- Maria ist jung , sie empfindet lebhaft , und tief ; doch wird sie oft von einer Empfindung zu einer ganz entgegengesetzten fortgerissen . Eben weil sie jung ist . Ja ! Aber soll man ihr da nicht rathen ? Ihr nicht helfen ? Sie nicht schützen ? Auf welche Weise ? Soll sie sich nicht selbst verstehn , soll sie das wahrhaft Wünschenswürdige nie kennen lernen ? Was wäre hier das wahrhaft Wünschenswürdige ? » O mein Gott ! « - rief sie ungeduldig - » will Fürst Alexander mich quälen ? oder quält er sich selbst ? « » Ich weiß die Zeit , « - sagt ' ich nach einigem Stillschweigen - - » wo Allwina das im höchsten Grade fürchtete , was ihr jetzt als das Wünschenswürdigste erscheint . « Die Umstände sind verändert , mithin auch mein Urtheil . Es war , nachdem was ich zu jener Zeit voraussetzen mußte , sehr richtig und wahr , es ist es jetzt - wie mich dünkt - nicht minder . Doch scheint es mir , als komme es gerade jetzt auf eine Wahrheit an , welche unter allen Umständen dieselbe bleibt . Die wäre ? » Daß Liebe , « - sagt ' ich aufstehend und ihre Hand ergreifend - » daß Liebe aus Zwang nicht gedenkbar ist . « Sie sah verdrüßlich vor sich nieder . Ich drückte ihr noch ein Mal die Hand , und ging zu Maria . Noch war sie im Wechselgesange mit Perçy begriffen und bemerkte mich nicht ; er aber sah mich und erröthete . - Endlich schlug Maria das Himmelauge zu mir auf und flog , wie gewöhnlich , mit lautem Frohlocken in meine Arme . Perçy glühte . Maria noch mit meiner Linken umschließend , reichte ich ihm lächelnd die Rechte . Er zögerte mir die seinige zu geben . Ich muß mit dem jungen Manne reden . Heute traf ich Maria allein in tiefen Gedanken . Sie kam mir langsam entgegen . » Ist Ihnen nicht wohl , liebe Maria ? « - fragt ' ich schnell - » O ja ! « - sagte sie - » aber ich denke nur an Graf Perçy . « Und das macht Sie betrübt ? Ach , wie wird es im Frühlinge werden ? - Wie so ? Da wird er nicht zu mir kommen können . Wir wohnen zu weit von der Stadt . Möchten Sie lieber den Sommer hier zubringen ? » Das wäre herrlich ! « - rief sie , meine beyden Hände ergreifend . So gefällt Ihnen die Stadt besser als das Land ? Dieß eben nicht . Es ist nur wegen Graf Perçy . Aber er kann ja zu Ihnen kommen . Wenn das möglich wäre ! Warum sollt ' es nicht möglich seyn ? Ich kam ja alle Tage . Ja Sie ! Was thäten Sie nicht ! Sie ließen Ihr Leben für Maria ; Maria ließ ' es für Sie . » O Maria ! Maria ! « - rief ich , und zog mit Heftigkeit ihre Hand an mein Herz . Da trat plötzlich Allwina herein . Iwanova ist unpäßlich , und die Bestürzung allgemein . Man flistert , der schöne R .... habe das Ende seiner Laufbahn schon erreicht . Er ist mehrmals nicht vorgelassen worden , und soll der Verzweiflung sehr nahe seyn . Schon reichen die Tage zu den Berathschlagungen der Höflinge nicht mehr hin . Sie scheinen , bis die wichtige Stelle besetzt ist auf Schlaf und Bequemlichkeit Verzicht thun zu wollen . Besonders aber fürchten sie in Ansehung meiner , einen Rückfall bey Iwanova . Gott verhüte , ihre Furcht möge gegründet seyn ! - Während dessen häufen sich die Geschäfte . Einige sind ohne Iwanova ' s Entscheidung gar nicht zu beendigen . Bald wird es unmöglich seyn , sie weiter zu verschieben . Ich gestehe , daß ich vor der ersten Zusammenkunft zittre . Ist sie erwacht , so muß dieses Erwachen schrecklich seyn . Ein Lichtstrahl wollte meine umdüsterte Seele erhellen ; aber schon ist es wieder Nacht um mich her . O Maria ! weiß ich dich nur gesichert ! - Vergebens hatt ' ich dem gefürchteten Augenblicke zu entfliehen gesucht , vergebens alles Wichtige , in einem möglichst gedrängten Auszug ihr überreichen lassen , hoffend , sie werde schriftlich darüber entscheiden . Gestern , da ich eben zu Maria gehen wollte , wurde mir mit vieler Aengstlichkeit hinterbracht : sie habe nach mir gefragt . R .... kam mir am Eingange der Vorzimmer , wo er noch immer Schattenähnlich umherirrt , entgegen , und fiel mir mit einem Thränenstrome um den Hals . Bald hätte der Unwille über dieses so ganz unmännliche Betragen , das Mitleid in meinem Herzen erstickt . Doch faßt ' ich mich , und bat ihn ebenfalls , sich zu fassen . » Ihre Ketten « - sagt ' ich - » sind gelös ' t. Wäre es möglich , daß Sie dieses Glück unbenutzt lassen , daß Sie es verkennen sollten ? « Er starrte mich an , als höre er eine ihm durchaus unverständliche Sprache . » Muth und Freyheit ! « - fuhr ich fort , seine Hand zum Abschiede ergreifend . In dem Augenblicke gingen ein Paar Höflinge vorüber . Daß ich seine Hand dessen ungeachtet immer noch hielt , schien ihm vollends unbegreiflich . Ich verlangte gemeldet zu werden ; aber man antwortete nur mit tiefen Verbeugungen : » Wie ! « - sagt ' ich - » dürfen Sie mich nicht melden ? « - » O mein Gott ! « - rief der Mensch in einem Tone , als habe ich eine Blasphemie ausgesprochen , als stehe die Welt mir zu Gebote . Noch betrachtete ich ihn eine Weile mit fragendem Blicke , eilte dann schnell durch den kriechenden , flisternden Schwarm , der sich mir aus dem hellerleuchteten Vorzimmern entgegendrängte . Ohne Zweifel war es dieß blendende Licht ,