unendliche Martern , was er in einem schönen Augenblick verbrach . Ja , unendliche Martern liegen unter den reizenden Blumen der Liebe verborgen ! Das fühle ich , das wirst auch du fühlen , und darum möchte ich warnen , rufen , flehen : Ziehe dich zurück , so lange es noch Zeit ist , wenn du nicht die größte , Wahrscheinlichkeit eines glücklichen . Erfolges hast ; siehst du aber den , liebt dich Agathokles , wie du ihn , stellt sich eurer Verbindung kein anderes Hinderniß in den Weg - o dann gehe hin , du Liebling der Götter , genieße deines Glückes , unbeneidet von der trauernden Freundin , der kein so schönes Loos fiel , die aber an deiner Freude sich mit freuen wird ! Genieße es , aber gedenke der Nemesis3 , und laß die heilige Scheue , die Furcht , es zu verlieren , dir seine Dauer versöhnend sichern ! O meine Calpurnia ! Wie will ich mich freuen , wenn ich dich glücklich weiß ! Du bist edel , gut , schön , liebenswürdig : vielleicht haben die Götter dich zu dem höchsten Glück bestimmt , das ihre Huld dem Menschen geben kann . Sein Abglanz soll meine Nacht erhellen . Tiridates ist seit vorgestern von hier fort , um nach Rom zu gehen , und sich auf eine lange Reise zu bereiten . Cäsar Galerius hat ihn nach Nikomedien beschieden . Es sollen neue Versuche gemacht werden , vom Kaiser und Senat seine Einsetzung auf den Thron seiner Väter zu bewirken4 . Es soll ein Heer gerüstet werden , den Persern ist der Krieg angekündigt , in Armenien sind wichtige Dinge vorgefallen , Verschwörungen für und wider das Geschlecht der Arsaciden . Welche Blitze aus den Wolken brechen werden , die sich von allen Seiten an unserm Horizont herauf ziehen , wissen nur die Götter . Wir müssen in geduldiger Ergebung zitternd erwarten , wen und wie der Schlag treffen soll . O welches traurige Loos , wenn die Liebe eines unglücklichen Paares , in das Schicksal der Reiche und Nationen verwebt , von ihm stürmisch fortgerissen wird , und nichts thun kann , als sich blind dem unwiderstehlichen Zuge hingeben ! Calpurnia ! Wie bist du auch in diesem Stücke glücklich ! Eure Liebe wird kein Monarch stören , euer Bündniß wird nicht auf der beweglichen Welle der Volksgunst getragen ! Kein ernster Wille einer Nation entscheidet über euer Loos ! Ihr dürft euch im stillen Schatten des Privatlebens lieben , und mit einander leben , bis der Tod diese Bande sanft löset , und eines nach dem andern in das dunkle Reich der Nacht führet . O wie gern würde ich der schimmernden Aussicht auf den Thron der Arsaciden entsagen , wie gern - wenn nur einmal die welken Bande , die mich an Serranus binden , durch das Machtwort des Augustus gelöset wären - mich mit Tiridates in irgend einem stillen Winkel der Wett verbergen ! Aber darf ich wohl diese Wünsche laut werden lassen ? Darf ich den zum Thron gebornen , den der heiße Wunsch der bessern Mehrheit seines Volkes , den die Stimme der Weisen unter den Römern , den endlich sein hohes Gemüth mehr als Alles das zum Herrschen ruft , von seiner erhabenen Bestimmung ablenken , und ihn um meinetwillen in niedriges Dunkel begraben ? Könnte ich diesen Verrath an der Welt , an seinem Volke verantworten , und endlich , könnte ich hoffen , daß ein Herz , wie Tiridates , in dieser stillen Beschränktheit , dieser ruhmlosen Abgeschiedenheit , glücklich seyn würde ? Und so muß ich schweigen , dulden , tragen , das , was das Aergste für liebende Herzen ist , Trennung , und Ungewißheit der Zukunft . Seit gestern - wie stille , wie unendlich einsam ist es um mich her ! Nirgends höre ich mehr die Stimme des Geliebten , nirgends begegnet mir mehr die hohe theure Gestalt in der kalten , beziehungslosen Umgebung . Von Allem , was uns bevorsteht , kenne ich nur die Gefahren , die Hindernisse , die Schrecken mit Gewißheit . O meine Liebe ! Das sind Schmerzen , von denen du keinen Begriff hast . Mögen die Götter dich vor ihrer Kenntniß bewahren ! Was ist der Tod im Arm des Geliebten gegen diese Qual ? Mit jedem Augenblicke sterbe ich einmal , denn jeder Augenblick rückt die lange , gefahrvolle Trennung näher , und so habe ich tausendmal den Tod gefühlt , ehe er kommen wird , sich meiner wirklich zu erbarmen . Calpurnia ! Ich bin sehr gebeugt , und zu den Leiden eines zerrissenen Gemüthes gesellt sich seit einigen Tagen ein körperliches Uebelbefinden , ob blos Zuwachs des erstern , ob Folge desselben und der vielen Verdrüßlichkeiten , die ich hier mit unsern Leuten und besonders mit Novius , unserm Verwalter , einem durchaus bösen Menschen hatte , weiß ich nicht . Genug , jetzt , da ich nach mehr als zwei Monaten wieder in deine Arme zurückkehren , und den Geliebten vor der unendlichen Trennung vielleicht noch einmal in Rom sehen könnte , scheint meine zerrüttete Gesundheit mir auch diesen letzten Trost verweigern zu wollen . Ich habe an Serranus geschrieben , und eine wohlgeschlossene Sänfte bestellt . Vielleicht kömmt er selbst , oder sendet einen seiner Vertrauten , mich abzuholen . Das wäre mir sehr angenehm , denn ich fürchte mich , krank und allein zu reisen . Von den hiesigen Leuten mag ich Niemand mitnehmen , ich habe sie auf einer viel zu schlechten Seite kennen gelernt . Wäre jene Hoffnung nicht , ich würde ohne weiteres die Rückkehr meiner Gesundheit und der bessern Jahreszeit hier erwarten . Aber diese Aussicht ist auch auf ein bloßes Vielleicht nicht aufzugeben , und zwei Tage , mit dem Geliebten vor einer langen - ach wer bürgt dafür ? - vielleicht ewigen Trennung zugebracht , sind mit keiner Krankheit , mit keinen Schmerzen , ja selbst mit dem Tode