Achtung für die Gräfin Clementina gefallen lassen . Betty eilte zurück , sobald sie sich ihres Auftrags entledigt hatte . Ein Brief , den Juliane folgenden Tag an ihre Tante schrieb , ist ein Beweis , wie interessant Florentin der ganzen Familie schon geworden war . Juliane an Clementina Jetzt verdient Betty nicht mehr von Ihnen bestraft zu werden , wegen ihrer zu großen Leidenschaft für das Tanzen ; sie ist vielmehr zu unser aller Verwunderung bis zum Kaltsinn mäßig darin geworden . Alles unsers Bittens und Zuredens ungeachtet , wollte sie durchaus nicht länger bei uns verweilen , als sie es Ihnen zugesagt hatte , ob wir gleich noch denselben Abend einen recht brillanten Ball hatten . Der Vater erbot sich , Ihnen einen Boten zu Pferde zu schicken , um Sie nicht in Unruhe ihrentwegen zu lassen ; aber sie war nicht zurückzuhalten . Alle Ihre Aufträge waren ausgerichtet , sie sah mit großer Gemütsruhe die glänzende Gesellschaft sich versammeln , ja , sie wagte es sogar den Anfang des Balls abzuwarten ; und indem sie mit Eduard den Saal einmal auf und nieder walzt , winkt sie uns allen im Vorbeifliegen zu , und sofort aus der Tür in den Wagen , so hastig , daß Eduard mit noch einigen Herrn ihr kaum folgen konnten . Kaum daß wir ihr noch einen Gruß für die Tante nachriefen . So geht es uns allen , teure Clementina ! wenn wir zu Ihnen sollen , was könnte uns zurückhalten ? Keiner fühlt das wohl mehr als Ihre Juliane , ich habe Betty mehr beneidet als bewundert . - Das war nun alles recht hübsch von dem Mädchen ; aber die Arge , was hat sie Ihnen für loses Zeug erzählt ! was meinte sie mit ihren Eroberungen ? und dem sonderbaren Fremden , der den Meister über uns macht , dem wir alle auf eine so lächerliche Weise ergeben sind , weil wir uns einbilden ihm Dankbarkeit schuldig zu sein ! Und ich , die ich diesen Vorwand so gern nehmen soll , um ihm ganz unbefangen mit Auszeichnung begegnen zu dürfen ! - Alles dieses hat sie Ihnen wirklich erzählt ? - Gut , daß Sie ihren boshaften Erzählungen nicht so unbedingt Glauben beimessen , daß Sie sich selbst an Ihr Kind wenden , um die Wahrheit zu erfahren . Liebe Tante , sehen Sie doch einmal dem bösen leichtfertigen Mädchen scharf in die Augen , wenn sie wieder dergleichen vorbringt . Allerdings sind wir dem Fremden Dank schuldig ! Ist meine Clementina nicht auch der Meinung ? Wenn es ihm selbst wohl geziemt , den wichtigen Dienst , den er uns geleistet , dem Zufall zuzuschreiben , so würde es sich von uns nicht ziemen , es ebenso anzusehen , und seinen Mut , mit dem er das Leben unsers Vaters gerettet hat , zu vergessen . Und warum gesteht Ihnen denn Betty nicht , daß der Fremde sich recht geschäftig um sie gezeigt , und daß sie seine Aufmerksamkeiten recht wohlgefällig und artig annahm ? - Ich hielt sogar die Festigkeit , mit der sie sich losriß und forteilte für ein Opfer , das sie ihrem eifersüchtigen brauseköpfigen Walter brächte , und habe ihr im Herzen deswegen wohlgewollt . - Belohnt sie so meine gute Meinung ? böse Betty ! Wenn sie Ihnen nicht abbittet , liebe Tante , und Ihnen gesteht , daß sie ihre Freude daran hat , Unfug zu treiben , so werde ich sie bei Herrn von Walter verklagen ; er traut mir ! - Von dem Fremden , von diesem Florentin sollte ich Ihnen also erzählen ? Es ist wahr , liebe Tante , daß er uns allen wert geworden ist . Er macht jetzt das Leben und die Seele der Gesellschaft aus . Mit dem sonderbarsten , oft zurückstoßenden Wesen weiß er es doch jedem recht zu machen , und zieht jedes Herz an sich , ohne sich viel darum zu bekümmern . Es hilft nichts , wenn man auch seinen ganzen Stolz dagegen setzt , man wird auf irgendeine Weise doch sein eigen . Oft ist es recht ärgerlich , daß man nicht widerstehen kann , da er selber nicht festzuhalten ist . Einmal scheint es , als verbände er mit den Worten noch einen andern Sinn , als den sie haben sollen ; ein andermal macht er zu den schmeichelhaftesten Dingen , die ihm gesagt werden , ein gleichgültiges Gesicht , als müßte es eben nicht anders sein ; dann freut ihn ganz wider Vermuten einmal ein absichtsloses Wort , das von ungefähr gesprochen wird ; da weiß er immer einen ganz eignen Sinn , ich weiß nicht , ob hineinzulegen , oder herauszubringen . Uns ist dieses sonderbare Spiel sehr erfreulich , da wir ihn näher kennen , und besser verstehen . Sie können aber denken , wie er oft in Gesellschaft Anstoß damit gibt ; doch versteht er sich recht gut darauf , ein solches Ärgernis nicht zu groß werden zu lassen ; er macht bald alles wieder gut . Wir begreifen eigentlich nicht , wie es ihm möglich ist , diese Fröhlichkeit und gute Laune immer um uns zu erhalten , da er selbst doch nicht froh ist . Ich und Eduard , wir sind oft allein mit ihm , und da haben wir es deutlich genug merken können , daß ihn irgendein Kummer drückt . Der Vater machte ihm neulich den Vorwurf , er wäre zu wenig ernst , und nähme oft die Dinge zu scherzhaft . Florentin ließ es über sich hingehn . Eduard meinte aber , und sagte es mir allein : der Ernst in ihm wäre vielmehr zu ernst und zu tief , als daß er ihn in der Gesellschaft anwenden könnte ; und da er nie sich so gegen den Scherz versündigte , daß er ihn ernsthaft nähme , so käme es ihm zu , auch wohl einmal den Ernst scherzhaft zu finden . Am besten findet sich Eduard in