muß das endlich führen ? Zur Unerträglichkeit . Und wohin führt diese ? So weit dachte Konrad nicht . Seine Auffassung stimmte noch vortrefflich zu der bekannten Lieutenantsarie aus der weißen Dame : » Ha , welche Lust , Soldat zu sein , ha , welche Lust ... « Wenn man ihn reden hörte , konnte man ihn förmlich um die Expedition beneiden , welche er eben mitgemacht . Mein Bruder Otto war auch von solchem Neide ganz erfüllt . Dieser aus der Blut- und Feuertaufe zurückgekehrte Krieger , der in seiner Husarenuniform von jeher schon so ritterlich ausgesehen und jetzt auch noch mit einer ehrenvollen Schramme über das Kinn geziert war , der mitten im Kugelregen dringewesen , der vielleicht so manchem Feind den Garaus gegeben - der erschien ihm jetzt von einem heldenhaften Nimbus umstrahlt . » Es war keine glückliche Campagne , das muß ich zugeben , « sprach Konrad , » dennoch habe ich ein paar herrliche Erinnerungen davon mitgebracht . « » Erzähle , erzähle , « drängten Lilli und Otto . » Ich kann da nicht viel Einzelheiten erzählen - das Ganze liegt hinter mir wie ein Taumel ... das Pulver steigt einem ganz sonderbar zu Kopfe . Eigentlich beginnt der Rausch oder das Fieber - das kriegerische Feuer mit einem Wort - schon beim Abmarsch . Zwar ist der Abschied vom Liebchen schwer gefallen - es war das eine Stunde , welche das Herz mit weichem Weh erfüllte - aber wenn man einmal draußen ist , mit den Kameraden , dann heißt es : jetzt wird an die höchste Aufgabe gegangen , welche das Leben an den Mann stellen kann , nämlich das geliebte Vaterland verteidigen ... Als dann die Spielleute den Radetzky-Marsch intonierten und die seidenen Falten der Fahnen im Winde flatterten : ich muß gestehen , in diesem Augenblick hätt ' ich nicht umkehren mögen - auch in den Arm der Liebe nicht ... Da fühlte ich , daß ich dieser Liebe nur dann würdig wäre , wenn ich da draußen an der Seite der Brüder meine Pflicht gethan ... Daß wir zum Siege marschierten , bezweifelten wir nicht . Was wußten wir von den abscheulichen Spitzkugeln ? Die allein waren an den Niederlagen schuld - ich sag ' euch , die schlugen in unsere Reihen ein wie Hagel ... Und auch schlechte Führung hatten wir - der Benedek , ihr werdet sehen , wird noch vor ein Kriegsgericht gestellt ... Attakieren hätten wir sollen ... Wenn ich jemals Feldherr würde - meine Taktik wäre : angreifen , immer angreifen , » das Präveniere spielen « , ins feindliche Land einfallen ... Das ist ja auch nur eine Art , und zwar die schwerere , der Verteidigung : Muß es sein - komm zuvor , komm zuvor , Im rücksichtslosen Angriff liegt der Sieg . « sagt der Dichter . - Doch das gehört nicht hierher : mir hatte der Kaiser den Oberbefehl nicht übergeben , also bin ich auch an den taktischen Mißerfolgen unschuldig - - die Generäle sollen sehen , wie sie sich mit ihrem obersten Kriegsherrn und wie mit ihrem eigenen Gewissen abfinden - wir Offiziere und Truppen haben unsere Pflicht gethan ; es hieß sich schlagen , und wir haben uns geschlagen . Und das ist ein eigenes Hochgefühl ... Schon die Erwartung , schon diese Spannung , wenn man auf den Feind stößt und wenn es heißt : jetzt geht es los ... Dieses Bewußtsein , daß in dem Augenblicke ein Stück Weltgeschichte sich abspielt - und dann der Stolz , die Freude am eigenen Mut - rechts und links der Tod , der große , geheimnisvolle , dem man männlich trotzt - « » Ganz wie der arme Gottfried Tessow « , murmelte Friedrich für sich ... » nun ja - es ist ja dieselbe Schule - « Konrad fuhr mit Eifer fort : » Das Herz schlägt höher , die Pulse fliegen , es erwacht - und das ist die eigentliche Verzückung - es erwacht die Kampflust , es lodert die Wut - der Feindeshaß - zugleich die brennendste Liebe für das bedrohte Vaterland , und das Voranstürmen , das Dreinhauen wird zur Wonne . Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt , als die , in der man aufgewachsen , eine Welt , in der alle die gewohnten Gefühle und Anschauungen in ihr Gegenteil verwandelt worden sind : das Leben wird zum Plunder , Töten wird zur Pflicht . Die Ehre , das Heldentum , die großartigste Selbstaufopferung sind allein noch übrig , alle anderen Begriffe sind in dem Gewirre untergegangen . Dazu der Pulverdampf , das Kampfgeschrei ... ich sage euch , es ist ein Zustand , der sich mit nichts Anderem vergleichen läßt . Höchstens kann einem dieses selbe Feuer auf der Tiger- oder Löwenjagd durchlodern , wenn man der wildgewordenen Bestie gegenübersteht und - « » Ja « , unterbrach Friedrich , » der Kampf mit dem toddräuenden Feind , der heiße , sehnende und stolze Wunsch , ihn zu überwinden , erfüllt mit einer eigenen Wollust - pardon , Tante Marie - wie ja alles , was das Leben erhält oder weitergibt , von der Natur durch Freudenlohn gesichert wird . So lange der Mensch von wilden - vier- und zweibeinigen - Angreifern bedroht war und sich nur durch Erlegung derselben das Leben fristen konnte , ward ihm der Kampf zur Wonne . Wenn uns Kulturmenschen im Kriege mitunter noch dieselbe Lust durchrieselt , so ist dies eine angeerbte Reminiscenz . Und damit jetzt , wo es in Europa weder Wilde noch Raubtiere gibt , uns jene Wonne nicht ganz entgehe , haben wir uns künstliche Angreifer geschaffen . Da heißt es : Paßt auf : ihr habt blaue Röcke und die dort drüben haben rote Röcke ; sobald dreimal in die Hände geklatscht wird , verwandeln sich für euch die Rotröcke in Tiger , während für jene ihr Blauröcke zu wilden Bestien werdet . Also Achtung :