, wie die herrische Katzmauserei dieses Morgens zusammenhinge ? Und warum er , seit er aus dem Windbacher Wald herausgeritten , das Gebrüll jenes fernen Geschützes nimmer hörte ? Alles meinte er zu verstehen . Dieses ganze Grausen der letzten Tage war nur eine landshutische Fopperei wider den Ingolstädter . Der hat jetzt aufgemuckt , und sein Bundeskamerad , der Salzburger , hat für den heiligen Peter das Eisen aus dem Leder getan . Und der Seipelstorfer und der Grans , die sind beim ersten Gepummer einer Salzburger Hauptbüchse auf die Gaul gesprungen . Und hinter den gescheiten Hauptleuten ist der liebe Bub mit den Seinen schon lang davongejagt , gegen den Hallturm hinaus , dorthin , wo die vorsichtigen Kammerbüchsen geblieben . So war ' s ! Aber es konnte auch anders sein . Und drum wußte Malimmes , daß sein dummes Herz keine Ruhe finden würde , bevor seine Augen nicht das Haus der Frau Marianne gesehen hatten . Nun plötzlich hörte er beim Rauschen des Baches einen wunderlichen Lärm . Wie ein wildes Gelächter von tausend Menschen war ' s. Und das mußte irgendwo da droben gewesen sein , beim Stift da droben . Und war schon wieder erloschen . Oder war es nur untergegangen im Hall der Glocken , die zu läuten begannen ? Etwas Hastiges war in diesem Geläut . Es klang nicht so , wie Glocken klingen , die zum Frieden läuten . Malimmes hetzte den keuchenden Gaul . Jetzt kam die Wende der Straße . Und im gleichen Augenblick - von der anderen Seite her , auf dem Karrenweg , den Herr Konrad Otmar Scherchofer bei der Heimkehr von der Salzburger Provinzialsynode vorsichtig gewählt hatte - erschien in Wirrenden Trab ein großer Reitertrupp : Gadnische Hofleute mit vielen Harnischern in den Salzburger Farben . Hinter der Vorhut ritt Herr Peter Pienzenauer , schwer gepanzert , zwischen dem Salzburger Stadthauptmann Hochenecher und einem schlanken Ritter in flämischer Rüstung , mit zwei Fasanenflügeln auf dem schimmernden Helm . Die Vorhut stutzte , als sie den Malimmes gewahrte , der sich im Sattel vorbeugte . Er peitschte das röchelnde Tier hinauf über die steigende Straße , die neben der Mauer des Hirschgrabens zum Marktplatz von Berchtesgaden führte . Mit Geschrei und Gerassel , unter dem klingenden Geläut der Glocken , jagten gleich an die Zwanzig hinter ihm her . Gebückt , mit hauenden Sporen , das Eisen zum Schlag bereit , sah Malimmes über die Schulter . » Höia ! Jetzt wird die Supp gefressen ! Ich Rindvieh ! « Doch sein erschöpfter Gaul war unter dem Schmerz der Sporen noch schneller als die Gäule der Reiter , die hinter dem Fliehenden herjagten . Beim schönen Klang der Glocken ein kreischender Lärm . Der ganze Marktplatz war angefüllt mit Salzburgischen Spießknechten . In diesen Häuf von Fleisch und Eisen prellte der gehetzte Gaul des Malimmes hinein . Schon wollte sich unter dem Geschrei der Zurückweichenden eine Gasse öffnen . Da klangen die Stimmen der nachhetzenden Reiter : » Nieder den Lump ! Nieder ! Nieder ! « Ein wirres Gemenge , ein Hauen und Stechen . Einer stieß dem taumelnden Gaul den Langspieß in die Brust . Im Stürzen riß Malimmes den Bidenhänder vom Küraß weg . Er stand . Ein Blitz in der Sonne . Die mächtige Klinge warf einen Spießknecht über den Hals des Gaules hin , warf einen anderen zurück in den kreischenden Häuf - ein Gewühl von Rossen - eine Klinge funkelte über einem schimmernden Helm mit zwei Fasanenflügeln - und plötzlich sah Malimmes unter der Nasenstange dieses Helmes ein Gesicht , das er kannte - das er gesehen hatte , als der bucklige Tod vom Hängmoos zum Ramsauer Leuthaus geritten kam . Und da wurden dem Malimmes die Arme schwach . Er konnte nicht schlagen , parierte nur den Hieb , der auf ihn niedersauste , ließ den Bidenhänder fallen , hob die entwaffneten Arme und keuchte : » Herr Someiner ! Euch geb ich mich auf Gnad ! « Von der Seite und vom Rücken droschen noch ein paar Hiebe auf den Panzer des Wehrlosen her , sein Eisenhut klapperte davon , ein Büschel Haare flog ihm vor den Augen vorbei - und dann war ein geschienter Arm über ihm und eine heisere Jünglingsstimme schrie : » Der Mann ist mein ! « Grobe Fäuste faßten den Gefangenen und zerrten ihn unter Geschrei und Flüchen gegen das Tor des Stiftes . Im Taumel der Erschöpfung hörte Malimmes die kriegerischen Reden nicht . Er spürte kaum , daß man ihm die Waffenstücke und das Wams vom Leibe riß - spürte nur etwas Warmes und Nasses in seinem Haar , und eine rote Traufe ging ihm über die Augen herunter . Das hinderte ihn ein bißchen in der Betrachtung der Dinge . So viel aber sah er immer noch , daß am Haus des kranken Amtmanns eine weiße Frauenhaube sich aus dem Erker herausstreckte und daß jener schimmernde Helm mit den zwei Fasanenflügeln im Tor verschwand . Dieser Anblick hätte die törichte Sorge des Malimmes beruhigen können . Trotzdem geriet er in eine sehr verdrießliche Stimmung ; denn ehe die schreienden Kriegsknechte den Gefangenen , der nur noch das Hemd und die Reithosen hatte , in das Stiftstor hineinstießen , gewahrte er den hohen Galgen , den Herr Seipelstorfer neben dem Marktbrunnen hatte errichten lassen . Der Querbalken hatte schwer zu tragen . Die drei Berchtesgadnischen Faustschützen von jenem schönen Abend hatten an diesem klaren Morgen bereits erkleckliche Gesellschaft bekommen . Der Sergeant von Plaien war dabei . Wie im Krankenflur des Stiftes , so hielten Freund und Feind auch hier in friedlicher Eintracht zusammen . Malimmes zählte vierundzwanzig schwebende Beine . Obwohl er erleichtert aufatmete ; weil ihm der Plaien ' sche Sergeant unter diesen erhöhten Schläfern der einzige Bekannte war , murrte er doch sehr nachdenklich vor sich hin : » Guck ! Da komm ich als Dreizehnter ! « Nun stand er , während die Glocken noch immer läuteten