als jene Betrachtungen . » Es bestehen , fuhr sie dann fort , von den Voreltern des Comthur , testamentliche Verträge , nach welchen jeder Majoratserbe , bei Verlust seines Besitzthums , gezwungen ist , sich mit einer katholischen Glaubensverwandtin zu verbinden . Der junge Mann , welcher diese Bedingung unbeachtet gelassen hatte , sollte nach seines Vaters Tode in dessen Rechte treten . Er hatte nur einen einzigen Bruder , der ihm diese Rechte streitig machen konnte . Beide Brüder liebten sich auf das Innigste . Der Aeltere hegte keinen Zweifel über die rücksichtslose Zustimmung des Andern . Indeß , sei es aus Vorsicht , oder auch aus Unsicherheit , er hielt auch vor ihm die geschlossene Verbindung bei des Vaters Leben geheim . Jetzt stirbt dieser . Der neue Gutsherr tritt mit der jungen Gemahlin , einer armen Waise , das Pflegkind reicher Anverwandten , hervor . Er führt sie zuerst dem Bruder zu , in der Hoffnung der besten Aufnahme . Allein das Herz des Letztern scheint plötzlich gewendet . Unerbittlich widersetzt er sich der Anerkennung der Heirath , und läßt dem erstaunten Grafen die Wahl zwischen dem Opfer der Liebe , oder des Erbrechts . Dieser willigt in Keines von beiden . Ein Prozeß soll entscheiden . Es kam nicht dazu . Das Gesetz entschied von vorn herein für den Verlust des Majorats , sobald die Gültigkeit der geschlossenen Ehe bewiesen und behauptet werde . Sonderbar genug that der jüngere Bruder , ganz gegen sein Interesse , alles Mögliche , um Gründe für die Ungesetzlichkeit einer Trauung anzuführen , die ohne väterliche und oberherrliche Zustimmung vollzogen worden sei . Allein der leidenschaftliche Gatte schlug alle diese Einwürfe dadurch nieder , daß er darthat , sich nicht eher vermählt zu haben , bis der verlangte Abschied aus fürstlichem Dienst ihm zugekommen , und er durch erreichte Volljährigkeit jedweder Rechenschaft der Art entbunden worden sei . Nunmehr blieb kein Zweifel , er mußte dem Majorat entsagen , und da er zu erbittert , und zu stolz war , um selbst , den ihm gebührenden Antheil des väterlichen Vermögens anzunehmen , so lebte und starb er in Armuth . « » Und der unnatürliche Bruder , unterbrach ich sie ungeduldig , that nichts , um ihn zu versöhnen ? ließ ihn in Verzweiflung darben ? « » Ja , sehen Sie , fiel die Gräfin hastig ein , aus diesem Bruder kann niemand klug werden . Denken Sie , daß er eine sehr zärtliche Neigung aufgab , niemals heirathete , in einen geistlichen Orden trat , die großen Güter gewissenhaft verwalten , ihren Betrag unberührt ließ , und jetzt so lange an der Beweisführung gearbeitet hat , daß der Sohn einer protestantischen Mutter , insofern er im Glauben der wahren Kirche erzogen ward , nicht von der Erbfolge ausgeschlossen ist , bis er dem Neffen , dem einzigen Sohn des unglücklichen Grafen , zum Besitz eines Vermögens verholfen hat , dem er , zu seinen Gunsten entsagt . Kurz , meine Liebe , fuhr die Gräfin mit ungewissem Lächeln fort , der Comthur beweis ' t durch Alles , daß er der bizarrste Mensch von der Welt , und niemals zu verstehen ist . Bei seinen letzten wohlthätigen Absichten war ihm besonders der Präsident , Ihr Mann , sehr nützlich . Seine große Kenntniß aller Familienurkunden hat es ermittelt , daß wenigstens im Testament dieses besondern . Falles keine Erwähnung geschieht , und dem richterlichen Ausspruch die Freiheit bleibt , alle gemachte Einwendungen aus dem Felde zu schlagen . Erst , da alles besiegt war , ist der überraschte junge Mann hierher berufen , und von seinem Glücke unterrichtet worden . « » Von seinem Glücke ! entgegnete ich . Wer sagt denn , daß er es so nimmt ? « » Wer ? fragte die Gräfin . Mein Gott ! liebes Kind , er selbst , und recht aus Herzensgrunde , denn er benutzt sogleich die günstige Lage , seine Hand einem sehr hübschen Mädchen zu geben . Er ist schon abgereist , die Tochter der Oberhofmeisterin desselben Hofes , an welchem Fräulein Sophie Hofdame war , heimzuführen . Sehen Sie , lachte sie bedeutsam , so mischen sich die Karten geschickt in einander . « Da ich einigermaßen verwundert schwieg , rief die Gräfin muthwillig : » O ! ich könnte Ihnen noch viel mehr erzählen , was Sie überraschen würde . « » Thun Sie es , « bat ich , sie bei der Hand fassend . » Nein , nein ! « entgegnete Sie bestimmt , » ich habe auch meine kleinen Geheimnisse . « Sie stand hier von ihrem Platze neben mir auf , als fliehe sie meine Ueberredung , und eilte einigen ankommenden Gästen aus der Stadt entgegen . Im Weitergehen wandte sie sich noch einmal mit den Worten zurück : » Mein allerliebster , geschwätziger Justizrath hat mir das Alles im Vertrauen gebeichtet . « Ich sann noch über ihre Mitwirkung in dieser Angelegenheit nach , und beschloß Sophie unverzüglich zu befragen , ob sich wirklich alles so verhalte , wie es die Gräfin dem indiscreten Geschäftsführer abgelauscht hatte , als zu meiner nicht geringen Verwunderung die ganze Sache noch einmal in dem erweiterten Gesellschaftszirkel verhandelt ward . Die Rückkehr der Gräfin , mit ihren ins Licht getretenen , schimmernden Töchtern , zog sogleich die elegante Welt der Residenz zu ihrem angenehmen Landsitz . Es ward immer bunter in dem Garten . Der Theetisch stand auf einem hübschen , frischen Rasenplatz . Agathe schlüpfte behend auf einen bereitstehenden Sessel , den mehrere Herren mit großem Eifer , ihrer Bequemlichkeit wegen , näher heran schoben . Sie zog die Handschuhe , mit einem kleinen Anstrich nicht übel kleidender Verlegenheit aus , entblößte die niedlichen , vielleicht allzureich mit Ringen und Spangen geschmückten Hände und Arme , und bewegte diese sehr reizend in der Bereitung des Thees . Rosalie machte sich mit den gerösteten Brödchen , den Melonen , die sie zertheilte , und