Zähnklappen , Hafergrütze , Brot und Wasser . Unser Ritter war jetzt wirklich » ein armer Ritter « ; wie eine Brotscheibe , geröstet , in verdrießlichen Runzeln aus der Pfanne kommt , so taumelte unser Schnapphahnski vom Unglück gebraten höchst ärgerlichen Antlitzes zurück von dem Orte alles Heils , von dem Quell aller Ämter und Stellen . Finster schritt er nach Hause : er packte seinen Koffer , und sieh , ehe die Morgenröte kam , lag auch schon Berlin hinter ihm , mit seinen Kirchen und Palästen , mit seinen Geheimräten und Eckenstehern , mit seinen Ballettänzerinnen und Juwelieren . Die Franzosen würden in betreff dieses Diamantenabenteuers sagen : » Monsieur le Chevalier de Schnapphahnski avait frisé le code pénal . « Schnapphahnski reiste nach Spanien . V Spanien » Madrid , du Licht von Spaniens Talen , In deinen tausend Feldern strahlen Viel tausend Augen , schwarz und blau . Du weiße Stadt der Serenaden , Viel tausend kleine Füße baden Sich nachts in deines Prados Tau ! « So sang es einst » der lose Spötter « Alfred de Musset , und so hat es Freiligrath ins Deutsche hinübergedichtet . Seit