ein Märchen , das eine liebe Mutter ihrem unruhigen Kinde erfindet . « - » Aber wird nicht Mutter Hildegard mit dem Essen auf uns warten ? « unterbrach ihn der Knabe . » Sie wird noch öfter auf mich warten « , antwortete der Alte , » und ich werde nicht kommen , die Treppen des Turms steige ich nicht mehr hinauf und lasse auch das Seil nicht mehr zur Erde laufen nach täglicher Notdurft , sehe mir auch nicht mehr die Augen aus , ob irgend ein Strauchdieb unsern Fuhrleuten auflauert , das ist nun alles aus und ich bin hier eingesetzt , dich Berthold , den Abkömmling der Hohenstaufen zu erziehen , dir den Gebrauch ritterlicher Waffen zu zeigen und dein Schwert zu wetzen , daß es schneidet , wenn du es brauchen sollst . « Der Knabe wußte ihm nicht mehr zu antworten , sondern schmiegte sich an ihn , als er ihn aber über sich singen hörte , da erschrak er , denn so lange er um ihn gewesen , hatte Martin nie gesungen , obgleich ihm ein Wächterlied anbefohlen war , sondern sich immer am Gesange geärgert und oft mit Steinen nach Knaben und Handwerksgesellen geschleudert , die singend aus der Stadt zogen . Als aber der erste Schreck vorüber war , da hörte er dem Martin gern zu , nie hatte er eine so tiefe , ernste Stimme gehört , es war ihm , als ob er eine ganze Kirche aus der Ferne singen höre und jedes Wort blieb seinem Gedächtnisse eingeprägt . MARTIN : Im See auf Felsenspitzen Wird bald dein Schloß , die Pfalz , So eckig weiß dir blitzen , Als wär ' s ein Körnlein Salz , Und rings in dem Kessel von Felsen , Da siedet das Wasser am Grund , Ich rat es euch Wagehälsen , Verbrennet euch nicht den Mund . Es glänzen da sieben Türme , Von sieben Strudeln bewacht , Und wie der Feind sie stürme , Der alte Türmer lacht ; Die alten Salme lauern Auf frische Helden voll Mut , Wenn Heldenbräute trauern , Da füttern sie ihre Brut . Denn sieh , die Schiffe kommen Gerüstet bis zum Schloß , Gar prächtig angeschwommen , Da trifft sie Wirbelstoß , Und wie ein Rad der Mühle , So drehn sie sich geschwind , Als wär es nur zum Spiele , Bis sie verschwunden sind . Doch willst du einen retten , Dem wirft der Türmer dreist Um den Leib den Haken an Ketten Und ihn hinüber reißt ; Und zeigt ihm des Schlosses Türe , Doch wer nicht fliegen kann , Der braucht der Leitern viere , Eh ' er zur Türe hinan . Und ist er eingetreten , Da stehn vier eiserne Mann , Die stechen , eh ' er kann beten , Hält sie der Türmer nicht an ; Sie scheuen keinen Degen Und haben doch kein Herz , Stabileren sie bewegen , Sie sind gegossen aus Erz . Und ist er da vorüber , Im grünen ummauerten Platz , Da wird ihm wohler und trüber , Als wär er bei seinem Schatz , Da stehen die Kirschen in Blüten Und Kaiserkronen in Glanz , Die Nachtigall singet im Brüten , Kein Mädchen führt ihn zum Tanz . Der Türmer nimmer leidet Ein Mädchen in der Pfalz , Und ist sie als Ritter verkleidet , So kostet ' s ihr den Hals . Doch hat er den Bart gefühlet , Dann läßt er ihn zu dir ein , Zum Schloßhof , wo Wasser spielet , Mit buntem Strahlenschein . Da fließt ein Brünnlein helle , Das wie der Himmel rein , Wie auch der See anschwelle Von irdisch gelbem Schein ; Der Blumen stehen da viele Am schwarzen Gemäuer entlang Und eine kleine Mühle Steht mitten in dem Gang . Die Mühle drehet und netzet Den Schleifstein grau und fein , Ein Alter schleifet und wetzet Beständig auf dem Stein : Da schleifet er alle Stunden Ein Heldenschwert am Stein , Und hat nicht Zeit gefunden , Daß alle würden rein . Nun Fremdling geh nur vorüber , Dir springen die Funken ins Aug , Bald wäre es dir viel lieber Du lägst bei den andern auch , Denn keiner kömmt zurücke , Der einmal hier oben war , Es sei denn , daß er sich bücke , Und daß ihm gebleicht sein Haar . Die Zimmer des Schlosses sind enge , Gewölbt von Doppel-Kristall , Und blankes Silbergepränge , Das spielt mit den Strahlen Ball ; Da sitzet auf einem Löwen Des letzten Grafen Sohn , An solchen gefährlichen Höfen Ist das der sicherste Thron . Er denkt an Vater und Mutter Und an des Unsterns Nacht , Das ist ein Heldenfutter , Das nährt des Herzens Macht . Da sieht er in die Schrecken Wie in Alltäglichkeit , Und läßt sich nimmer necken Von falscher Sorglichkeit . Er ist so sicher in Kräften , So herrlich von Angesicht , So glücklich in allen Geschäften , Des Unsterns achtet er nicht ; Ihm scheint der Tag der Sage Schon freudig durch die Nacht , Die Nacht vorm Jüngsten Tage Wird schweigend zugebracht . Vierte Geschichte Schatz und Messer » Du kannst nicht schweigen « , rief eine Stimme aus dem Gebüsche ; » zum drittenmal hast du den Schwur gebrochen ! « - » Fluch über euch « , antwortete der Alte ergrimmt , » die ihr mein freies Herz an unbesonnene Schwüre gekettet , ich breche die Kette , ich fürchte euch nicht mehr . « In dem Augenblicke zischte ein Pfeil neben dem Knaben vorüber in Martins Herz , er sah Martins Blut auf spritzen , hörte seine dumpfen Flüche und stürzte besinnungslos über ihn her , als wollte er ihn mit seinem Leibe gegen jedes Wurfgeschütz seiner Feinde sichern : aber kein zweiter Pfeil war nötig . Die lahme Elster erweckte den jungen Berthold gar bald aus seiner Bewußtlosigkeit , um ihn von der ernsten Wahrheit