jetzt der Abwechselung und verspreche mir viel davon , auch für Dich . Ich habe mir das Alles überdacht . Schon meine Verhältnisse zum Hofe werden mich nöthigen , ein Haus zu machen , und was sollte uns daran hindern ? Denn mir ist es Ernst damit , und damit Du Dich gleich jetzt davon überzeugst , lasse ich meine Collegia für den heutigen Abend absagen und wir bleiben zusammen . Clementine nahm den Vorschlag mit Dank an . Sie glaubte nur zu gern an eine frohe Zukunft , nicht erwägend , daß unsere Entwürfe und Hoffnungen dem Balle gleichen , den frohe Kinder in die Luft werfen . Mag er noch so prächtig , noch so hoch steigen , das Gesetz der Schwere zieht ihn unwiderstehlich nieder , und man ist froh , wenn man ihn wieder in den Händen hält , mit denen man ihn emporwarf . Es ist eben dem Menschen nicht gegeben , sich lange in jener Stimmung zu erhalten , in die ein Moment der Aufregung uns versetzt ; glücklich diejenigen Gemüther , denen das Andenken an solche Augenblicke nicht ganz entschwindet , denen es ein Höhenpunkt , ein Ziel bleibt , nach dem das Auge sich gern wendet , zu dem der Wunsch hinstrebt . Nach der ersten , freudigen Spannung , in welche diese Unterhaltung sie versetzt hatte , fiel es Clementine schwer auf ' s Herz , sie müsse das neue Glück mit der Trennung von ihrer Schwester und von deren Kindern erkaufen , die ihr fast unentbehrlich waren , was ihr Mann wohl wußte . Aber daran hatte er gar nicht gedacht . Er hatte sie nicht mit einer Sylbe gefragt , ob sie eben so gern nach Berlin gehe als er selbst , sondern es bestimmt vorausgesetzt , weil es ihm erwünscht war . Eigen war es doch auch , ihr eine Ueberraschung zu bereiten durch einen Entschluß , der auf ihr ganzes Leben von so wesentlichem Einflusse war , der ihre ganze Zukunft in sich schloß . Meining konnte gewiß sein , daß sie sich keinem Plane entgegen zeigen würde , den er werth hielt , aber schon die gewöhnlichste Rücksicht hätte es verlangt , daß er seiner Frau die Berufung gleich mitgetheilt und wenigstens scheinbar um ihre Meinung gefragt hätte . Das war es eben , was sie auch oft drückte ! Ihr Mann behandelte sie wie ein Kind , das man sehr liebt , dem man jedem Kummer ersparen möchte - aber sie war kein Kind , sie war seine Frau , die mit ihm seine Sorgen theilen wollte , und die sich seine Zurückhaltung für Geringschätzung auslegte . Er hatte ihr nur selten und sehr oberflächlich von seiner Vergangenheit gesprochen , nie um die ihrige gefragt ; sie hatten Beide ihre sorglich verschwiegenen Geheimnisse und eigentlich Nichts gemeinsam , als die Gegenwart . Sie empfand das störend , es schien ihr eine Art von Gleichgültigkeit zu sein , und darum versuchte sie es auch an jenem Abende , nachdem sie von einer Fahrt in ' s Freie zurückgekehrt waren und ihr Mann wieder von Berlin , von seinen Entwürfen für die Zukunft sprach , einmal offen mit ihm über ihre frühere Neigung für Robert zu reden , was ihr jetzt , da sie in ihre Vaterstadt zurückkehren sollte , fast wie eine unerläßliche Pflicht erschien . Kaum aber merkte Meining ihre Absicht , als er sie mit den Worten unterbrach : Ja ! Du hast Recht , wir müssen uns einmal darüber verständigen . Ich weiß , mein Kind ! daß Dir vielleicht Manches über mein früheres Leben erzählt worden ist , das Deine Besorgniß und , warum soll ich nicht die Wahrheit sagen ? auch Deine Neugier und Eifersucht erregt haben mag ; aber .... Lieber Meining ! entgegnete Clementine , Neugier und Eifersucht , das ist es nicht . Ich habe aber oft gedacht , wenn ich Dich bisweilen besonders ernsthaft oder nachdenkend werden sah , es möchten vielleicht Erinnerungen aus vergangenen Zeiten sein , die Dich beschäftigten ; und es hat mir dann leid gethan , nicht einmal ahnen zu können , was Dich bewegte . Eheleute sollen ja keine Geheimnisse vor einander haben , und ich gestehe Dir offen , es liegt auch etwas Verletzendes , Trauriges darin , vor dem Leben seines Mannes , wie vor einem Räthsel zu stehen . Man hat mir von einer Leidenschaft - Nun , ein für allemal , liebste Clementine ! laß das Räthsel unerrathen ! fiel der Geheimrath ihr in das Wort . Es liegt in meiner Vergangenheit Nichts , dessen ich mich anzuklagen hätte ; Nichts , was ich bereue , und Nichts , was Deine oder meine Zukunft beunruhigen könnte , das muß Dir genügen . Ich habe Dir selbst gesagt , daß meine früheren Jahre von manchen lebhaften Gefühlen bewegt worden sind , aber was das sogenannte Vertrauen zwischen Eheleuten betrifft , so halte ich das , ehrlich gesagt , wie Du es ansiehst , für eine unnöthige , kaum delikate Neugier . Frage Dich selber , ob ich nicht Recht damit habe ? Aber , wandte sie ein , man beurtheilt den Menschen doch ganz anders , wenn man die Elemente kennt , die auf seine Bildung wirkten ? Das sind Redensarten , Kind ! Daß ich jung war , Leidenschaften hatte , wie jeder Andere , das kannst Du Dir denken und das habe ich Dir gesagt ; daß ich dabei eben so oft glücklich als unglücklich war , das versteht sich von selbst ; und ob die Gegenstände dieser Liebe Amalie oder Rosamunde hießen , ob sie blond oder braun waren , das ist wol ziemlich gleichgültig , da sie jetzt jedenfalls alt und grau sind und Deine Eifersucht nicht mehr erregen können . Uebrigens , schloß er scherzend , übrigens kennst Du meine letzte , unwandelbare Neigung und Liebe für eine Frau , welche , ihre kleinen überspannten Ideen abgerechnet , ein ganz vollkommenes Geschöpf ist .