an . Gottlob ! « » Gottlob ! « sprach sie ihm leise nach . Das Pferd ging allein mit gesenktem Kopf zu den Stallungen hinüber . Die beiden stiegen die Freitreppe empor , Baron Gerold öffnete die Tür . » Tritt ein in dein Haus , Klaudine « , sagte er bewegt , » es soll unsere Heimat bleiben , nicht die Welt da draußen , wenn du es willst ! « Sie lachte unter Tränen : » Ob ich will ? Vertraust du mir noch immer nicht ? Nichts will ich weiter auf der ganzen Welt ! « 30. Drei Jahre sind vergangen . Im Arbeitszimmer Joachim von Gerolds sitzt Frau Beate in der Dämmerung eines Winterabends und plaudert mit ihrem Gatten . » Wo ist Elisabeth ? « fragt er . » Aber , Schatz , du wirst immer zerstreuter ! Wo soll sie wohl sein ? In Neuhaus natürlich . Sie kann doch nicht leben ohne ihre Tante Klaudine , sie bettelte so lange , bis ich sie mit Heinemann hinunterschickte . Es sei so schön in der Neuhäuser Kinderstube , und so etwas süßes wie Klaudines Kindchen gebe es nicht wieder . Sie muß übrigens bald zurückkommen . « » Hast du die Zeitung heute gelesen ? « fragte sie dann . » Nein ? Nun , da hast du viel versäumt . Höre zu , Joachim , ich will dir erzählen : also , erstlich steht da , daß das Gerücht von der Verlobung unseres Herzogs mit Prinzeß Helene immer mehr Glaubwürdigkeit gewinne . Ich fände es übrigens ganz passend , Joachim , denn in der Kleinen steckt neben aller Launenhaftigkeit ein guter Kern . Sie hat damals in Cannes so rührend die Herzogin gepflegt , und gegen Klaudine ist sie seitdem doch wahrhaft erfinderisch in Freundlichkeiten . Sie möchte alles gutmachen . Ich bin überzeugt , daß es keine Neigungsheirat sein würde , denn ich vermute , sie hat Lothar noch nicht vergessen , sie heiratet aber den Herzog , weil sie glaubt , eine Pflicht zu erfüllen . « » Ich will es auch Seiner Hoheit wünschen « , sagte Joachim behaglich . » Es ist furchtbar öde , ein Leben ohne ein Paar freundliche Augen und eine weiche Frauenhand . « Und er griff nach Beates Rechten und küßte sie . Frau Beate lacht , es ist das frische , silberne Lachen , das ihn einst betörte . Er begreift überhaupt gar nicht mehr , wie er sie mit ihrem kinderguten Herzen jemals als » barbarisch « bezeichnen konnte . Er hat es ihr aber einmal gestanden , und da hat sie erst recht gelacht und gesagt : » Ich fühle mich zu weiter nichts gut als zur Wirtschaft , und du sahst so geisteshochmütig auf mich herunter . Ich hatte dich damals schon lieb , dich und deine Gedichte , hatte damals schon Durst nach allem herrlichen , was das trockene Leben verschönt . Aber keiner wollte es mir glauben . Da ward ich ein richtiger Wirtschaftsteufel , rechthaberisch und allzu strenge . « Ein Weilchen blickte sie wie träumend vor sich hin . » Gottlob , das ist vorüber . Aber nun höre weiter ! « Und sie fuhr fort in ihren Neuigkeiten . » Dann steht auch noch darin , Joachim , daß Lothar Altenstein zurückgekauft hat . Der scharfsinnige Zeitungsschreiber sagt : › Vermutlich wünscht Baron Gerold das alte Stammgut der Familie seinem zweiten , ihm vor einigen Monaten geborenen Sohne dereinst zu übergeben . Wie wir hören , wird vorderhand Baron Joachim von Gerold das einst ihm zugehörige Schloß bewohnen . ‹ – Wie klug die Leute sind ! Wir werden uns doch hüten , Joachim – mich bringst du nicht heraus aus dem Eulenhause , ich bin zu glücklich hier geworden . « » Ja , ja ! « sagte er rasch , » wir bleiben hier , Beate , wir haben ja völlig Platz , seit angebaut worden ist . Und es ist so still und friedlich . Hoffentlich denken die Neuhäuser nicht daran , das von uns zu verlangen . « » O behüte , Joachim ! Die denken an nichts als an sich selbst « , lächelte Beate . » Aber das soll kein Vorwurf sein , wir machen es ja auch nicht besser . Weißt du auch , Schatz , daß heute unser Verlobungstag ist ? « plauderte sie . » Siehst du , wie du alles vergißt ? Ja , heute sind es zwei Jahre , da saßen wir am Bettchen Elisabeths und wußten , das schwerkranke Kind ist gerettet , es schläft den Schlummer der Genesung . Und da sprachen wir flüsternd vom Tode , vom Seelenleben und von der Unsterblichkeit . Du lasest mir das Gedicht vor , das du auf den Tod deiner Gattin gedichtet , und klagtest , wie einsam du seist , nun auch Klaudine gegangen , und wie verlassen das Kind , und – « » Und dann fragte ich dich , Beate – « » Und ich sagte › ja ‹ . « » Und da kam es dann auch zur Sprache , wer mir damals heimlich meine Bibliothek zurückkaufte . « » Freilich ! « lachte sie , » ich hatte eben von jeher ein gefährliches Mitleid mit dem Träumer , dem unpraktischsten , hilfsbedürftigsten Menschen auf Gottes weiter Welt . « Und sie küßt ihn und nimmt ihr Schlüsselkörbchen . » Ich muß noch die alte Lindenmeyer besuchen « , entschuldigte sie ihr Fortgehen . » Sie hat nach mir verlangt , und sie sitzt da so geduldig in ihrem Lehnstuhl , die gute Alte , und strickt Kinderstrümpfchen für Klaudine . Sie muß wahrhaftig schon einen ganzen Scheffel voll haben . « Und während sie hinuntergeht , fliegt die Haustür auf , und ein Kind , ein Mädchen , kommt an des alten Heinemann Hand über die Schwelle , um sich im nächsten Augenblick von ihm loszureißen und jubelnd der