- und du bist wieder bei deinen Freunden , und der Ritter soll uns weiter raten auf dem Lauenhofe . « Tonie Häußler schüttelte den Kopf : » Ich darf nicht , ich kann nicht , Lieber . Ich bin auch für deine Heimat verdorben und verloren . Ich würde von selber schon zu euch gekommen sein , wenn das angegangen wäre ; aber auch dort ist kein Platz mehr für mich . « » Weshalb ziehst du deine Hand weg ? Laß sie mir ! Ich weiß ja nun , wie alles bestimmt war und weshalb das so kommen mußte . O Tonie , wie glücklich wollen wir auf dem Lauenhofe sein , und was wird der Chevalier sagen ! Du hast es vielleicht sowenig als ich gewußt , daß du mit Leib und Seele mir gehörst , doch nun wissen wir es beide , und alles , was geschah , mußte geschehen , damit wir unsern Weg fänden und den Weg nach Haus . Nicht wahr , Tonie ? Jetzt nicke nur mit dem Kopfe , und wir ziehen einen dicken Strich durch unsere Rechnung , und der Mann in Verona mag sich wundern , soviel er will . « Antonie Häußler nickte nicht mit dem Kopfe , sie gab auch nicht dem Junker von Lauen die Hand ; sondern sie legte beide Hände im Schoß zusammen , sah still und traurig auf den Jugendfreund und sagte ganz leise : » Woher kommst du , Hennig , um so mit mir sprechen zu können ? Seit wann weißt du , daß du mich liebst ? Ach Lieber , du glaubst in der Tiefe deiner Seele selbst nicht an diesen Rausch und willst verlangen , daß ich daran glauben soll ? ! Nein , nein , in Krodebeck war ich dein guter , lustiger Spielkamerad , und hier in Wien , da du mich nicht mehr lustig und zum Spiel aufgelegt findest , mißkennst du dein Mitleid , dein ehrliches braves Herz , und trägst beides in die Taufe und gibst ihm einen neuen Namen . Nun soll ich deinen Irrtum wiegen und das Herz dir , weil es heute ein wenig schwer und unruhig ist , in den Schlaf singen . Nein , nein , das wäre freilich ein schönes Spiel ; aber die Sonne ist nun schon allzu tief dafür gesunken , wir haben keine Zeit mehr dazu . Siehst du , ich bin in allen Dingen zu klug für dich , mein armer Freund . « » Jawohl ! Ich bin freilich zu allen zeiten ein Dummkopf , ein Tölpel gewesen , und du hast sicherlich das Recht , mir die Wahrheit zu sagen . Aber es ist nicht die Wahrheit , es soll nicht die Wahrheit sein ! Früher in den Tagen von Krodebeck hätte ich dich deinem Schicksal wohl leichter abgewinnen können ; aber auch heute noch ist es nicht zu spät . Ich will mit dir selbst nun streiten , bis ich dich habe , festhalte , und bis du mein bist . « » Oh , das ist schlimmer als alles andere ! « rief Tonie mit hellem Wehlaut . » Was willst du noch gewinnen , Hennig ? Du kannst nichts mehr gewinnen ! Oh , du sollst nicht mehr zu mir kommen ! Geh fort - heut noch mußt du von Wien abreisen . Ich will dich nicht wiedersehen ! « » Wage das ! « rief Hennig grimmig . » Siehst du , du bist sehr klug ; aber ich gewinne es dir doch ab ! « Tonie Häußler antwortete nicht , sie sank wie leblos in ihren Sessel zurück . - Einunddreißigstes Kapitel Man hoffte wieder einmal auf eine gute Ernte in Krodebeck ; und hatte die besten Gründe für diese Hoffnung . Es war ein Jammer , daß es der Frau Adelheid von Lauen nicht mehr vergönnt war , den Segen zu sehen , welcher sich über ihre Felder hinbreitete und im lauen Sommerwinde regte - jegliche Ähre ein Wunder für alle , die Hunger hatten , und alle die , welche auf den Hunger anderer Leute hin Handel trieben und ein Vermögen erwerben wollten . Jeder Tag legte einen neuen Segen zu dem des vorigen . Der Administrator , Freund Fritz Fröschler , und sämtliche Gehülfen und Untergebenen desselben wuchsen hoch über ihre gediegensten Hoffnungen hinaus und hatten so etwas in ihrer ganzen Praxis noch nicht erlebt . Sie schrieben sich aber auch kein geringes Verdienst um die Herrlichkeit zu , und niemand war berufen , es ihnen abzusprechen . Es war gute Nahrung und ein herzhaft Wohlbehagen bei allem niedersassischen Volk am nördlichen Rande des Harzgebirges ; seit Menschengedenken hatte der alte Geisterberg , der Brocken , nicht solch ein treffliches Wetter angezeigt wie in diesem Jahre . Die Bauern von Krodebeck wurden zusehends dicker und würdiger , das heißt gröber . Es triefte wie Fett aus der Höhe , und selbst das liebe Vieh wurde glänzender und rundlicher darob von Tag zu Tage . Um so wehmütiger und betrüblicher war der Kontrast , welchen zwei Leute zu dieser erfrischten Gegend und zu diesen behaglichen Zuständen bildeten , und zwar zwei Bewohner des Lauenhofes , der Ritter Karl Eustachius von Glaubigern und die Inhaberin so vieler hohen Titel und Würden , Fräulein Adelaide Klotilde Paula von Saint Trouin . Die beiden waren weder jünger noch rundlicher , noch glänzender geworden ; die beiden hatten keine Freude an der gediegenen Gegenwart und der lachenden Zukunft , und wer ihnen ins Gesicht sah , dem wurde es freilich schwer , den Glauben an die über alles sich erstreckende Güte Gottes sich unversehrt zu erhalten . Während ihre ganze Umgebung sich entweder verjüngt oder sich doch in einem recht befriedigenden Stillstand erhalten hatte , waren sie um vieles älter geworden und bedeuteten für sich allein eine Welt , aber eine gar traurige , in dem sie umgebenden Leben . Ohne die Frau Jane Warwolf hätte man sie vielleicht