oder ich . Dös hat keine von unsere Weiber gern , wenn man ihr den Mann auf ' m Schragen in d ' Stuben bringt - weil der ander der Gschwinder war ! « Seufzend drückte die Horneggerin die zitternden Hände an die Schläfen und sah die Tür an , durch die man ihr vor Jahren den Mann hereingetragen hatte mit der Kugel des Wildschützen im Herzen . » Und hat der Jager ' s Glück , daß er davonkommt - da is er net z ' neiden ! Hundertmal in der Nacht kann er sich sagen : Dienst und Pflicht ! Ja freilich ! Es frißt ihm halt doch an der Seel und druckt ihn am Hals , daß ihm der Schnaufer schier vergeht ! « Patscheider sprang auf . » Lassen wir ' s gut sein ! Reden wir lieber vom Franzl ! Er soll sich kein ' Kummer net machen , weil er fortkommt von uns ! Mit ' m Grafen is net gut hausen . Ich mit mei ' m Haufen Kinder , ich bin anbunden und muß mir alles gfallen lassen . Aber der Franzl hat ledige Füß . Einer wie der Franzl macht überall sein ' Weg . Der Herr Graf wird schon merken , was er verliert an ihm . Es reut ihn heut schon , daß er so hitzig war . An Hamur hat er die ganzen Tag her , schauderhaft ! Die jungen Herrn Grafen haben schlechte Zeiten in der Hütten droben . Und der Schipper ! Der Herr Schipper ! Der kann ihm gleich gar nix mehr recht machen ! Den ganzen Tag schimpft der Herr Graf - « Patscheider verstummte und sah nach der Tür . Der Postbote trat in die Stube . » An eingschriebnen Brief hätt ich , Frau Horneggerin ! « Der Försterin fuhr die Aufregung in alle Glieder . Und Patscheider rannte in den Flur und schrie über die Treppe hinauf : » Franzl ! Franzl ! Gschwind , komm ! Der Brief is da ! « Als Franzl auf der Treppe erschien , sprang ihm der Jäger über die Hälfte der Stufen entgegen . » Der Brief is da ! Der Brief is da ! « » Grüß Gott , Patscheider ! Und Vergelts Gott , daß d ' soviel Anteil nimmst ! « In der Stube kam ihnen die Horneggerin mit dem Brief entgegen . Während ihn Franzl mit zitternden Händen öffnete und zu lesen begann , hingen die beiden gespannt an seinem Gesicht . Franzls hagere Wangen waren heiß , als er der Mutter den Brief reichte . » Da , lies ! A guter Herr , der Graf Tassilo ! So ein ' gibt ' s bald nimmer . « Mit beiden Händen griff die Horneggerin zu , und Patscheider fragte erregt : » Hat er an Platz für dich ? « Franzl nickte . » An guten ? « » Es wär kein schlechter . « » Gott sei Dank ! « » Aber die Sach hat an Haken ! « Die Horneggerin brach vor Freude in Tränen aus . » So a Glück ! Was sagst , Patscheider ! Den besten Posten hat er ! Zweihundert Mark mehr im Jahr ! Und bleiben können wir und müssen d ' Heimat net aufgeben und ' s Haus net verkaufen . Alles bleibt , wie ' s war . Bloß a paar Stündl hat der Franzl weiter ins Revier . « Patscheider stutzte . » Was ? Kommt er zu dem reichen Fabrikherrn , der mit seiner Jagd an die unser grenzt ? « » Ja ! An andern Herrn kriegt er halt , sonst bleibt alles beim alten . « » So , Mutter ? Alles ? « Franzls Stimme war rauh . » Hast net gsehen , wie der Patscheider erschrocken is ? Es wird ihm halt eingfallen sein , wie der Herr Graf auf den Jagdherrn z ' sprechen is , der ihm die schöne Grenzjagd vor der Nasen wegpacht hat . Die ganze Zeit her war der Verdruß an der Grenz , allweil hat ' s Streit geben zwischen unserm Personal und dem von drüben . Und jetzt soll ich mit denen da drüben Freund und Bruder sein ? Und gegen meine alten Kameraden und gegen unseren Herrn Grafen soll ich mich auf d ' Füß stellen ? Na , Mutter ! Den Posten kann ich net annehmen . Lieber ' s Haus verkaufen und fort ! In Gotts Namen ! « Patscheider riß Mund und Augen auf , während die Horneggerin wie eine Salzsäule stand . Erst nach einer Weile fand sie die Sprache und stotterte : » Jesus , Jesus , was wird der Graf Tassilo sagen ! Jetzt hat er sich bemüht . Und du - « » Der junge Graf hat sich nie um unsere Jagdgeschichten kümmert . Wann ich ihm alles erzählen tät , müßt er selber sagen : Na , Franzl , dös geht net ! - Wann ich den Posten annimm , dös müßt ja rein ausschauen , als ob ich unserem Herrn Grafen im Zorn an Possen spielen möcht ! « » Aaah , du Narr , du Narr ! « platzte Patscheider los . » Ich glaub , der Graf hat sich bei dir kei Rücksicht net verdient ! « Er ging auf Franzl zu und rüttelte ihn an der Schulter . » Greif zu , Franzl ! Überall is ' s besser als bei uns ! « Seine Lippen verzerrten sich . » Sei froh , daß dein ' Laufpaß hast ! Wer weiß , was er dir erspart hat mit dem Fußtritt , den er dir geben hat ! « Ein heiseres Lachen . » Lieber davongjagt als aufbessert im Ghalt ! Unserem Grafen seine Gnaden sind hart zum tragen . Greif zu , sag ich dir ! Greif zu ! « Franzl schien nicht zu hören . Sein Gesicht hatte sich verfärbt , als er