gekommen bist , und weshalb du Paula Dietwald mitgebracht hast ? « » Wenn du es weißt – um so besser ! « erklärte die Dame , ohne im mindesten aus der Fassung zu geraten . » Dann darf ich wohl auch offen sein und dir sagen , ich habe es längst bemerkt , daß du nicht gleichgültig geblieben bist . « Berneck widersprach nicht , aber er antwortete auch nicht , sondern verharrte in seinem Schweigen . » Du hast noch keinen Entschluß gefaßt ? Ich finde das begreiflich , in deinen Jahren entscheidet man sich nicht so schnell ; jetzt aber wirst du es doch thun müssen , denn unser Aufenthalt naht sich seinem Ende . Wenn du das Mädchen liebst – es liegt ja kein Hindernis vor – warum sprichst du dann nicht ? « » Weil ich nicht eine bloße Figur sein will in deinem Spiel , die von deiner Hand hin und her geschoben wird . « » Ulrich ! « Die Mahnung klang sehr unwillig , aber er fuhr mit voller Gereiztheit fort : » Nun ja , Tante , dir ist das Leben ja immer nur eine Art Schachspiel gewesen , wo man jeden Zug klug berechnet . Hier aber sind deine Figuren Menschen , die doch auch ihren Willen haben . Nimm dich in acht – du könntest diesmal matt gesetzt werden ! « » Von wem ? « fragte Frau Almers mit unzerstörbarer Ruhe . » Willst du den Eigensinn so weit treiben , deine Neigung zu bekämpfen , nur weil der Plan in meinem Kopfe entstand ? Das sähe dir schon ähnlich ! « » Ich sprach nicht von mir , sondern von deiner jungen Schutzbefohlenen . « » Von Paula ? Nun , da ist doch sicher kein Widerstand zu erwarten . Sie wird deine Werbung als das aufnehmen , was sie in der That ist für eine arme , abhängige Waise : als ein großes , unverhofftes Glück . « » O gewiß ! « sagte Ulrich mit tiefster Bitterkeit . » Sie wird vermutlich Ja sagen , um dieser Abhängigkeit zu entrinnen und eine reiche Frau zu werden . Der Gatte – nun , der wird dann als unvermeidliche Zugabe mit in Kauf genommen . Denkst du , daß ich das ertragen könnte ? « Frau Almers zuckte die Achseln . » Du mußt immer alles gleich auf die Spitze treiben ! Unsere jungen Mädchen sind überhaupt nicht mehr romantisch veranlagt , und ich halte das für ein Glück , denn ich habe an Paulas Mutter ein trauriges Beispiel , wohin diese romantische Liebe führt , die nicht mit der Wirklichkeit und den Verhältnissen rechnet . Ich und deine Mutter , wir folgten bei unserer Vermählung in erster Linie den Wünschen unserer Eltern und haben das nie bereut . Paula wird sich dir völlig unterordnen , und das brauchst du , denn ein Mädchen , das Ansprüche machen kann , vergräbt sich nicht mit dir in diese Einsamkeit und hält nicht deine oft so düsteren Launen aus . « » Das weiß ich , und deshalb ist es besser , ich bleibe allein ! « sagte Berneck herb . » Warum willst du mich denn durchaus verheiraten ? « » Weil du auf dem Wege bist , ein ausgemachter Menschenfeind zu werden , « erklärte Frau Almers mit Nachdruck . » Weil du verwilderst , wenn du dich hier völlig einspinnst und nur mit deinen Untergebenen verkehrst . Du bist der einzige Sohn meiner Schwester und , da ich kinderlos bin , nach meinem Tode auch mein Erbe . Da habe ich wohl das Recht , einzugreifen . Wenn du mir einen Vorwurf daraus machen willst – ich werde ihn tragen ! « Die Worte hatten zum erstenmal einen Anflug wirklicher Wärme und Herzlichkeit . Man sah es deutlich : was diese Frau überhaupt an Herz besaß , das gehörte ihrem Neffen , dem einzigen , der ihr wirklich nahe stand . Das verfehlte nicht seinen Eindruck auf Ulrich , seine Stirn hellte sich auf und seine Stimme klang um vieles milder , als er antwortete : » Verzeih , Tante , du meinst es gut , aber was soll ich denn anfangen mit einer Frau , die nur Sonnenschein und Freude vom Leben verlangt ? Paula fürchtet mich ja ! Ich sehe es deutlich genug , wie scheu und befangen sie in meiner Gegenwart ist . Wenn ich nicht wüßte , wie sie mit dem alten Ullmann und den Schloßleuten verkehrt , ich würde ihr wahres Wesen gar nicht kennen . « » Das ist deine eigene Schuld , du bist ihr gegenüber ja noch ernster und schweigsamer als sonst . Das Mädchen ahnt nichts von deiner Neigung . Wenn du es wünschest , werde ich mit ihr reden und dir dann – « » Nein , nein ! « fiel Berneck heftig ein . » Denkst du , ich bin nicht Manns genug , mir selbst die Entscheidung zu holen ? Deute ihr nichts an ! Ich will ihr Ja nicht der Ueberredung verdanken . « » Wie du willst ! « Frau Almers stand auf und legte ihre Handarbeit zusammen . » Dann zögere aber auch nicht länger mit deinem Entschluß . Ich habe noch einen Brief zu schreiben , werde aber zur Theestunde wieder hier sein . Also um fünf Uhr , wie gewöhnlich . « Damit verließ sie das Zimmer . Die kluge Frau wußte sehr genau , daß jeder weitere Versuch , ihren Neffen zu beeinflussen , nur die entgegengesetzte Wirkung haben würde , aber sie hatte auch genug gesehen , um zu wissen , daß ihre Berechnung über Erwarten geglückt war . – Als Ulrich von Berneck allein war , begann er langsam , aber unaufhörlich im Zimmer auf und nieder zu schreiten . Er wußte am besten , wie wenig seine düstere , verschlossene Natur für ein häusliches Glück geeignet war . Er hatte ja allein bleiben wollen ,