, der Furie zu entrinnen , ich verließ das Zimmer meines Oheims sogleich , und sein Haus vor Anbruch des Tages . Ich schrieb ihm aus Jena , wohin ich nun eilte , um mit ganzer Seele Medicin zu studiren , ich erhielt aber nur eine kurze , trockne Antwort , worin er mir meldete , daß er seine Hand gänzlich von mir abziehe , da ich mich erdreistet habe , seine Gattin mit solcher Frechheit zu beleidigen . Was war zu thun , ich mußte mich fügen , und ich kann sagen , daß ich mit geringen Mitteln die Arzneiwissenschaft wie ein Held erobert habe . Jedoch , wie kamen Sie mit dem Grafen in Verbindung ? fragte der Pfarrer , der gern wieder das Gespräch auf diesen Gegenstand leiten wollte , der ihm wichtiger war , als die Lebensgeschichte des Arztes , ob er gleich auch diese nicht ohne Theilnahme anhörte , denn es war ihm ein Bedürfniß geworden , aller Menschen Verhältnisse genau zu kennen , mit denen er irgend in Berührung kam . Ich hatte es möglich gemacht , sagte der Arzt mit selbstgefälligem Lächeln , indem ich meine eignen Studien trieb , noch so viel durch Unterricht , den ich Andern gab , zu gewinnen , daß ich nicht nur lebte , sondern auch noch ein Sümmchen ersparte , womit ich mich auf den Weg nach Wien machte , um die großen Geister der dasigen Region kennen zu lernen . Es ging auch dort mühsehlig , aber es ging doch ; ich erreichte meinen Zweck und studirte mit Eifer . Der Graf hielt sich zu der Zeit in Wien auf , er suchte einen geschickten jungen Arzt , der ihn auf seine Güter begleiten sollte , man empfahl mich , und ich erndtete nun die Früchte meines Fleißes ; ich kann bei einem bedeutenden Gehalte nun ein völlig sorgenfreies Leben führen und ungehindert mich meinem Lieblingsfach widmen . Der Pfarrer versuchte es einigemal , das Gespräch wieder auf den Grafen zu lenken ; indeß die Phantasie des Arztes war zu sehr durch seine eigne wunderbare Lebensgeschichte angeregt und alle Fragen , die der Pfarrer an ihn richtete , er mochte sie wenden , wie er wollte , führten den Arzt immer wieder auf einen Vorfall seiner Jugend oder Kindheit , so daß nichts mehr aus ihm herzubringen war , und der Pfarrer , verdrießlich über die geringe Ausbeute , die er gemacht hatte , sich endlich entschloß , zu Bette zu gehen . Er verabredete noch vorher mit dem Arzte , daß sie um fünf Uhr am andern Morgen aufstehen und den alten Dübois von seiner Krankenwache ablösen wollten . Nach dieser Verabredung begaben sich beide zur Ruhe , und überließen sich den Träumen , die ihrem Lager nahen wollten . IV Mit dem Schlage fünf stand der Pfarrer , der in allen Geschäften höchst pünktlich war und sein ganzes Leben zum Geschäft machte , vor dem Bette des Arztes und ermahnte ihn , der Verabredung gemäß , aufzustehen , indem er ihm zugleich anzeigte , daß der Kaffee schon auf dem Tische stehe , wie sie es am vorigen Abend bestellt hätten . Der Arzt sprang auf , kleidete sich mit großer Hast an und rieth dem Pfarrer , seine Morgenpfeife beim Kaffee zu rauchen , weil er nicht zugeben könne , daß im Zimmer des Kranken geraucht würde . Er selbst machte das Kaffeetrinken eilig ab , denn er hatte eine große Begierde , den Kranken zu sehen . Nach wenigen Minuten begaben sich beide , Arzt und Pfarrer , nach dem Krankenzimmer ; sie fanden den Verwundeten ruhig schlummernd und den alten Haushofmeister neben dem Bette desselben in einem Lehnstuhl sitzend . Er hatte seine silbergrauen Haare mit einer weißen Nachtmütze bedeckt , Pantoffeln an den Füßen , seinen weiten braunen Ueberrock bis oben zugeknöpft und las mit der Brille auf der Nase andächtig in einem französischen Gebetbuche , beim Schein einer Lampe , deren Schimmer er so gerichtet hatte , daß der Kranke nicht von den Lichtstrahlen belästigt wurde . Nun , wie gehts , bester Herr Dubois , rief der Arzt eilig , wie geht ' s mit unserm jungen Manne ? Sie haben mich nicht gerufen , in der Nacht ist also wohl nichts vorgefallen ? Der Kranke , versetzte der Haushofmeister , erwachte aus seinem Schlummer vor einigen Stunden , er blickte um sich und wollte sich aufrichten ; es war ein rührender Anblick , dem armen jungen Mann fehlten die Kräfte , ich bat ihn ruhig zu sein . Wo bin ich ? fragte er französisch . Ich gab ihm in der Kürze einige Auskunft , ich weiß aber nicht , ob er mich verstanden hat ; er forderte zu trinken , und als ich seinen Wunsch befriedigt hatte , sank er wieder in Schlummer , wie Sie ihn noch sehen . Es ist gut , sagte der Arzt , es ist sehr gut , indem er den Puls des Verwundeten lange mit bedächtigen Mienen untersuchte . Jetzt , alter Freund , können Sie zu Bett gehen , und wir Beide , der Herr Pfarrer und ich , wollen die Krankenwache übernehmen . Wäre es nicht besser , wenn ich hier bliebe ? fragte der Haushofmeister ; der junge Mann hat sich vielleicht schon an meinen Anblick gewöhnt , auch kann ich mich ihm verständlich machen . Meinen Sie , es könne Niemand hier französisch sprechen als Sie ? sagte der Arzt empfindlich ; ich spreche so gut als Sie , und kann also mich dem Kranken eben so wohl verständlich machen . Diese letzten Worte fügte er als Beweis der Behauptung , die sie enthielten , französisch hinzu , indem er zugleich alles Nöthige zum Verbande des Verwundeten auf den Tisch in Ordnung legte ; da er aber das Deutsche im härtesten Thüringer Dialekt sprach und diesen auch auf das Französische übertrug , so klangen seine Worte den Ohren des geboren Parisers so rauh , wie