der Schnur pflanzen , bei der Milchfrau hab ich mir einen Nelkenflor angelegt , die dunkelroten Nelken sind meine Lieblingsblumen . - Bei solcher Lebensweise , was soll ich da lernen , woher soll ich klug werden ? - Was ich Ihrem Sohn schreib , das gefällt ihm , er verlangt immer mehr , und mich macht das selig , denn ich schwelge in einem Überfluß von Gedanken , die meine Liebe , mein Glück ausdrücken , wie es Ihm erquicklich ist . Was ist nun Geist und Klugheit , da der seligste Mensch , wie ich , ihrer nicht bedarf ? - Es war voriges Jahr im Eingang Mai , da ich ihn sah zum erstenmal , da brach er ein junges Blatt von den Reben , die an seinem Fenster hinaufwachsen , und legt ' s an meine Wange und sagte : » Das Blatt und deine Wange sind beide wollig « ; ich saß auf dem Schemel zu seinen Füßen und lehnte mich an ihn , und die Zeit verging im stillen . - Nun , was hätten wir Kluges einander sagen können , was diesem verborgnen Glück nicht Eintrag getan hätte ; welch Geisterwort hätte diesen stillen Frieden ersetzt , der in uns blühte ? - O wie oft hab ich an dieses Blatt gedacht , und wie er damit mir die Stirne und das Gesicht streichelte , und wie er meine Haare durch die Finger zog und sagte : » Ich bin nicht klug ; man kann mich leicht betrügen , du hast keine Ehre davon , wenn du mir was weismachst mit deiner Liebe . « - Da fiel ich ihm um den Hals . - Das alles war kein Geist , und doch hab ich ' s tausendmal in Gedanken durchlebt und werde mein Leben lang dran trinken wie das Aug das Licht trinkt ; - es war kein Geist , und doch überstrahlt es mir alle Weisheit der Welt ; - was kann mir sein freundliches Spielen ersetzen ? - was den feinen durchdringenden Strahl seines Blicks , der in mein Auge leuchtet ? - Ich achte die Klugheit nichts , ich habe das Glück unter anderer Gestalt kennen lernen , und auch was andern weh tut , das kann mir nicht Leid tun , und meine Schmerzen , das wird keiner verstehen . So hell wie diese Nacht ist ! Glanzverhüllt liegen die Berg da mit ihren Rebstöcken und saugen schlaftrunken das nahrhafte Mondlicht . - Schreib Sie bald ; ich hab keinen Menschen , dem ich so gern vertraue , denn weil ich weiß , daß Sie mit keinem andern mehr anbindet und abgeschlossen für mich da ist , und daß Sie mit niemand über mich spricht . - Wenn Sie wüßt , wie tief es schon in der Nacht ist ! Der Mond geht unter , das betrübt mich . Schreib Sie mir recht bald . Bettine Winckel , am 25. Juni Frau Rat , ich war mit dem Franz auf einer Eisenschmelze , zwei Tag mußt ich in der engen Talschlucht aushalten , es regnete oder vielmehr näßte fortwährend , die Leute sagten : » Ja das sind wir gewohnt , wir leben wie die Fisch , immer naß , und wenn einmal ein paar trockne Tage sind , so juckt einem die Haut , man möchte wieder naß sein . « Ich muß mich besinnen , wie ich Ihr das wunderliche Erdloch beschreibe , wo unter dunklen gewaltigen Eichen die Glut hervorleuchtet , wo an den Bergwänden hinan einzelne Hütten hängen und wo im Dunkel die einzelnen Lichter herüberleuchten und der lange Abend durch eine ferne Schalmei , die immer dasselbe Stückchen hören läßt , recht an den Tag gibt , daß die Einsamkeit hier zu Haus ist , die durch keine Geselligkeit unterbrochen wird . Warum ist denn der Ton einer einsamen Hausflöte , die so vor sich hinbläst , so melancholisch langweilig , daß einem das Herz zerspringen möcht vor Grimm , daß man nicht weiß , wo aus noch ein ; ach wie gern möcht man da das Erdenkleid abstreifen und hochfliegen weit in die Lüfte ; ja , so eine Schwalbe in den Lüften , die mit ihren Flügeln wie mit einem scharfen Bogen den Äther durchschneidet , die hebt sich weit über die Sklavenkette der Gedanken , ins Unendliche , das der Gedanke nicht faßt . - Wir wurden in gewaltig große Betten logiert , ich und der Bruder Franz , ich hab viel mit ihm gescherzt und geplaudert , er ist mein liebster Bruder . Am Morgen sagte er ganz mystisch : » Geb einmal acht , der Herr vom Eisenhammer hat ein Hochgericht im Ohr « ; ich konnt ' s nicht erraten ; wie sich aber Gelegenheit ergab ins Ohr zu sehen , da entdeckt ich ' s gleich , eine Spinne hatte ihr Netz ins Ohr aufgestellt , eine Fliege war drin gefangen und verzehrt , und ihre Reste hingen noch im unverletzten Gewebe ; daraus wollte der Franz das versteinerte langweilige Leben recht deutlich erkennen , ich aber erkannte es auch am Tintefaß , das so pelzig war und so wenig Flüssiges enthielt . Das ist aber nur die eine Hälfte dieses Lochs der Einsamkeit . Man sollt ' s nicht meinen , aber geht man langsam in die Runde , so kommt man an eine Schlucht . Am Morgen , wie eben die Sonne aufgegangen war , entdeckte ich sie , ich ging hindurch , da befand ich mich plötzlich auf dem steilen höchsten Rand eines noch tieferen und weiteren Talkessels , sein samtner Boden schmiegt sich sanft an die ebenmäßigen Bergwände , die es rund umgeben und ganz besäet sind mit Lämmer und Schafen ; in der Mitte steht das Schäferhaus und dabei die Mühle , die vom Bach , der mitten durchbraust , getrieben wird . Die Gebäude sind hinter uralten himmelhohen Linden versteckt , die grade jetzt blühen , und deren Duft zu