Pferdchen und das zierliche Kasket , welches jetzt auf einem Pfeiler der Treppe hing , dem armen Knaben allen Zauber und jede Aehnlichkeit mit Francesca nahmen . Ein frisches , halberstädtisches Gesicht sah ihnen aus dünn verschnittnem Haar entgegen , und verwischte alle Erinnerungen aus der italienischen Welt . Julius lächelte im Vorbeigehn über sich und die Bestechlichkeit der Sinne , als ihnen der Wirth entgegentrat und sie höflichst befragte , ob sie nichts dawider hätten , mit einem anständigen Herrn hier im nächsten Zimmer zu speisen . Sie nahmen es an und traten hinein . In ' s Fenster gelehnt stand ihr blonder Reisegefährte , der sie , aus einem flüchtigen Blick im Vorbeireiten , erkannte und höflichst begrüßte . Das Gespräch ward bald , wie gewöhnlich im Leben , an unbedeutende Gemeinplätze angeknüpft , die es denn endlich ganz natürlich herbeiführten , daß der junge Mann , Jagdjunker eines benachbarten Fürsten , auf dem Wege zu dessen Residenz begriffen sei . Er hatte eine etwas raube Stimme ; sonst viel gutmüthige Herzlichkeit , die leicht Eingang fand ; vorzüglich war er aufmerksam um Luisen bemüht und liebkoste tändelnd Mathildens Hund , der sie nach dem Falkenstein begleitete . Julius sagte ihm : daß ihnen dies kleine Thier als ein liebes Andenken einer kürzlich verstorbnen Mutter sehr werth sei , wobei Luise ihre feuchten Augen senkte und die Rührung des Fremden nicht wahrnahm , der fast kindlich ausrief : ach Gott ! ich habe meine Mutter niemals gesehn und habe auch kein Andenken von ihr ! Sein Gesicht drückte dabei so wahr die Sehnsucht nach dem ungekannten Glücke aus , daß Julius voll Theilnahme seine Hand faßte und alle Drei recht von Herzen zu reden begonnen . Es zeigte sich nun bald , im Laufe der Unterhaltung , daß der junge Mann ein Neffe des Baron Veltheim und Julius , aus seiner Kindheit , unter dem Nahmen Carl bekannt war . Sie hatten nicht sobald diesen gemeinschaftlichen Berührungspunkt gefunden , als die Familie des Barons Luisen aus manchen treffenden Zügen bekannt gemacht , und der Wunsch , sie kennen zu lernen , in ihr erregt wurde , wobei Carl lustig hinzusetzte , er käme sich dort wie ein Ostrogothe vor , da ihn die Tante jeden Augenblick versichre : er habe nicht die geringste Leichtigkeit im Umgang mit Frauen , keine Gewandheit in der Unterhaltung ; eine Reise nach Paris könne ihm beides allein geben , und , statt einen so untergeordneten Posten an einem kleinen Hofe anzunehmen , hätte er suchen sollen , in Verbindung mit einem weltklugen Freunde , die Reise zu unternehmen . Der Onkel hingegen lebe in der alten und neuen Literatur , rufe einen Kreis von Gelehrten um sich her , in welchem er ihn gänzlich übersehe . Selbst in der Gefälligkeit der kleinen Cousine liege eine Art von Spott , denn sie rede von nichts als Hunden , Jagd und Pferden mit ihm , und zeige wohl , daß sie sich gütig bemühe , zu ihm herunter zu steigen . Julius entschuldigte das mit der Unkunde der meisten Menschen , eine allgemeine Unterhaltung herbei führen zu können , wodurch allein die gesellige Mittheilung frei bleibe und jeder in den Stand gesetzt werde , das Seinige dazu beizutragen , ohne ihn auf eine angreifende Weise in den abgeschlossenen Kreis seines täglichen Thuns und Treibens zurückzudrängen . Ja , sagte Carl , und das Zurückdrängen hat denn noch den Fehler , daß man es dem Andren gleich ansieht , er ritte lieber seinen eignen Gaul , da er auf dem fremden mein Leben nicht recht im Sattel ist . Die Leichtigkeit , fuhr Julius fort , in die abgeschloßnen Verhältnisse jedes Menschen einzugehen , wird größtentheils als der Gipfel der feinern Bildung angesehen , aber es muß wie von selbst aus dem Vorhergehenden entspringen und sich leicht und gefällig der allgemeinen Unterhaltung anschließen , sonst hat es etwas Demüthigendes für den , der einmal aus dem alten Geleise heraustreten wollte und dem man dadurch freundschaftlichst winkt , stehen zu bleiben . Das ist wahr ! rief Carl ganz entzückt , das ist wahrhaftig wahr . Das werde ich Emilien nächstens sagen , wenn sie mich wieder in meine Wälder schickt , aus denen ich eben komme , um mit ihr ganz andre Dinge zu reden . Der Wagen war indeß vorgefahren . Julius wünschte Luisen bald in ihr neues Reich einzuführen und eilte daher , den Rest der kleinen Reise bald zurückzulegen . Carl trennte sich wie ein alter Freund von ihnen , der sich in ihrer Nähe leicht und wohl fühlend , ehestens zu ihnen zurückzukehren versprach . - Ich erinnere mich , sagte Julius , als sie allein waren , daß mein Vater fast auf ähnliche Weise wie die Baronin über Carl urtheilte , und es hat sich dennoch ein recht frischer , gesunder Sinn und zuverlässig ein treues Herz in ihm entwickelt . Luise hatte in der Einsamkeit eine sehr gebildete Erziehung genossen ; sie besaß viel Kenntnisse und war durch Mathilden an eine unterrichtende , fast gewählte , Unterhaltung gewöhnt . Sie hegte daher eine Art von Verachtung gegen alle Unwissenheit und übersah Menschen ohne hervorstechende Gaben fast gänzlich . Carls Gutmüthigkeit hatte sie bewegt , indeß glaubte sie , mitleidiges Wohlwollen sei nicht das Rechte , was Einer für den Andern empfinden solle . Julius versicherte sie , oft bei dem reichsten Schatz von Kenntnissen , mehr Einseitigkeit und ermüdendes Einerlei , als bei diesem offnen , freien Gemüthe gefunden zu haben . Frei ? - wiederholte Luise , das bestreite ich , er fühlt sich alle Augenblicke einmal beschränkt und hat weder die Mittel , noch sucht er die Wege , sich los zu machen . Liebe Luise , erwiederte Julius , verdamme die Unbeholfnen nicht so gradehin , ein jeder hat seinen Kreis , in welchem er sich frei bewegt ; führe ihn da heraus , so steht er wie Carl da , der wenigstens gescheut einlenkt und