hatte und der auch nicht unter ihren Augen geschrieben worden war , sondern nur unter einem seiner Aktendeckel ; und auf diesen Brief hin hatte der Leutnant seine Nichte in das Haus seines Bruders Theodor gebracht . » Und da hatte ich das Glück , Sie in dem Posthorn zu Windheim zu treffen « , rief Hans . » Ich wanderte zu meiner Mutter Sterbebett , und der Herr Leutnant nannte den Moses einen Schuft , und der Sturmwind - und Sie , o Fräulein Franziska ... mein Gott , mein Gott , und es ist eine Wahrheit und Wirklichkeit , daß wir hier sitzen und auf Fräulein Kleophea warten ! « Sie fuhren beide bei diesem Namen zusammen und sahen nach den schwarzen Fenstern , an welchen immer noch der Regen niederfloß , an welchen immer noch der Wind rüttelte . Sie hofften nicht mehr auf die Heimkehr der Unglücklichen . Die Französin regte sich im Schlaf und rief ängstlich den Namen Theophile . Franziska legte sanft und sorglich mit barmherziger Hand den Mantel wieder über die Schultern der Verlassenen und nahm dann ihren Sitz von neuem ein . Sie sprachen weiter von jenem Abend ihres ersten Zusammentreffens , und Fränzchen erzählte , wie der Kandidat dem Onkel Rudolf so gut gefallen habe und wie er öfters während der Reise von ihm gesprochen habe . Hans erzählte von seiner Mutter Tode , von dem Oheim Grünebaum und der Base Schlotterbeck und suchte aus seiner Brieftasche den jüngsten Brief der letzteren hervor , um ihn dem Fränzchen zu zeigen . Er erzählte , wie auch der Doktor Theophile diesen Brief gelesen habe , als er - Hans Unwirrsch - im Fieber gelegen habe ; er erzählte , wie ein schrecklicher Blick und Blitz ihm den Doktor Theophile in seiner ganzen Bosheit und Falschherzigkeit gezeigt habe . Nun schloß Fränzchen ein Kästchen auf und wies dem Kandidaten eine ganze Reihe von Briefen des Onkels Rudolf - alle fast so unleserlich wie die Schreiben des Oheims Grünebaum , und die letzten alle von Grunzenow an der Ostsee datiert . In Grunzenow , auf des Herrn von Bullau Gute , lag der Leutnant in großen Schmerzen seit dem Sommer nun doch an der Gicht darnieder , und das Fränzchen gestand mit Tränen in den Augen , daß sie dem armen Onkel nur fröhlich , heiter und zufrieden geschrieben habe und daß sie um alles in der Welt nicht anders habe schreiben können . Da hätte Hans wieder und immer wieder die kleine , tapfere , segensreiche Hand küssen mögen ; aber er wagte es nicht , und es war auch so am besten . Zürnend über sich selber aber bereute er tief die Segenswünsche , die er zu gewissen Zeiten dem verlorengegangenen Leutnant nachgeschickt hatte . Tief bereute er sie , zumal als er jene Briefe des Leutnants las , in denen der alte Kriegsknecht kläglich gestand , daß er lieber dem Teufel seine Großmutter entführen , als noch einmal einen Präzeptor nach seinem - nicht des Teufels - Wunsche in das Haus seiner » gnädigen Frau Schwägerin « einführen und - schmuggeln wolle . » Sie hatten an jenem Abend seine ganze Seele gewonnen , Herr Unwirrsch « , sagte Fränzchen . » Er sprach soviel von Ihnen auf unserer Reise hierher , und ich - ich habe Sie auch nicht so ganz vergessen in den Jahren , die dann folgten . Ach , ich hatte viel Zeit und ein großes Bedürfnis , aller derer zu gedenken , welche mir je freundlich entgegengetreten waren . Ach , Herr Unwirrsch , wir haben beide in diesem Hause nicht glücklich leben können , aber mein Los ließ sich doch am schwersten tragen . Ich habe oft , oft einen gar bittern Hunger nach einem freundlichen Gesicht , nach einem freundlichen Wort gehabt . Ich wäre gern fortgegangen , um in irgendeiner Weise mein Brot selber zu verdienen , aber das wollte die Tante ja nicht leiden . Doch Sie wissen ja das alles , Herr Unwirrsch - was sollen wir noch darüber sprechen ? Es ist auch unrecht , in diesem Augenblicke nur an uns selber zu denken . « » Es ist nicht unrecht « , rief Hans mit ganz ungewohnter Heftigkeit . » O Fräulein Franziska , wir dürfen wohl in dieser Stunde von uns selber reden ; die harte , kalte Welt hat uns auf den innersten Punkt unseres Daseins zurückgedrängt - wir dürfen von uns selber reden , um uns selber zu erretten . Diese Nacht wird vergehen , ein neuer Tag wird kommen . Was wird er uns bringen ? In ganz neue Verhältnisse wird er uns wahrscheinlicherweise hineinreißen . Wie wird es morgen in diesem Hause aussehen ? Ich werde gehen müssen ; aber Sie - Sie , Fräulein Franziska , was werden Sie tun und leiden ? Wie düster , wie schauerlich öde und ausgestorben wird morgen dieses Haus sein ! Jede andere Existenz wird eine Seligkeit gegen das Leben in diesem Hause sein ! O Franziska - Fräulein Fränzchen , schreiben Sie morgen an den Herrn Onkel , den Herrn Leutnant : oder - oder lassen Sie mich an ihn schreiben ! Bleiben Sie nicht hier ; bleiben Sie nicht in diesem Hause ; seine Luft ist tödlich ; o Fränzchen , Fränzchen , lassen Sie mich an den Herrn Leutnant schreiben ! « Franziska schüttelte sanft das Haupt und sagte einfach : » Ich muß bleiben . Wenn ich früher nicht gehen konnte , so darf ich es jetzt gar nicht . Ich bin nicht froh in diesem Hause gewesen , aber es hat mir doch Schutz verliehen , und der Onkel Theodor - - - o nein , könnte ich jetzt den armen Onkel Theodor verlassen ? Jetzt schwindelt mir freilich mein Kopfüber bleiben muß ich - ich täusche mich nicht , es wird so recht sein , und ich will nichts Unrechtes tun . Lieber Freund , ich darf nicht an den Onkel