, daß Sie Nachsicht haben müssen . Alfred bat sie , sich nicht stören zu lassen . Eine bejahrte Frau , die im Zimmer mit weiblicher Arbeit beschäftigt war , rückte ihm einen Sessel zurecht und , nachdem er Platz genommen hatte , fragte ihn Eva : Wissen Sie es denn schon , daß der Präsident von Brand auch gestern und noch früher angekommen ist als wir ? Therese hat es mir heute sagen lassen . Damit ist ihr nun die Freude verloren gegangen , den Bruder zu überraschen . So darf ich vielleicht hoffen , ihn bald bei Ihnen zu sehen ? fragte Reichenbach . Wo denken Sie hin ! rief Eva . Julian schon am ersten Morgen seiner Ankunft bei mir ? Mit nichten ! Da kommt erst das parfümirte Bad , ein langes Frühstück , eine lange Freude mit der Schwester , die er anbetet , und dann die Aktenrevision und dann die - - nun ! davon spricht man nicht , so sehr sie auch zu des Präsidenten Leben gehört . Erst spät am Abend komme ich . Die Brocken seines Geistes , die nach der Tagesarbeit übrig bleiben , die wirft er mir dann im Vorübergehen zu und denkt : Für die Eva ist es eben noch genug . Er hat ' s im Frühjahr , als ich nach Berlin zog , immer so gehalten . Erstaunt betrachtete Alfred die reizende Frau . Es schien , als ob sie scherze , und doch lag eine Bitterkeit in ihrer Stimme , die ihm auffiel , so daß er begütigend sagte : Der glückliche Freund ! wenn Sie ihn ahnen ließen , daß Sie ihn gern früher wiedersehen würden , wie müßte er eilen Ihren Wunsch zu erfüllen . Glauben Sie das nicht . Er ist ja mein Vetter und das Prädikat ist ein vollauf genügender Grund für jedes Betragen . Ein junger Mann macht einem Mädchen leidenschaftlich den Hof und man findet die Auszeichnung in der Ordnung , denn es ist ja ihr Vetter . Ein Anderer ist rücksichtslos , beleidigend gegen eine Dame und wieder sagt man entschuldigend : Mit einem Vetter nimmt man es nicht so genau . Ich wollte , es gäbe gar keine Vettern in der Welt . Aber Julian ist als Bruder so liebenswürdig , daß - Eben ! Das verschlimmert ihn noch als Vetter ! unterbrach ihn Eva . Liebe Werner , befahl sie dann der arbeitenden Frau , lassen Sie das Frühstück bringen . Frau Werner ging hinaus , den Befehl zu vollziehen , und Eva sagte zu Alfred : Sie kennen ja den Präsidenten , da kann man offener gegen Sie sprechen . Auch sagte ich Ihnen gleich gestern , Sie kommen mir nicht wie ein Fremder vor . Sie sind mir durch Ihre Schriften , durch Julian ' s und Theresen ' s Erzählungen wie ein alter Bekannter und Freund . Sagen Sie mir , wollen Sie mir das sein ? Alfred ' s Verwunderung stieg mehr und mehr ; aber Eva war so hübsch , daß er dankbar die angebotene Freundschaft annahm und den neuen Bund mit einem Kuß auf die kleine Hand besiegelte , die Eva ihm reichte . Ich habe schon lange gewünscht , Jemanden zu finden , dem ich mittheilen könnte , was mir das Herz bedrückt , meinte Eva . Glauben Sie mir , Herr von Reichenbach , Julian und Therese machen sich unglücklich . Es ist wahr , Julian betet Therese an . Er liebt sie wie ein Bruder und wie ein Vater zugleich . Diese Liebe ist aber der Grund , daß Therese nicht die Nothwendigkeit begreift , sich zu verheirathen , wozu es hohe Zeit wäre , denn Therese muß fast dreißig Jahre alt sein . Andrerseits hält ihre Anwesenheit im Hause auch Julian vom Heirathen ab und - eine Frau darf das wohl sagen - dadurch kommt er zu solchen Verbindungen , wie die mit der Harcourt , durch die er sich zum Stadtgespräche macht . Das thut mir weh und macht gewiß auch der Schwester Kummer , obgleich sie nie darüber spricht . Dagegen sollen Sie Rath schaffen , Herr von Reichenbach , das sollen Sie ändern . Da schrie der Papagei , der während des Sprechens von seiner Stange herab und auf Eva ' s Schultern gestiegen war , sein : Eva ! Eva ! die Kanarienvögel schmetterten dazwischen und das Wachtelhündchen , das bis dahin ruhig zu den Füßen seiner Herrin gelegen , verlangte durch tausend Liebkosungen Aufmerksamkeit . Eva ward plötzlich von ihrer ernsten Unterhaltung abgezogen , das Frühstück erschien , sie machte mit großer Zärtlichkeit Alfred ' s Wirthin , theilte mit Coco und dem Hündchen ihr Biscuit , trieb tausend Possen und hatte ihre beglückenden Absichten für Julian und Therese darüber ganz und gar vergessen . Bald darauf empfahl sich Alfred , von Eva mit vielen unwesentlichen Bestellungen für Therese beauftragt . Als er nun allein den Weg zur Wohnung seines alten Freundes antrat , dachte er an das eben Erlebte zurück und vermochte sich Eva ' s Wesen nicht zu erklären , wenn er nicht annahm , daß sie , sich selbst unbewußt , eine Leidenschaft für den Präsidenten nähre , der nach ihren Schilderungen noch ganz der alte Epikuräer sein mußte . So reizend Eva war , so hatte doch Alfred sich unbehaglich bei ihr gefühlt . Das Geräusch , das von der Straße herauftönte , erhöht durch die Unruhe der Thiere , und Eva ' s unstätes Wesen selbst , hatten ihm einen peinlichen Eindruck gemacht . Um so erquickender erschienen ihm die tiefe Stille und Ruhe im Hause des Präsidenten , als er es erreicht hatte . Er fand Therese allein in großen , räumlichen Zimmern , die nach einem Garten hinauslagen . Es war nichts Ueberflüssiges , keine Modespielereien in dem Gemache , aber es fehlte auch Nichts , das wahrer Behaglichkeit förderlich sein konnte . Die Thüren zwischen den Zimmern waren geöffnet , so auch ein