erkennen , sich niederwerfen in den Staub und die Fürbitte erflehen vor dem Throne Gottes . So aber hielt ich sie für befangen in verderblicher Verstocktheit . Selbst in meine Reden flocht ich gewisse Anspielungen ein , die darauf hindeuteten , wie nun eine wundervolle Zeit , gleich der in schimmernden Strahlen leuchtenden Morgenröte , angebrochen , in der , Trost und Heil bringend der gläubigen Gemeinde , ein Auserwählter Gottes auf Erden wandle . Meine eingebildete Sendung kleidete ich in mystische Bilder ein , die um so mehr wie ein fremdartiger Zauber auf die Menge wirkten , je weniger sie verstanden wurden . Leonardus wurde sichtlich kälter gegen mich , er vermied , mit mir ohne Zeugen zu sprechen , aber endlich , als wir einst , zufällig von allen Brüdern verlassen , in der Allee des Klostergartens einhergingen , brach er los : » Nicht verhehlen kann ich es dir , lieber Bruder Medardus , daß du seit einiger Zeit durch dein ganzes Betragen mir Mißfallen erregst . - Es ist etwas in deine Seele gekommen , das dich dem Leben in frommer Einfalt abwendig macht . In deinen Reden herrscht ein feindliches Dunkel , aus dem nur noch manches hervorzutreten sich scheut , was dich wenigstens mit mir auf immer entzweien würde . - Laß mich offenherzig sein ! - Du trägst in diesem Augenblick die Schuld unseres sündigen Ursprungs , die jedem mächtigen Emporstreben unserer geistigen Kraft die Schranken des Verderbnisses öffnet , wohin wir uns in unbedachtem Fluge nur zu leicht verirren ! - Der Beifall , ja die abgöttische Bewunderung , die dir die leichtsinnige , nach jeder Anreizung lüsterne Welt gezollt , hat dich geblendet , und du siehst dich selbst in einer Gestalt , die nicht dein eigen , sondern ein Trugbild ist , welches dich in den verderblichen Abgrund lockt . Gehe in dich , Medardus ! - entsage dem Wahn , der dich betört - ich glaube ihn zu kennen ! - schon jetzt ist dir die Ruhe des Gemüts , ohne welche kein Heil hienieden zu finden , entflohen . - Laß dich warnen , weiche aus dem Feinde , der dir nachstellt . - Sei wieder der gutmütige Jüngling , den ich mit ganzer Seele liebte . « - Tränen quollen aus den Augen des Priors , als er dies sprach : er hatte meine Hand ergriffen , sie loslassend , entfernte er sich schnell , ohne meine Antwort abzuwarten . - Aber nur feindselig waren seine Worte in mein Innres gedrungen ; er hatte des Beifalls , ja der höchsten Bewunderung erwähnt , die ich mir durch meine außerordentliche Gaben erworben , und es war mir deutlich , daß nur kleinlicher Neid jenes Mißbehagen an mir erzeugt habe , das er so unverhohlen äußerte . Stumm und in mich gekehrt , blieb ich , vom innern Groll ergriffen , bei den Zusammenkünften der Mönche , und ganz erfüllt von dem neuen Wesen , das mir aufgegangen , sann ich den Tag über und in den schlaflosen Nächten , wie ich alles in mir Aufgekeimte in prächtige Worte fassen und dem Volk verkünden wollte . Je mehr ich mich nun von Leonardus und den Brüdern entfernte , mit desto stärkeren Banden wußte ich die Menge an mich zu ziehen . - Am Tage des heiligen Antonius war die Kirche so gedrängt voll , daß man die Türen weit öffnen mußte , um dem zuströmenden Volke zu vergönnen , mich auch noch vor der Kirche zu hören . Nie hatte ich kräftiger , feuriger , eindringender gesprochen . Ich erzählte , wie es gewöhnlich , manches aus dem Leben des Heiligen und knüpfte daran fromme , tief ins Leben eindringende Betrachtungen . Von den Verführungen des Teufels , dem der Sündenfall die Macht gegeben , die Menschen zu verlocken , sprach ich , und unwillkürlich führte mich der Strom der Rede hinein in die Legende von den Elixieren , die ich wie eine sinnreiche Allegorie darstellen wollte . Da fiel mein in der Kirche umherschweifender Blick auf einen langen hageren Mann , der mir schrägüber auf eine Bank gestiegen , sich an einen Eckpfeiler lehnte . Er hatte auf seltsame fremde Weise einen dunkelvioletten Mantel umgeworfen und die übereinander geschlagenen Arme darin gewickelt . Sein Gesicht war leichenblaß , aber der Blick der großen schwarzen , stieren Augen fuhr wie ein glühender Dolchstich durch meine Brust . Mich durchbebte ein unheimliches grauenhaftes Gefühl , schnell wandte ich mein Auge ab und sprach , alle meine Kraft zusammennehmend , weiter . Aber wie von einer fremden zauberischen Gewalt getrieben , mußte ich immer wieder hinschauen , und immer starr und bewegungslos stand der Mann da , den gespenstischen Blick auf mich gerichtet . So wie bittrer Hohn - verachtender Haß lag es auf der hohen gefurchten Stirn , in dem herabgezogenen Munde . Die ganze Gestalt hatte etwas Furchtbares - Entsetzliches ! - Ja ! - es war der unbekannte Maler aus der heiligen Linde . Ich fühlte mich wie von eiskalten grausigen Fäusten gepackt - Tropfen des Angstschweißes standen auf meiner Stirn - meine Perioden stockten - immer verwirrter und verwirrter wurden meine Reden - es entstand ein Flüstern - ein Gemurmel in der Kirche - aber starr und unbeweglich lehnte der fürchterliche Fremde am Pfeiler , den stieren Blick auf mich gerichtet . Da schrie ich auf in der Höllenangst wahnsinniger Verzweiflung : » Ha Verruchter ! hebe dich weg ! - hebe dich weg - denn ich bin es selbst ! - ich bin der heilige Antonius ! « - Als ich aus dem bewußtlosen Zustand , in den ich mit jenen Worten versunken , wieder erwachte , befand ich mich auf meinem Lager , und der Bruder Cyrillus saß neben mir , mich pflegend und tröstend . Das schreckliche Bild des Unbekannten stand mir noch lebhaft vor Augen , aber je mehr der Bruder Cyrillus , dem ich alles erzählte , mich zu überzeugen suchte ,