Bist Du morgen bey Ms ? Er . Das versteht sich ! Sie wissen , daß ich niemahls fehle . » Halte dich in meiner Nähe « - erwiederte ich - » das Uebrige wird sich finden « Ungeduldig eilte ich am folgenden Tage meinem bevorstehenden Siege entgegen , und zürnte schon , daß Sophie so lange verweilte . Endlich erschien sie , und von dem Augenblicke an , war es mein unablässiges Bestreben , ihre Geduld durch tausend Unarten , eine immer kränkender als die andre , zu ermüden . Aber mit himmlischer Sanftmuth und bewundernswürdiger Feinheit , wußte sie sie alle so zu mildern , und den Augen der Gesellschaft zu entziehn , daß ich beynahe verzweifelte , meinen Zweck zu erreichen . Doch als sie sich eben mit Heinrich in einem interessanten Gespräche befand , glaubte ich etwas Entscheidendes wagen zu müssen . Sophie ! - sagte ich ; und drängte Heinrich zur Seite ! - machen Sie mir doch einmal die Schnalle fest ! Eine hohe Nöthe überflog ihre Wangen ; aber ohne weiter auf mich zu achten , setzte sie ihr Gespräch mit Heinrich fort . Nun Sophie ? haben Sie mich nicht verstanden ? - sagte ich trotzig ; indem ich den Fuß auf einem Stuhle ruhen ließ . Sehr gut Herr v. S. - antwortete sie , mitleidig lächelnd - ich bedaure , daß Sie sich nicht recht wohl befinden ; und in dem Augenblicke nahm sie Heinrichs Arm und entfernte sich in das Nebenzimmer . Da stand ich , und war ungewiß : ob ich träumte oder wachte . - Den ganzen Abend würdigte sie mich keines Blickes mehr ; und eine traurige Ahnung von dem was meiner warte , durchdrang mein Herz . Den andern Morgen eilte ich in ihre Wohnung ; aber man sagte mir : sie sey zu einer Freundin aufs Land gereist , und diesen Morgen sey ein Zettel an Heinrich abgegangen . Was ist es ? - rief ich diesem entgegen - um Gottes willen was ist es ? was hat sie dir geschrieben ? Daß sie Ihnen ein für alle Mal ihr Haus verbietet ; und daß sie während Ihres hiesigen Aufenthalts , einen andern Wohnort wählen würde . Heinrich ! - rief ich ; und warf mich an seine Brust - wirst Du mich auch .... vor Schmerz konnte ich nicht weiter sprechen ; aber er errieth mich . Nein ! - sagte er - dafür sey Gott ! wie könnte ich dich jetzt verlassen da du die Hölle in deinem Herzen haben mußt ! - Drittes Buch Erstes Kapitel Als Marie mich verließ ; haßte ich jede Zerstreuung . Jetzt aber floh ich die Einsamkeit eben so sehr , wie ich sie damals gesucht hatte . Ach Mariens Verlust hatte nur mein Herz , nicht mein Gewissen verwundet . Jene Wunden heilt die Einsamkeit , diese macht sie tödtlich . Das empfand auch ich ; und so stürzte ich mich ohne Rückhalt in den Strudel der gesellschaftlichen Vergnügungen . Lange suchte ich einen Gegenstand um die schreckliche Leere in meinem Busen auszufüllen ; aber da war nichts Marien , nichts Sophien ähnliches zu finden . Man wollte mit aller Gewalt von mir bemerkt seyn , und ich war noch zu sehr verwöhnt , um nicht durch eben dieses Bestreben zurückgeschreckt zu werden . Schon fing die Langeweile an , sich meiner in den großen Zirkeln zu bemächtigen ; als der Zufall mir entgegenführte , was ich so lange vergeblich gesucht hatte . Einst da ich mich im Schauspielhause meinen gewöhnlichen Träumereyen überließ ; ward meine Aufmerksamkeit durch zwey weibliche Stimmen angezogen , welche aus der benachbarten Loge zu kommen schienen . Noch waren die Lichter nicht angezündet , und das Geräusch der Kommenden ließ mich nur einige Worte erhaschen ; doch begriff ich , daß die Rede von den Männern war . Die Kommenden machten eine Pause - ich horchte - » Ach ich dächte gar ! - sagte die eine Stimme - zum Auslachen sind sie gut ; und dazu habe ich sie gebraucht « . Die andre Stimme wandte etwas ein ; aber es ging für mich verloren , so wie alles was sie nachher zum Gespräche beytrug . » Glaubst Du « - fuhr die erste Stimme fort - » daß es jemahls Einer von ihnen redlich mit uns gemeynt habe ? - Die andre Stimme - - - Die Erste . Ja so lange wir ihre Sinnlichkeit beschäftigen . Die Andre - - - Die Erste . Komödie ! nichts als Komödie ! so bald es gegen uns geht , sind sie alle Freunde ! Abermahls das Geräusch der Kommenden . - - Die Lichter wurden angezündet ; aber noch blieben meine Frauenzimmer im Hintergrunde der Loge . Hätte ich mich hervorgewagt ; so würde es hell genug gewesen seyn um sie beobachten zu können : aber für jetzt interessirte mich ihr Gespräch mehr als ihre Gestalt , und ich beschloß ruhig in meinen Winkel zu verharren . Ziemlich klug berechnet - doch jetzt begann das Orchester zu stimmen , und von nun an war es unmöglich etwas zu verstehen . Zweytes Kapitel Sehen willst du sie wenigstens ! - dachte ich ; und trat vorn in die Loge . Auch meine Sprecherin näherte sich jetzt ; doch so , daß sie mir den Rücken zuwandte . Aber das Gesicht der andern Stimme konnte ich ziemlich genau beobachten . Es war halb in eine schwarze Florkappe gehüllt ; und schien nicht zu den jüngsten zu gehören . Doch war es nichts weniger als unangenehm ; und ein Zug von sanfter Melancolie erhob es sogar bis zum Interessanten . Aber ich hatte nicht lange Zeit ; diesen Beobachtungen nachzuhängen . Die außerordentliche Lebhaftigkeit meiner Sprecherin machte mir so viel zu schaffen , daß ich bald nichts mehr sah und hörte als sie . Mit unbeschreiblichem Muthwillen fiel sie jetzt noch immer über die Männer her ; ein Einfall jagte den andern