konnte , sagst du ? - Ist ihre Ehe wieder getrennt ? « frug Konrad überrascht . » Sie wurde niemals geschlossen . « » Wie ? ! « Warburg lachte bitter . » Die Eltern Finks nahmen Anstoß an der Jüdin und an dem schlechten Ruf , den sie haben soll ! Er aber - zu allem kraftlos , sowohl zum Widerstand den Eltern wie zum Bruch Frau Sara gegenüber - fügte sich . « » So ist es eine freie Ehe ? « » Ich - weiß es nicht , « entgegnete Warburg zögernd . » Ich weiß nur , daß sie leidet - sehr leidet . Aus allen Enttäuschungen des Herzens und Geistes flüchtete sie in diese Liebe . Vielleicht - « und er schloß die Augen mit einem wehen Lächeln - » flüchtet sie noch einmal , Schutz vor sich selber suchend , zu mir . « Erstaunt , fast verletzt , sah Konrad ihn an : » Und ein solches Geschenk könntest du nehmen ? ! « Warburg erhob sich und legte die Hand auf die Schulter des ihn weit überragenden Freundes , während ein müder , gespannter Zug sich um seine Mundwinkel grub . » Wir werden uns alle bescheiden müssen , « sagte er , » keine unserer Jugendhoffnungen hat sich erfüllt . Unsere Ideale sind schal geworden . « Dann nickte er versonnen und ging durch das große Zimmer , das die verlöschende Glut im Kamin nur noch mit leise flackernden blauen Flammen spärlich erhellte , hinaus , wo der dunkle Flur ihn verschlang . Konrad starrte ihm nach . » Unsere Ideale sind schal geworden , « wiederholte er sehr langsam . Jedes der fünf Worte bohrte sich ihm wie ein Pfeil ins Herz . Da öffnete sich die Türe wieder . » Bambino , « zischte es , » er ist wieder da - er - der Maler ! « Konrad fuhr auf und ging dem Voranschleichenden nach . Wahrhaftig : Draußen auf der Terrasse , auf die Norinas Fenster still und dunkel herabsahen , drückte sich Vittorio Tendas Gestalt in den Schatten der Lorbeerbäume . Mit einem festen Schritt stand Konrad vor ihm und bohrte seinen funkelnden Blick in das erblassende Antlitz des Italieners . » Was suchen Sie hier bei Nacht und Nebel wie ein Einbrecher ? ! « Er dämpfte die Stimme um Norinas willen , wo er sie am liebsten zum Brüllen gesteigert hätte . Tenda rührte sich nicht . Ebenso leise , die haßerfüllten Augen auf den anderen gerichtet , sagte er : » Nichts . « Noch näher trat Konrad dem Ertappten , so daß er seinen heißen Atem zu spüren glaubte , während Giovanni geduckt , beide Hände gespreizt , zum Zuspringen bereit , sich dicht neben ihm hielt . » Durch ihre nächtlichen Spaziergänge kompromittieren Sie meine Frau . « Tenda warf den Kopf in den Nacken : » Ich bin zu jeder Genugtuung bereit . « Mit einem Blick eisigen Hochmuts maß ihn Konrad von oben bis unten : » Damit durch das romantische Ereignis Dienstbotenklatsch zum Skandal der ganzen Gegend wird und Sie sich in Ihrem Heldentum sonnen ? ! « » Soll ich ihn würgen , Bambino mio ? ! « schrie in diesem Augenblick Giovannis Stimme grell dazwischen . » Still ! « zischte Konrad . Der Alte prallte zurück . Sie horchten sekundenlang alle drei zu den Fenstern hinauf . Nichts rührte sich . » Sie kommt zuweilen und schluchzt in die Nacht hinaus , « murmelte Tenda vor sich hin , » mich bemerkte sie nie . « » Das weiß ich , « sagte Konrad laut und hart , » sie hätte Sie sonst davongejagt . « Dann nahm seine Stimme wieder den Ton beherrschter Ruhe an : » Sie sind von morgen ab auf dem Eckartshof mein Gast . Ich werde Sie , um jedes Gerede im Keime zu ersticken , ein paar Tage lang an meinem Tische dulden und dann - « er machte eine verächtliche Gebärde , die nicht mißzuverstehen war . Tenda zuckte zusammen und ballte die Fäuste . Ohne einen Gruß , erhobenen Hauptes , wandte sich Konrad dem Hause zu . Norina empfing die Nachricht von dem Gast mit steinerner Ruhe . » Ich werde auf meinem Zimmer essen , « sagte sie . » Ich wünsche das nicht , « entgegnete Konrad kurz und fest . Sie neigte den Kopf tief auf die Brust . Erschüttert von dieser Bewegung eines Gehorsams , der nichts als Gehorsam war , versuchte er sie behutsam an sich zu ziehen . » Es war nur eine Bitte , Geliebte , « flüsterte er . Sie entzog sich ihm nicht , aber sie blickte ihn an , groß und fremd , als sähe sie ihn zum erstenmal . Als der Gast gekommen war und sie ins Zimmer trat , blieb sie sekundenlang in der Türe stehen ; ihr weißes Gesicht leuchtete wie der blasse Mond in dunklen Herbstnächten aus dem Schwarz ihrer Haare , ihrer Gewänder . Tenda starrte sie an , selbstvergessen , mit einem Ausdruck so schmerzreicher Liebe , daß Konrads Zorn vor diesem Anblick langsam zu weichen begann . Was konnte der Arme dafür , daß er sie liebte , hoffnungslos liebte - fast wie er ? ! Und er versuchte , etwas wie ein Gespräch in Gang zu bringen . Es fiel ihm nicht schwer , denn Tenda übernahm alle Kosten der Unterhaltung . Er erzählte . Von Paris zuerst . Aber nicht von seinem Glanz und seinen Freuden , sondern von der stillen Schönheit seiner Gärten mit ihren grauen Bildsäulen und gelbroten Pflanzenkübeln , von dem melancholischen Reiz des linken Seineufers mit den verstaubten alten Büchern und Bildern auf den verwitterten Ufermauern , vom Park von St. Cloud mit seinen geraden Kastanienalleen , die sich im Himmel verlieren , und dem Blick auf die ferne ruhende Stadt , die die silberne zitternde Luft zärtlich umhüllt . Er sprach