her eine so reife Ernte von Liebe und Schönheit ! Warum zögern bis auf Jahre , daß ich sie breche ? Warum nicht das Entzücken , daß wir alle Menschen sind , schwach und stark , sterblich und unsterblich ! Diese unsichtbaren Barrieren , welche die Menschen trennen , welche auch den Jüngling vom Mädchen trennen , müssen fallen ; denn ich kenne dich , dein alles , dein Gehen und Stehen , deine Schwächen und Tugenden : siehe ! hier ist meine offne Brust , hier schlägt mein Herz , ich bin nichts , was noch etwas anderes wäre , als es ist , nichts , was du für etwas anderes halten dürftest . Weib , in deinen Augen , in den Formen deines Körpers bist du überreif zur Liebe ; und wenn ich dich heut zum ersten Male sahe , so pflückt ' ich dich , denn wir sind die Kinder eines und desselben Planeten , ich Mensch wie du , beide alternd , beide den Tod fürchtend , beide elend . Was weichst du mir aus ? « Wally zerfloß in Tränen . So fast hatte Cäsar zu ihr gesprochen , und sie fühlte das Entzücken , statt eines Weibes Mensch zu sein . Sie zitterte bei dieser echt philanthropischen Vorstellung , welche , wenn sie allgemein würde , die Welt durchaus umgestalten und ihre schwierigen Fragen im Nu lösen müßte . Sie ließ die Umarmung Cäsars zu : nicht , weil sie ihn liebte , oder aus Egoismus , aus Stolz , einen Mann überwunden zu haben , sondern weil sie sich als das schwache Glied der großen Wesenkette fühlte , die Gott erschaffen hat , weil sie wußte , daß sie ja vor der Wahrheit und Natur ganz nackt und bloß und mitleidswürdig war , weil sie zuletzt glaubte , daß diese heißen Küsse , welche Cäsar auf ihre Lippen drückte , allen Millionen gälten unterm Sternenzelt . Sehet da eine Szene , wie sie in alten Zeiten nicht vorkam ! Hier ist Raffiniertes , Gemachtes , aus der Zerrissenheit unsrer Zeit Gebornes : und was ist die Wahrheit Romeos und Juliettens gegen diese Lüge ! Was ist die egoistische Geschlechtsliebe gegen diesen Enthusiasmus der Ideen , der zwei Seelen in die unglücklichsten Verwechselungen werfen kann ! Ich zittre vor einem Jahrhundert , das in seinen Irrtümern so tragisch , in seinem Fluche so anbetungswürdig ist . 10 Die Übereinkunft der Liebe zwischen Wally und Cäsar mußte ihren Verhältnissen ein neues Kolorit geben . Wir fürchten , daß die Farben allmählich erbleichen werden . Aber noch sind sie hell und frisch ; noch liegt auf Wallys Antlitz der melancholische Schatten jener entzückenden Verirrung , in Cäsars Mienen die Resignation und Selbstzufriedenheit , welche selbst blasierte Charaktere und verwitternde Natürlichkeiten ergreifen kann , wenn der immer durstige Becher ihrer Wünsche einmal voll ist bis an den Rand der Erfüllung . Das Wiederfinden eines Jugendfreundes unterstützte Cäsars reflektierende Persönlichkeit , sich in einer Welt zu halten , in welcher er sich seit einiger Zeit gefiel . Waldemar hieß der neue Ankömmling , ein Mann , der einst blühend und schön war , in der Residenz zu Wallys Anbetern gehörte , dann heiratete und trotz der glänzendsten Verhältnisse zu keiner Freude kam , da seine Gattin an unheilbaren Übeln siechte . Die Stimmung dieses Mannes teilte sich seinen Umgebungen mit , erst auch Cäsar , verlor sich aber an diesem in dem Augenblick , als sie für ihn durch folgende gemischte Anekdote einen Grund bekam . Seit Waldemars Ankunft im Bade hatte sich nämlich das stille Bärbel von den beiden Indien zurückgezogen . Ihr Betragen gegen ihn ließ keinen Zweifel , daß dieser Mann die Ursache ihrer Geistesverwirrung gewesen war . Sie verfolgte Waldemar , wo er sich nur blicken ließ , und weinte oft auf dem Wege , wenn er in zahlreicher Gesellschaft vorüberging . Jedermann kannte den Zusammenhang dieser tragischen Komödie , doch wollten nicht alle glauben , was Waldemar versicherte , daß er sich dieses Mädchens durchaus nicht entsinne , nie mit ihr ein Wort gewechselt und auch im vorigen Jahre zum ersten Male Schwalbach besucht habe . Cäsar aber glaubte diesen Versicherungen ; denn Waldemar war eine treue Seele , die niemanden betrüben konnte , noch weniger aber wäre eine Unwahrheit über seine Zunge gekommen . Er nahm den Wahnsinn Bärbels von der lächerlichen Seite und suchte Waldemar zu trösten . Ja , diesem melancholischen Manne fehlte nur noch eine neue Ursache seiner Schwermut ! Wally befand sich in einer Stimmung , die ihr den Verkehr mit beiden Männern , der immer gewisse Grenzen und Nuancen hatte , recht zum Genuß machte . Einst wollte sie in einem Garten zu ihnen unbemerkt herantreten , während beide Freunde unter einem Boskett von verwelkenden Rosen sich unterhielten ; da sie aber hörte , daß ihr Gespräch religiöse Saiten aufgezogen hatte , so fürchtete sie , etwas zu verstimmen , und blieb unwillkürlich in einer Weite stehen , daß ihr von dem Gesprochenen nichts entging und sie dabei doch ungesehen blieb . Sie fühlte das Mißliche dieser Situation in einem Augenblicke nicht , wo alle ihre Seelenfäden Gespinste zu schießen begannen , in die sie sich immer tiefer verstrickte , wo es einer Untersuchung über die Religion galt . » Hätt ' ich einen größeren Wirkungskreis « , sagte Waldemar , » vielleicht gelänge es mir dann , den Unmut meiner Seele zu zerstreuen , wie auf jenen Bergen , auf welchen viel Waldleben herrscht , Tannen rauschen und die Natur in einer steten Bewegung ist , die Nebel sich leichter zerstreuen . Ich bin ein kahler Hügel , jedem Windzuge offen und von jeder Wolke gleich bis tief unter die Augen bedeckt . Nach ideellen Schutzwehren such ' ich ebenso vergebens . Die Politik ist nur imstande , meine Schwermut zu vermehren , und die Religion hat man mir durch meine Erziehung verleidet . « » Wer wird auch « , entgegnete Cäsar , » bei