mit sich selbst , mit sich selbst und mit seinem Gotte zu berathen und abzumachen hat , und was mich bewegt , gehört eben in den Bereich solcher Dinge . Denken Sie also nicht übel von mir und halten Sie mich nicht für undankbar , wenn ich die Hülfe , welche Sie mir bieten , in diesem Augenblicke nicht benutze . Sie drückte dabei der Herzogin zum Zeichen des Dankes die Hand , aber sie erhob sich . Die Herzogin , welche es Jemandem nicht leicht verzieh , wenn er ihren Voraussetzungen nicht entsprach , preßte unmerklich die schmalen , feinen Lippen zusammen , und unter den halbgeschlossenen Augenlidern schoß ein Blick hervor , der gewillt schien , nicht von dem Gegenstande abzulassen , welchen er sich zur Beute ausersehen hatte . In ihren Sessel zurückgelehnt , den Kopf gegen seine Kissen gestützt , so daß sie Gelegenheit hatte , den noch immer schönen Fuß weit von sich gestreckt unter dem Falbalas ihres Kleides hervorsehen zu lassen , nahm sie aus dem Strauße , der in der chinesischen Vase an ihrer Seite stand , eine volle Rose hervor , die sie bald gegen ihr Gesicht drückte , als kühle sie sich damit die Stirne und athme den Duft ein , und bald an der Spitze des Stengels zwischen ihren Fingern auf und nieder bewegte , wie Jemand , der an sein äußeres Thun nicht denkt . So verging eine geraume Zeit . Angelika , die sich nicht hatte entfernen wollen , um nicht den Schein des Mißmuthes auf sich zu laden , saß wieder vor ihrem Stickrahmen ; aber ihre Gedanken arbeiteten schneller , als ihre Hand , und sie mußten weitab von dieser Stelle gewesen sein , denn sie erschrak , als die Herzogin sie sanft mit ihrem Namen anrief . Angelika , wollen Sie mir erlauben , mich zu rechtfertigen ? fragte sie . Die Baronin versicherte , daß es keiner Rechtfertigung bedürfe , aber die Herzogin beharrte bei ihrer Absicht . Denn , sagte sie , ich bin gezwungen , aus Neigung und Dankbarkeit gezwungen , meine theure Angelika , mich in das Vertrauen zu drängen , das Sie mir verweigern . Ich habe , wenn auch nicht im Auftrage , so doch in Bezug auf Ihren Gatten mit Ihnen zu sprechen . Der Baron hat mir vor längerer Zeit es einmal mitgetheilt .... Die Baronin wollte sie unterbrechen , aber die Herzogin wiederholte schnell und bestimmt : Der Baron hat mir einmal mitgetheilt , in wie grausamer Weise der Friede und die Heiterkeit Ihrer Flitterwochen getrübt worden sind , mein liebes , armes Kind , und ich weiß Alles , was zwischen Ihnen damals vorgegangen ist .... Ich bitte Sie , rief die Baronin , der das Roth des Zornes und der Scham die Wangen färbte , ich bitte , Frau Herzogin , schonen Sie mein Empfinden ! - Sie stand abermals auf , um nun wirklich das Zimmer zu verlassen , aber auch die Herzogin hatte sich erhoben , und die junge Frau bei der Hand nehmend , sprach sie mit leisem ernstem Tone : Nicht um die Schonung eines augenblicklichen Empfindens , es handelt sich um die Zufriedenheit des Mannes , dessen Namen Sie tragen , um seine und Ihre Zukunft , wenn Sie es nicht lernen , sich zu fassen , sich zu beherrschen und der Welt zu verbergen , was ihr verborgen bleiben muß ! Nichts ist so leicht zu zerstören , als die Willensfreiheit eines edeln Herzens , welches sich schuldig weiß oder schuldig glaubt . Bestürzung , Schrecken , Zorn machten die Baronin stumm . Erst als ihre Gefährtin inne hielt , vermochte sie die Frage vorzubringen : Und mir dies zu sagen , Frau Herzogin , hat der Freiherr Sie ersucht ? Aber auf solche natürliche Frage war die kluge Herzogin gefaßt gewesen . Nein , versetzte sie , nein , mein Kind ! er hat mich nicht dazu beauftragt , aber ich glaube , daß Gott uns immer dahin stellt , wo wir zu nützen berufen sind , und ich möchte die Freundschaft verdienen , deren Segen ich hier genieße . - Sie schwieg eine Weile und sagte darauf : Verzeihen Sie einer alten Freundin Ihres Mannes , einer Verwandten , den Muth ihrer Freundschaft . Sie sind jung , mein theures Kind ! Sie sind unerfahren , das macht Sie unvorsichtig . Man vergiebt uns viel , man forscht nicht nach , wenn wir unsere Geheimnisse bewahren und ehren ; man verzeiht uns nichts , man bürdet uns alles Ersinnliche auf , wenn wir sie unvorsichtig Preis geben - und dies , meine Beste , thun Sie ! Die Zuversicht der Herzogin trug den Sieg davon . Angelika ließ sich müde auf das Sopha sinken , die Herzogin setzte sich an ihre Seite , und als stände ihr ein mütterliches Recht zu , sprach sie : Sie haben beim Beginne Ihrer Ehe eine jener schmerzlichen Erfahrungen gemacht , welche das Leben uns Frauen oftmals auferlegt ; aber statt sie schweigend zu tragen , statt durch Ihre Güte und Liebenswürdigkeit den Baron vergessen zu machen , daß er eine Vergangenheit gehabt hat , die Ihnen nicht gehörte , hat Ihre Strenge seinen innern Kummer gesteigert , daß er ihm fast unterlegen wäre , und Ihr Uebertritt zu unserer Kirche und der Kirchenbau - wie sehr ich beide segne - haben die Menschen doch tiefer in das Wesen Ihrer Ehe blicken lassen , als gut gewesen ist . Es hätte ja das Alles ein wenig später , ein wenig gelegener geschehen können , und Sie hätten den Baron und sich deßhalb nicht für eine lange Zeit zur Einsamkeit verdammen dürfen ! Die Höflichkeit , die Rücksicht auf die ältere Frau , welche Angelika bewogen , schweigend auszuharren , fingen an , ihre Frucht zu tragen . Ihr Zorn legte sich , denn es war etwas in den Reden der Herzogin , dessen Wahrheit sie nicht leugnen konnte . Sie