des Balboa , wie er zuerst das stille Meer entdeckte , die beiden schönen Kinder unter sich erblickte : zwei glückliche Inseln in dem stillen grünen Meere vor ihm . Eigentlich wurde er ihnen beiden im Augenblick so zugezogen , wie es nur in diesem Alter und in der waglichen Stimmung eines begeisterten Fußreisenden möglich , der , nach einem halben Jahre in engen Zimmern und dumpfen Hörsälen , einmal wieder von Morgen bis Abend unter dem durchsichtigen blauen Himmelsgewölbe wandelt ; doch hielt ihn ein Dornstrauch an seinem Kleide fest , als er eben über die Mauer springen wollte . Ahndung und Liebe erscheinen selten getrennt , und so nahm er es als eine warnende Ermahnung der Liebe , nicht auf unrechten Wegen in diesen geheiligten Kreis zu dringen , und begnügte sich sie möglich lange und möglich nahe zu beschauen . Der Wirt hatte seine Begierde die Mädchen kennen zu lernen , durch seinen Bericht von ihrem Stande , von ihren Schicksalen und ihrer stillen Lebensweise noch vermehrt ; er war kein Adelstor , wie die meisten seines Standes zu jener Zeit , bei denen er für einen Revolutionär galt , aber er kannte das Achtbare der Familiengesinnungen und Familienehre , die sich noch immer in denen Häusern fortpflanzen , welche sich einst den Herrschern gleich geachtet ; das Gleiche mit seinen eigenen Verhältnissen war ihm von guter Vorbedeutung . Es schwebte ein Wunderbild von weiblicher Sanftheit , Zurückgezogenheit und Freundlichkeit in seinem Kopfe , das ihm in den beiden Gräfinnen zum erstenmal gegenwärtig geworden . - Siebentes Kapitel Graf Karls erster Besuch bei den beiden Gräfinnen Erst in der Türe ihres Schlosses fiel es ihm heiß ein , daß es doch ganz unwürdig sei , mit der erlogenen Kauflust die Begierde nach der Bekanntschaft der Mädchen zu bemänteln ; aber es ließ sich nicht ändern , die Türe war schon hinter ihm geschlossen , durch die Säulen der Treppe schimmerte schon das rotgestreifte weiße Kleid der Gräfin Dolores , ihre Tritte schallten im Gewölbe . Sie trat ihm , beschämt , daß er die Mängel ihres Anzuges entdecken möchte , mit einigen unverständlichen Worten entgegen , aber ihr reizender Blick machte seine Worte noch undeutlicher , es war ein Schimmer in den hellbraunen Augen , der sich nicht malen läßt ; und doch kommt viel darauf an , jedes zur rechten Zeit zu sehen , zu tun ; wäre ihm Klelia so begegnet , wahrscheinlich hätte er sich ihr eben so bestimmt ergeben , wie er sich jetzt der schöneren prächtigen Schwester eigen fühlte . Der Bediente half beiden , indem er weitläuftig von allen Bequemlichkeiten redete , die der untere Speisesaal verberge ; von der Wasserleitung , worin sonst das Getränk gekühlt worden , die aber jetzt verstopft sei . - Die innern Wandverzierungen des Schlosses waren meist architektonisch , entweder in Stein , oder in Gips . Da der alte Graf viel gute Gemälde besaß , so scheute er sich , sie irgendwo mit Fabrikmalerei gewöhnlicher Tapeten zusammen zu bringen , denn beide verlieren dadurch ; das Mechanische jener verwöhnt das Auge , auch in dem Lebendigen der andern etwas der Art zu sehen , und jene wiederum büßen die Art von Gefälligkeit ein , die sie in Abwesenheit eigentlicher Kunstwerke bewahren . Diese Gemälde waren verkauft , eben so Sessel und Tische und alles , was zu dem eigentlichen Gebrauche der Menschen gehört , auch hatte wohl die Kriegsfurie hin und wieder ihre Fackel an den Wänden geputzt , aber größer und würdiger sahen offenbar diese edlen architektonischen Verzierungen in dieser ungehinderten Übersicht aus . Der Graf hatte nie etwas so Prächtiges gesehen ; ohne alle Kauflust war er eingetreten , jetzt aber dachte er sich ' s als das höchste Glück in den schönen Verhältnissen dieser Zimmer sein Leben zu führen ; unbemerkt , hoffte er , müsse dies alles Widersprechende , Ungleiche in ihm ordnen ; noch gestand er sich nicht , daß ihm zur Seite auch solche frische Lebensgöttin , von so schönem Verhältnisse wie Dolores gehen müsse , ihm war es , als sei ihre Schönheit , die Wölbung ihrer Augenbraunen , das schöne Verhältnis ihrer Zähne , woran die edelste Säulenordnung zu erläutern , nur eine Wirkung von der Herrlichkeit dieses Baues , oder sie selbst sei die Baugöttin , so ganz erbaut war er von ihr , von ihrer Rede , von jeder ihrer Bewegungen . So gingen sie durch die schönen Geschosse und der Graf mit dem Wunsche , die Aussicht ganz zu kennen , stieg noch eine Treppe höher in das oberste Geschoß , das sonst den Bedienten bestimmt gewesen , wo aber jetzt die Gräfinnen wohnten , und das Dolores mit ihren Malereien verziert hatte . Sehr ungern folgte sie ihm dahin , sie wußte sich aber durchaus auf keinen Entschuldigungsgrund zu besinnen . Der Graf bewunderte die ausnehmende Fertigkeit , die schönen sichern Umrisse dieser Bilder , Dolores gestand , daß es ein müßiges Spiel von ihr sei . Er glaubte nicht , daß dies das Beste sei , was sie in der Art machen könnte , und so ehrte er sie plötzlich als das höchste Malergenie , das ihm je begegnet , er bewunderte von einer Vorstellung zur andern und so kam er unbemerkt an das Zimmer der Klelia ; er meinte es auch leer , als er aber jemand darin erblickte , so machte er die Türe mit einer Entschuldigung schnell zu , ohne sie zu unterscheiden . Gleich wendete er sich zur Gräfin Dolores , die verlegen hinter ihm gestanden , weil ihre Schwester sich nicht ordentlich angezogen , nachdem sie ihr das Beste vorweg genommen : » Wer war die Dame ? « - » Meine Kammerjungfer « , sagte die Gräfin und der Bediente brummte heimlich vor sich , daß sie nun sogar ihre Schwester verleugne , nachdem sie selbige um einen Liebhaber betrogen ; er hatte nämlich die Klelia von Jugend auf viel lieber , auch blieb er