; die Lippen , die sich heute nicht zum ersten Male berührten , vermählten sich in einem langen , glühenden Kuß . Sie wandelten in der Allee auf und ab . Was galt es ihnen , daß sie kaum die Stämme der Bäume wenige Fuß von ihnen erkennen konnten , daß der kalte Hauch des Meeres sie anwehte , - je dunkler es war , desto weiter war ihnen die Welt entrückt , die von ihrer Liebe nichts wissen durfte ; je kälter es war , desto öfter konnte er ihr den seidenen Shawl dichter um den schlanken Leib hüllen , desto inniger konnte sie sich an seine Brust , in seine Arme schmiegen . Die ganze Gluth der Leidenschaft , die in ihrem heißen Herzen brannte , loderte auf in wilden Feuergarben . Sie küßte des Geliebten Hände , sie küßte seinen Mund , sie lachte , sie weinte , sie war außer sich : O , nimm mich mit Dir , Oswald ! wohin Du willst , an ' s Ende der Welt , wo uns Niemand kennt , uns Niemand unsere Liebe neidet . Ich frage nicht nach Rang und Reichthum . Ich habe nicht zu arbeiten gelernt ; aber für Dich wird mir nichts zu schwer sein . - Du lachst , Du glaubst mir nicht . O , stelle mich auf die Probe ! nimm mich zu Deinem Weib , mach ' mich zu Deiner Sklavin , mir gilt es gleich , wenn ich nur bei Dir sein kann ! - Und , Oswald , wenn Du mich nicht mehr liebst , dann sag ' es mir gerade heraus ; oder nein , sag ' es mir lieber nicht ! nimm , ohne ein Wort zu sprechen , einen Dolch und stoße ihn mir in ' s Herz , und dann , wenn ' s ja doch vorbei ist , laß mir aus Barmherzigkeit die Wollust , meine Seele in einem Kuß auf Deinen Lippen auszuhauchen . So sprach unter Küssen und Kosen das leidenschaftliche Weib , bald klagend , bald jubelnd , bald in abgebrochenen , stammelnden Lauten , bald in stürmischen fliegenden Worten - einem jungen Vögelchen gleich , das Alles , was seine klopfende Brust erfüllt , auf einmal herausschmettern und flöten möchte und es doch nur bis zum Zwitschern und hie und da zu einem hellen Ton bringt . Sie konnte es nicht begreifen , daß Oswald sich weigerte , ihr morgen vor aller Welt einen Besuch zu machen und fortan die Gesellschaften , die sich in ihrem Hause versammelten , zu besuchen . Sie malte sich ein solches Verhältniß mit den reizendsten Farben aus . Cloten ist oft halbe Tage lang außer dem Hause . Wenn Du erst einmal bei uns eingeführt bist , so können wir die herrlichsten Stunden ungestört mit einander verleben . Nimmermehr . Wie , nimmermehr ? möchtest Du das nicht ? Wohl möchte ich es ; aber die Frage ist , ob ich es kann ? Wie kann ich aber in Deine Gesellschaft zurückkehren , aus der ich so , wie ich es gethan , geschieden bin ? Es ist von je mein Grundsatz gewesen , nie wieder den Fuß über die Schwelle eines Hauses zu setzten , in welchem man mich einmal , gleichviel , ob wissentlich oder unwissentlich , beleidigte . Denn was einmal geschah , kann und wird öfter geschehen , und wenn es nicht geschieht - das Vertrauen und die Harmlosigkeit des Verkehrs sind doch fort , und die kommen , wie die Unschuld , nimmer wieder . Aber was gehen Dich denn die andern Menschen an ? Wen ich nicht sehen und beachten will , den sehe und beachte ich eben nicht . Das kannst Du ; aber siehst Du denn nicht , daß das in meinem Falle ganz unmöglich ist ? Oder glaubst Du , daß Herr von Barnewitz , der junge Grieben , und wer noch zu der Sippe gehört , mich unbeachtet lassen würden ? Sie sollen nicht zu uns kommen , kein Einziger soll zu uns kommen . Ich will Niemand empfangen und wen ich empfange , so empfangen , daß ihm die Lust wiederzukommen vergeht . Aber Emilie , Kind , das Alles sind ja bunte Seifenblasen , die vor dem ersten Hauch der Wirklichkeit zerplatzen . Und wenn Du Dich wirklich mir zu Liebe mit Deiner Gesellschaft in einen Kampf einlassen wolltest , in welchem Du nebenbei immer den Kürzeren ziehen müßtest , wird Dein Mann mir , den er gewiß nicht liebt , zu lieben auch gar keine Ursache hat , dasselbe Opfer bringen ? Arthur thut , was ich will ; ich kann von Arthur Alles verlangen . Und wäre er ein solcher Thor , sagte Oswald heftig ; ich will in diesem Blindekuhspiel nicht mitspielen . Wenn Dein Mann Dich wirklich liebt , um so schlimmer für Dich und mich und für ihn . Ich weiß , daß Ihr Frauen in solchen Fällen die beneidenswerthe Kunst besitzt , Eure rechte Hand nicht wissen zu lassen , was die linke thut ; aber wir Männer sind anders organisirt ; ich zum wenigsten . Ich rede hier nicht von moralischen Bedenken , über die man sich zur Noth noch wegsetzen kann , wenn man den , dessen Vertrauen man täuscht , aus dem Grunde verachtet ; aber ich würde Höllenqualen , die alle Wonne unsrer Liebe nicht beschwichtigen könnte , erdulden , wenn ich mit meinen leiblichen Augen , den Mann , den ich verachte , seinen Arm in plumper Vertraulichkeit um Deinen Leib schlingen sähe ; wenn ich des Abends von Euch ginge , und wüßte , daß Du - o , ich mag es nicht aussprechen , was ich nicht einmal auszudenken wage . Emilie warf sich schluchzend in Oswalds Arme : O , laß mich immer bei Dir bleiben : laß mich nicht wieder in mein Haus zurückkehren ! Ich will ihn nicht wieder sehen ! er soll nie wieder