Allwaltenden , dem ich von jedem meiner Tage Rechenschaft zu geben bereit seyn sollte , eilte ich in mein Bett . Von da an war mein Leben ein fortwährender Kreislauf von Gesellschaft und Putz . Gedankenlos eilte ich von Kaufläden zu Morgenbesuchen , dann zu Ausstellungen , Versteigerungen , Assemblees , Schauspielen und Bällen , ohne daß Herrn Maitlands ernste Winke , seine bangen mitleidsvollen Blicke , oder Miß Mortimers bestimmtere Bemühungen mich störten . Anfangs suchte diese weise Freundin mich durch angenehme Zirkel und geistvolle Gesellschaft , die sie bei sich versammelte , von dem lärmenden Gedränge abzuhalten ; allein ich hatte den Becher der Thorheit getrunken , der sanfterer Heiterkeit schien mir schaal . Sie machte mir Vorstellungen , sie redete zu meiner Vernunft , zu meinem Herzen - sie waren beide betäubt . Ich hatte die Keckheit , ihr zu sagen , daß , wenn nach sechs Wochen etwa alle meine Einladungen zu Ende wären , ich einmal an einem regnigen Sonntag ihre Lectionen anzuhören bereit sey . Noch jetzt erstaune ich über ihre Langmuth bei meiner Unverschämtheit - allein sie sah meine Thorheit aus dem Standpunct eines höhern Wesens an - die Aussicht auf die Strafe , die ihr drohte , schmolz allen Zorn in Mitleid dahin . Wie sie einsah , daß sie nichts über mich vermöchte , suchte sie den Beistand meines Vaters zu gewinnen ; allein dieser war selbst über meine glanzvolle Erscheinung in der großen Welt etwas geschmeichelt . Er theilte die Menschen in zwei Classen : die eine , welche Reichthum erwirbt , die andere , die ihn genießt . Ich gehörte zu der letztern , und er glaubte nicht , mich darin hindern zu müssen . Es schmeichelte ihn , wenn der Morning Chronicle den Glanz meiner Diamanten auf dem Ball der Gräfin nur dem meiner Augen nachsetzte ; er lächelte behaglich , wenn ein andrer Paragraph von der Bewerbung des jungen Herzogs von D. um meine Hand sprach . Wirklich begünstigte er mehrere Bewerber aus den vornehmsten Häusern , bis sie ihm ernstliche Anträge machen ließen ; dann schlug er sie , mit der Forderung eines unerschwinglichen Wittwenbedings nieder und wiederholte öfters , daß er gar nicht gesonnen sey , einem Burschen sein Vermögen zuzuwenden , der sich am Ende unterstehen könnte seinen Schwiegervater zu mißachten . Ich blieb bei diesen Verhandlungen ganz ungerührt . Meine Aussichten schienen mir so glänzend , und mein Hang zum Vergnügen war so groß , daß ich an keine Heirath dachte . Fiel es mir hier und da einmal auf , daß mein Vater sehr annehmliche Vorschläge zurückwies , so regte sich wohl der Gedanke in mir , er könne sich Herrn Maitland , den er mit der ausgezeichnetsten Achtung zu behandeln fortfuhr , zu seinem Schwiegersohn ausersehen haben . Leichtsinnig lachte ich dann bei der Vorstellung des Triumphs , diesen unbesiegbaren Starrkopf ausschlagen zu können . Ohne daß einer meiner Freiwerber mich anzog , oder einer meiner noch viel zahlreicheren Bewundrer mir Neigung einflößte , fand Lord Friedrich Mittel , mich am mehrsten mit sich zu beschäftigen . Er war der modigste Mann , ich strebte darnach , die Schönheit des Tages zu seyn ; aber noch mehr freute es mich , Lady Marie durch seine Beflissenheit , allenthalben an meiner Seite zu erscheinen , Galle zu erregen . In erster Rücksicht schmeichelte es meiner Eitelkeit , von manchem eifersüchtigen Gecken , von manchem neidischen Mädchen über meine verabredete Verbindung mit ihm mit heuchlerischer Theilnahme oder bitterm Spott sprechen zu hören , und die früh entkeimte , in jedem Verhältniß angewachsne Feindseligkeit zwischen Lady Marie und mir vermochte mich , keinen Schritt zu thun , um unser Verhältniß zu stören . Dieses war indessen einzig auf Eitelkeit gegründet ; er äußerte keine ernstere Absicht , und es wäre mir leid gewesen , hätte er es gethan , denn so sehr er Modeheld war , so wenig hatte er einen Eindruck auf mein Herz gemacht . Allein mit einer Heirath ists , wie mit der Sünde : wenn man sich oft daran zu denken erlaubt , stumpft sich der Schrecken davor ab . Am mehrsten trug Miß Juliens Bemühung bei , mich nach und nach an den Gedanken , daß es mit Lord Friedrich einst dahin kommen könnte , zu gewöhnen . Da sie nun einmal den Platz meiner Gesellschafterin eingenommen hatte und meinen Charakter sehr richtig beurtheilen mochte , mußte sie es auch für sich für einen günstigen Umstand halten , wenn ich einen glänzenden Rang in der Gesellschaft erhielt . Sie suchte mir in vielfach wiederholten Gesprächen bald die Ernstlichkeit von Lord Friedrichs Neigung zu beweisen , bald durch Aufregung meiner Eitelkeit oder meiner Feindseligkeit gegen Lady Marie mich zu Fortsetzung meiner Koketterie gegen ihn zu bewegen . Miß Mortimer , welche uns selten in Gesellschaft begleitete , in dieser selbst durch die jetzt so übliche Trennung der Jugend von Personen reifen Alters meinen Leichtsinn nicht beobachten konnte , blieb über mein Verhältniß zu Lord Friedrich in völliger Unwissenheit . Wirklich edle Menschen , selbst wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse sie unvermeidlich mit der Gemeinheit zusammenbringen , bleiben von ihr unberührt , denn sie sucht sich selbst , instinctartig , von ihnen zu entfernen . Es gehört ein Grad Dummheit oder eine bestimmte böse Absicht dazu , solche edle Menschen mit bösartigem Geschwätz zu belästigen . Eine solche Dummheit vermochte endlich ein ziemlich untergeordnetes Mitglied meiner glänzenden Cirkel - denn Reichthum , Jugendglanz und die Auszeichnungen meiner vornehmen Anbeter hatten mich in Gesellschaften eingeführt , in die meines Vaters Stand mir in gewöhnlichen Verhältnissen keinen Zutritt gesichert haben würde - eine solche Dummheit vermochte eine ältliche Wittwe , mit aller Heuchelei von Theilnahme und Entschuldigungen , bei einem Besuch , den sie Miß Mortimer machte , diese von Lord Friedrichs geflissentlicher Beschäftigung mit mir und den Vermuthungen , die man darauf gründete , zu unterrichten . Ich überraschte sie am Schluß ihrer Mittheilung und nahm , nach ihrer bald darauf erfolgten Entfernung