mein Fräulein ? « fragte er sie mit unwillkürlicher Teilnahme , um etwas zu sagen . Wiederum zitternd schaute sie ihn an und erwiderte mit erwachendem Vertrauen : » Ja wahrlich aus Ungarn , Königreich ! Aber Schwager Volvend-Glavicz hat nicht wahr gesagt , nicht jetzt auf der Straßen , schon gestern abend hat gewußt , daß gnädiges Herr angekommen sind ! Aber entschuldigen Sie , er hat nur vergessen ! « » Und wie lange leben Sie schon hier ? « » Glaub ich , zwei Jahr , oder eines , bitt ich um Vergebung , ich weiß es nicht sicher ! « » Und wie gefällt es Ihnen denn in der Schweiz ? « fuhr er etwas verblüfft fort und sah sie genauer an . Das empfand sie wohl . Sie flüsterte mit fallenden Tränen : » Mir gefällt es nirgendwo ! Bin ich nur schön , aber nicht ganz gescheit , sagte mein Vater seliger , und Herr Volvend-Glavicz sagt , bin ich auf den Kopf gefallen , aber Heiraten macht gesund ! Versteh ich nicht , aber auch glaub ich nicht , bis ich das sehe ! « Das alles sagte sie trotz der Bedrängnis mit trauten Worten , von Jugend zu Jugend , wie wenn sie da vor die rechte Schmiede gekommen wäre in einer verworrenen und höchst bedenklichen Angelegenheit . Immer mehr erstaunt sah Arnold das zierliche Geschöpf forschend an und entdeckte erst jetzt , wie ein irres Licht durch den feuchten Schleier der Tränen flackerte . In diesem Augenblicke blinzelte Wohlwend herüber , der noch immer in der Unbehaglichkeit neben dem alten Salander herlief , und sah die scheinbar schnelle Vertrautheit der jungen Leutchen . Offenbar hielt er die ausgeworfene Angel für festsitzend , mochte aber für geraten halten , die Schnur für einmal abzureißen , um die Angel für einen günstigeren Zeitpunkt wirken zu lassen . Plötzlich ließ er den Vater Salander stehen , trat mit zwei Schritten hinter Myrrhas Stuhl und legte die Hand auf ihre Achsel . » Nun dürfen wir die Herren aber wirklich nicht länger stören , « rief er , » komm , Schwägerin Myrrha , wir wollen uns empfehlen ! « Zugleich nahm er sie , die sich erschrocken erhob , an den Arm und verschwand , laute Abschiedsworte in das Zimmer zurückrufend und eine stattliche Pelzmütze schwingend , mit dem schönen Scheingebilde ebenso rasch durch die Tür , wie er gekommen war . Vater und Sohn standen und schauten sich an . Arnold tat endlich einen starken Atemzug , gleich einem , der sich von jähem Schreck erholt . » Wie schad um das schöne Frauenzimmer ! « sagte er . » Wieso schade ? « fragte der Alte entgegen , der schon zu fürchten begann , der Sohn möchte sich bereits verliebt haben . » Nun , « meinte Arnold hinwieder , » weil der arme Tropf ja blödsinnig ist , wo nicht gar verrückt ! « » Blödsinnig ? « » Aber weiß man denn das nicht ? Hast du nie mit ihr gesprochen ? « » Mehrmals ! Allerdings wollte nie ein ordentliches Gespräch zustande kommen ! « » Jedenfalls ist das Mädchen in hohem Grade einfältig , was wohl aufs gleiche herauskommt ! Hör nur , mit was die Ärmste mich unterhalten hat . « Arnold erzählte den Inhalt ihrer wenigen Reden und schilderte ihr Benehmen , den Ausdruck ihres Gesichtes . Der Vater wurde feuerrot bis unter die angesilberten Locken über der Stirne , ratlos , was er dazu sagen solle . Es war ein allzu bitterer Nachklang , der ihn auf dem Nachhauseweg , den sie angetreten , wiederholt den Kopf schütteln ließ . Arnold nahm diese innere Erregung nicht wahr . Der Sohn hatte das kleine Ereignis auch schon vergessen , als es ihm bei Tisch unversehens einfiel und er davon zu reden begann . Nachdem er den Hergang geschildert , hob er hervor , wie gut sich natürliche Anmut mit Blödsinnigkeit zu vertragen scheine . Es sei aber ein unheimliches Schauspiel , und er würde sich doch dafür bedanken . Frau Marie war sofort leicht rot geworden , als er des unerwarteten Besuches erwähnte . Als sie aber einen Blick auf ihren Mann warf und in seinen stummen Zügen den schwer verhehlten Kampf mit der Beschämung , in der er vor ihr saß , bemerkte , verzog sich die Röte wie ein zarter Rosenschleier , und in den Augen , um die Lippen regte es sich leise wie das feinste Lustspiel , das je in einem Frauengesichte aufgeführt wurde . Nur Martin Salander , der die Gattin mißtrauisch anblickte , sah und verstand es ; er fühlte sich leidlich besser , nickte ihr dankbar und etwas dummlich zu , indem er sie um ein Glas Wasser bat . Aber schon hatte sich das Spiel auf Maries Gesicht in ernste Zufriedenheit verwandelt , als sie hörte , mit welch kalter Ruhe Arnold seine Offenbarungen schloß . Erst jetzt wagte Salander , der Vater , dem Sohne zu bemerken : » Du hast aber doch den Kopf etwas nah mit ihr zusammengesteckt , wie ich flüchtig sehen konnte ! « » Nicht ich , « entgegnete Arnold , » sie war es , die mir in ihrer Unschuld näher rückte , und das störte mich sogar ein bißchen , weil sie jedenfalls kurz vorher Wurst gegessen hat , wie ich an ihrem Hauche spürte . Wäre etwas Senf dagewesen , so hätte ich ihn dazu genossen ! « » Mit dir ist auch nicht gut Kirschen essen ! « rief eine der Schwestern , die bislang kleinlaut zuhörten , da das Kapitel ihnen nicht gefiel , und der Vater sagte : » Ja , er ist ein kritischer Gesell ! « Die Mutter sagte kein Wort ; aber ihr Auge ruhte wohlgefällig auf dem Sohne . Das wahre Geheimnis war und blieb den Kindern verborgen . XXI Das neue Leben der wieder vollzähligen Familie floß nun klar und ruhig