er , » daß vom Prior keine Rede war , hast du selbst gehört . Und was ich hier treibe , hab ' ich dir schon einmal gesagt : ich lerne eine Kommedia und der Herr Pater hilft mir dabei . « Aber Fedko schüttelte den struppigen Kopf . » Gesagt hast du es mir , aber jetzt sehe ich , daß du gelogen hast . Denn warum ? Die christliche Kommedia ist vor und nach Weihnachten , wo die Burschen mit der Krippe umherziehen , die geht dich nichts an , denn du bist ein Jude . Die jüdische Kommedia ist an eurem Fastnachtstag , da kann dir der Hochwürdige nicht helfen , denn er versteht nichts davon . Also ... « » Aber so laß es dir doch erklären « , rief der Pater eifrig , » es gibt noch eine andere Kommedia , die für alle ist , Christen und Juden . Nämlich - « Aber Sender wußte eine probatere Erklärung . » Ich sehe dir an , daß du Durst hast « , sagte er und griff in die Tasche . Diesmal jedoch verfing auch dies Mittel nicht . » Durst habe ich « , sagte Fedko . » Ich bin ja gottlob nicht krank . Ein gesunder Mensch hat immer Durst . Aber ich bin ein Christ , ein Klosterdiener . Ich will nicht von einer Sache , die vielleicht gegen das Christentum geht , Vorteil haben , selbst wenn es Slibowitz ist . « » Aber ich schwöre dir - « rief Sender . » Deinen Schwüren glaub ' ich nicht . Denn warum ? Du weißt , daß du als Jude ohnehin in die Hölle mußt , ob ein bißchen tiefer oder nicht , kann dir schon keinen Unterschied machen . Aber wenn der Hochwürdige schwören wollte . « Er schielte zaghaft nach dem Greise hin . » Zwar ein Sünder , aber er hat doch die heiligen Weihen . « » Gut , ich schwöre « , sagte Pater Marian . Aber Fedko war nicht eher beruhigt , bis der Greis die Schwurfinger emporreckte . Da erst atmete er erleichtert auf , blieb aber auch nun noch stehen , blickte vom einen zum anderen , dann auf die Bücher und schüttelte den Kopf . » Merkwürdig « , sagte er , » sehr merkwürdig .... Diese Bücher - wer liest sie ? Sünder , wie der selige Ämilian und dieser Hochwürdige da und ein Jude . Den frommen Patres fällt es gar nicht ein . Also können sie doch weder gut noch heilig sein . Aber warum duldet man sie dann im Kloster ? Und wenn sie gut sind , warum lesen sie die frommen Patres nicht ? ... Merkwürdig ! Aber wie Gott will .... Komm ' , Senderko . « Von da ab konnten die beiden ungestört arbeiten . Nur hielt Fedko streng darauf , daß kein Wort mehr gesprochen wurde , wenn er eintrat . » Anhören will ich es nicht « , sagte er . Auch machte es ihn ängstlich , daß der Prior von Tag zu Tag kränker wurde . » Ich weiß ja « , sagte er , » daß der hochwürdige Chrysostomus nun sterben muß - Altersschwäche , dagegen ist kein Kraut gewachsen . Aber vielleicht schaden ihm diese Sachen doch . « Dreiundzwanzigstes Kapitel Einige Tage später - der August neigte dem Ende zu - läuteten die Glocken des Klosters dem alten Prior zu Grabe . Der Unterricht mußte unterbrochen werden ; Pater Marian war zwar nur » zur Besserung « im Kloster , aber der Konvent durfte ihn doch nicht von der Teilnahme am Begräbnis und den Totenmessen ausschließen . Alle Geschäfte ruhten , ganz Barnow war in diesen Tagen auf den Beinen . Erstlich gab es , da der Adel und die Geistlichkeit des ganzen Kreises zusammengeströmt waren , viel zu sehen , und ferner war die bevorstehende Neuwahl ein Ereignis , das alle Bewohner der Stadt lebhaft interessieren mußte ; für die Juden war es sogar eine rechte Lebensfrage . Der meiste Baugrund gehörte dem Kloster , der alte Prior hatte den Juden um keinen Preis auch nur eine Elle Bodens verkauft ; das Ghetto war überfüllt ; handelte der neue Prior ebenso , so mußte ein Teil der Bewohner die Stadt verlassen . Man wußte , daß sich zwei Kandidaten gegenüberstanden , der duldsame Valerian und der finstere Marcellin ; selbst Rabbi Manasse gestattete , daß in der Schul ' ein Bittgottesdienst für die Wahl des Valerian abgehalten werde . Der Raum war überfüllt , auch Sender fehlte nicht und betete sogar sehr eifrig . » Ein Haus brauch ' ich hier nicht « , dachte er , » aber vielleicht hat es dann der arme Marian besser . « Als er aus der Schul ' heimging , am Hause des Vorstehers Jossef Grün vorüber , sah er vor der Tür zwei Frauen stehen , deren eine er wohl kannte . Das rotbäckige , blühende junge Weib war Taube Grün , die Schwiegertochter des Vorstehers , der Sender in der Sadagórer Schänke einst so reichen Kindersegen angedichtet , ein Knäblein hatte sie seither wirklich geboren . Die andere war noch ein Mädchen , sie trug ihr Haar , prächtiges , leichtgewelltes , hellbraunes Haar ; als sie ihm nun ihr Gesicht zuwandte , fuhr er zusammen und wurde rot - das war die » Schöne , Traurige « ! Mit Mühe faßte er sich so weit , um Taube unbefangen zu begrüßen ; sie gab ihm den Gruß lächelnd , und wie er zu bemerken glaubte , sogar etwas spöttisch zurück . Das war wohl nur ein Irrtum gewesen , und so wagte er nach einer Weile zurückzublicken . Aber er hatte sich nicht getäuscht ; nun deutete Taube lächelnd nach ihm , das Mädchen hörte mit fast finsterer Miene zu und wandte sich dann , als sein Blick sie traf , wie zürnend ab . Betreten ging er weiter