bis auf den grünen Sammetdivan , auf dem ich lag . Ich hatte ein weißes Negligee übergeworfen , kleine blaßblaue Atlaspantöffelchen angezogen und lag nun so da , wie eine Nachtviole , die in holder Schönheit bewußtlos blüht , unter dem sanften Strahl des Mondes . Eine Astrallampe mit leichtem Ueberwurf verbreitete ein mildes Licht und unter der silberhellen Theevase sprühte die kleine röthliche Flamme , in die ich träumerisch blickte , als Bonaventura hereintrat . Er sah mich ganz bezaubert an und knieete zu mir nieder . » Wie Du schön bist , meine Diogena ! « sagte er , » wie Du schön bist ! « wiederholte er und ergriff meine Hände , die er küßte . Ich ließ es schweigend geschehen . Bonaventura setzte sich auf den Divan nieder und sprach : » Nimm nur Deine Füßchen in Acht , daß ich sie Dir nicht drücke , denn sie müssen müde sein , meine Diogena ! Du bist heute miraculos umhergewandert und ich selbst fühle mich fatiguirt . « Ich legte mich schweigend mehr gegen die Wand zurück , um ihm Platz zum Sitzen zu lassen , da rief er : » Aber Diogena ! warum antwortest Du mir nicht , mein Engel ! Warum soll ich den süßen Ton Deiner Stimme nicht hören ? « » Es gab eine Zeit , in der es Dir genügte , mich anzuschauen ; eine Zeit , in der Du zu erliegen fürchtetest , wenn ich dies Glück noch durch den Zauber meiner Stimme erhöht hätte . « » O , das war damals ! « sagte er scherzend , » nun bin ich aber schon an Deinen Schönheitszauber gewöhnt , er ist mein eigen geworden und Du kannst mir die süßen Worte Deiner Lippen gönnen , ohne Furcht , daß ich vor Seligkeit Dir sterbe , so selig Du mich machst . Darin besteht ja die Wonne der Gewohnheit , meine Diogena ! « » Ich bitte Dich , Bonaventura ! verschone mein Ohr mit solchen Worten , erniedrige mich nicht durch solche Reden . Als ob das Schöne uns nicht ewig neu , nicht ewig entzückend bliebe ; als ob Sonne und Mond und Sterne , und die Natur uns nicht ewig die gleiche Sensation einhauchten ! « » Sonne , Mond und Sterne wohl , aber vielleicht grade darum , weil sie uns unerreichbar sind , weil sie trotz unserer Sehnsucht , trotz unsers Verlangens , nie zu uns herabsteigen . Thäten sie dies und würden sie unser eigen , wie ein geliebtes Weib , auch der Besitz der himmlischen Gestirne würde uns zu einer süßen , wenn auch unentbehrlichen Gewohnheit werden , « meinte Bonaventura , und wollte mich zärtlich in seine Arme ziehen . Ich machte mich aber mit einer prächtigen Indignation von ihm los und sagte : » Nun , so will ich wenigstens nicht dazu thun , Dir zur süßen Gewohnheit zu werden ; ich will Dir lieber entbehrlich sein und ich bin es Dir schon , denn wir Beide verstehen und verstanden uns nie . « » Diogena ! um der Liebe willen , welche Anwandlung ! « rief Bonaventura , ganz foudroyirt von meinem wundervollen Zorn . » Nein , nein , Bonaventura ! « sagte ich , und schüttelte schmerzlich lächelnd mein Haupt , indem ich die rosigen Händchen abwehrend gegen ihn bewegte , » täusche Dich nicht , Du liebst mich nicht , ich weiß es . Du ermüdest an meiner Seite . « - » Aber Diogena ! wer kann wie Du Strapazen ertragen , die den stärksten Körper vernichten müßten . Du hast heute zwei Stunden am Morgen promenirt mit dem Vicomte , dann bist Du in brennender Sonnenhitze nach Karlsruhe gefahren , die Museen in Augenschein zu nehmen , hast das Schloß , die Bibliothek , die indifferentesten Kirchen durchwandert . Heimgekehrt bist Du auf die Iburg zu einem Dejeuner geritten , dann zu Fuß hinabgegangen . Wir haben in dem wüsten Menschengewühle des Hôtel d ' Angleterre dinirt , haben einen langen Ritt über Lichtenthal hinaus in die Berge gemacht , zwei Stunden im Salon der Fürstin Orzelska getanzt , und schon , als wir nach Hause fuhren und ich vor Ermüdung zusammenbrach , hat Deine üble Laune ihren Anfang ' genommen . Wohl Dir , daß Du trotz Deiner Irritabilität und Nervosität dergleichen Fatiguen täglich erdulden kannst , ich kann es nicht und will es nicht , und Niemand kann das . « » Der Fürst Callenberg kann es dennoch , « warf ich hin . » Weil er nur ein Körperleben führt , nicht denkt , nicht fühlt und durch dies wahnsinnig leere Treiben nicht zu Tode gelangweilt wird , wie ich . « » Und was denkst Du ? « fragte ich . » Ich denke , daß ich Dich davon erlösen , Dich einer edlen Weltanschauung entgegenführen muß , weil ich Dich , liebe Diogena ! weil ich nicht leben kann ohne Dein mildes , sonniges Lächeln ; weil ich die Ekstase Deines Kusses nicht entbehren kann ! O , Diogena ! wende Dich nicht von mir . Denke an den ersten Abend unsers Begegnens , denke an - » Spare Deine Worte , ich glaube Dir nicht mehr ! « sagte ich kalt . » Du hängst an der Erde , an der Zeit und ihren Interessen - die Liebe aber stammt vom Himmel und ist unendlich . Sie kennt keine Zeit , die Menschheit kümmert sie nicht und sie hat keinen Zweck als sich selbst . Solch eine Liebe muß ich finden , oder untergehen ; Du hast sie nicht , Du kennst sie nicht und kannst sie nicht bieten , darum habe ich Nichts mit Dir gemein . « Mein Busen hob sich in convulsivischem Weinen , meine Augen sprühten in unerhörtem Lustre , ich glich einer zürnenden Gottheit und war irresistible . Mein Mann warf sich vor mir nieder , er küßte meine Füßchen , er versprach