in seine Brust , es ihm zu geben . - Duguet war ihr gefolgt , allmälig schien auch er zu begreifen ; er sprang auf Waldau zu und stand zitternd mit gerungenen Händen vor ihm . Die Stimme versagte ihm . Ist es wahr ? war alles , was er hervorbringen konnte . Ich glaube , ja , lieber Duguet , erwiderte Waldau ; aber fassen Sie sich , denn er ist krank , Sie müssen ihn schonen . Duguet nickte seinem alten Herrn das gewohnte Verstehen zu und kniete erst leise neben dem Ohnmächtigen . Nur die gewaltig pulsirende Ader auf seiner Stirn und die kurzen fast röchelnden Athemzüge zeugten von der Kraft , die er anwandte , sich zu beherrschen ; als er aber nun das Gesicht seines Sohnes so ganz in der Nähe sah , so daß ihn sogar dessen Haare berührten , da riß ihn der innere Jubel doch unaufhaltsam fort , dicke Thränen rollten über das braune Gesicht , der feste Mann bebte an allen Gliedern und sah den Wiedergefundenen mit unbeschreiblicher Zärtlichkeit an . Armes Kind , armes Kind ! flüsterte er , dann wandte er sich zu seiner Frau : Aber , Sophie ! - sie sah auf und wäre ihm gern um den Hals gefallen , aber sie mußte ihren Sohn unterstützen ; es lag eine Welt von Gefühl in ihrem Auge . Aber , Sophie ! sagte er endlich , er liegt hier schlecht ! Komm , komm ! Und wie eine Feder nahm er den schweren Körper des Soldaten auf , den Alle nur mühsam gehalten , und trug ihn unten in die Hinterstube hinein , die er und Sophie bewohnten , dort legte er ihn still auf das Bett . Waldau , Josephine und St. Luce blieben an der Schwelle des Zimmers stehen ; es wagte keiner , sie zu überschreiten ; sie hörten eine Weile schweigend von außen zu . Sophie hatte ihren Sohn in ' s Leben zurückgerufen ; jetzt saß er aufrecht im Bette , zwischen den Eltern . Und nun ging es an ein so seliges Fragen und Erzählen und an das Erkennen des Vaters , den zu sehen ihn ja die Ohnmacht gehindert . Der junge Soldat hatte die Hälfte seines Fünfsous-Stück an die seiner Mutter gehalten , und o Freude ! die Stücke paßten aneinander . Wie die arme Frau den Jüngling mit den Blicken verschlang , und wie Duguet , stolz auf seinen Sohn , höher zu werden und zu wachsen schien ! Jetzt sprachen alle Drei zugleich . Sophie erzählte von jener entsetzlichen Nacht , wie sie ihr armes , kleines Kind auf die Schwelle eines reinlich und wohlhäbig aussehenden Hauses niedergelegt und , unter einen Schuppen gekauert , lange abgewartet , daß man es abhole ; wie endlich ein Mann aus der Thüre gekommen und es gefunden , wie sie bei dem Anblick einen Moment kraftlos zusammengesunken sei , dann aber habe laufen müssen weit , weit weg , um es nur dem Manne nicht aus den Armen zu reißen ! Gleich darauf war sie unter einen Trupp betrunkener Soldaten gerathen , die sie festgehalten und gezwungen , die Carmagnole mit ihnen zu singen ; kaum diesen Wüthenden entflohen , mußte sie mit der Gräfin weiter . Von der Stunde an hab ' ich noch oft gelacht , zufrieden bin ich nie wieder geworden , schloß sie . Arme Mutter ! armes Weib ! sagten Duguet und der junge Soldat , wie aus einem Munde . Marc Duguet - er hieß so nach dem Vater , Sophie hatte , da sie nicht schreiben konnte , ein abgerissenes Stück Wäsche mit dem Namen dem Kinde auf die Brust gelegt und es mit Stecknadeln an die wenigen Hüllen befestigt , in denen sie es eingewickelt ; wie hätte sie im Drang des Augenblicks Kinderzeug sich verschaffen können - Marc Duguet war vom Leben herumgeworfen worden und in all dessen Wendungen ein Findelkind geblieben . Er erzählte den Seinen , da schlichen die Horchenden still davon , in Frau von Waldau ' s Zimmer zurück . In diesem Augenblick faßte eine kleine Hand die Josephinens und ein leiser Kuß streifte ihre Finger ; es war Anna , die ein unbemerkter Zeuge des ganzen Auftritts geworden . St. Luce freute sich ungemein , seine junge Freundin wiederzusehen . Das Kind schlang beide Arme um seinen Hals und dankte ihm unter heißen Thränen , daß er ma bonne so glücklich gemacht : Ich hatte längst gemerkt , daß ihr Sohn nicht todt war , sagte sie . St. Luce blieb noch bis zum nächsten Tage . Anna war jetzt zehn Jahr alt und fesselte seine Aufmerksamkeit mehr und mehr . Er begleitete sie zu den Eltern hinüber , und obschon Sprache und Nationalität ihm ein eigentliches Verstehen ihrer häuslichen Lage unmöglich machten , hatte er doch bald genug gesehen , um das Mädchen Josephinen auf ' s Dringendste zu empfehlen . Während seiner Anwesenheit wich sie kaum von seiner Seite und erzählte ihm alle ihre kleinen Leiden und Freuden ; sie zeigte ihm auch das vom Grenadier August erhaltene Posthörnchen , das sie noch immer am Halse trug , und konnte nicht begreifen , daß er ihr keine Nachricht von dessen ehemaligem Besitzer zu geben vermochte . Nach der Abreise des jungen Obersten , der dem noch kranken Marc einen Urlaub bis zu seiner Genesung ausgewirkt hatte , nahm Josephine sich Anna ' s ernstlicher an ; St. Luce ' s Besuch ward zum Capitelstrich ihres Lebens , das von jenem Augenblicke an eine edlere Gestalt gewann . Der junge Marc blieb vorläufig im Hause und erhielt ein eignes Wohnstübchen , brachte jedoch den größten Theil des Tages in dem seiner Eltern zu . Die Kinder nahm Josephine in ein an das ihre stoßendes Zimmer , wo sie ihre Stunden erhielten , nur die Abende durften sie noch theilweise bei ma bonne bleiben . Durch diese Einrichtung sah Anna die ausgezeichneten Männer , die mit