; und Harald kam herbeigelaufen , und schrie , als er den Vater so bleich und entstellt sah , und sie selbst lief im Zimmer umher und rang die Hände und ich stand neben dem Baron , und wischte ihm den Todesschweiß von der Stirn . Ich hatte damals keine Zeit zum Weinen , ich wußte es wohl , daß ich hernach Zeit genug dazu haben würde . Und wie alt war Baron Harald , als sein Vater starb ? fragte Oswald . Zehn Jahre , antwortete Mutter Clausen ; und ihm wäre besser gewesen , er wäre an dem Tage gestorben , - ihm und manchem Andern . Die Alte hatte das Strickzeug , das in ihrem Schooß müßig gelegen hatte , wieder zur Hand genommen und strickte emsiger wie zuvor , als müsse sie die verlorene Zeit einholen . Ja , ja , sagte sie , es wäre besser gewesen . Damals war er ein bildhübscher , unschuldiger Junge mit Augen , blau wie Veilchen und rosenrothen Wangen ; und als er starb - Die Alte schwieg - die Nadeln klapperten und der Regen latschte gegen die Scheiben . Nun , sagte Oswald , und als er starb - Da starb ein böser Mann , und es war ein böses , böses Sterben . Ich weiß es allein , denn ich war allein mit dem Unseligen , als der Tod ihn packte mit seiner eisernen Faust . Da rangen sie Beide , der starke Harald und der starke Tod , und gräßlich genug war es anzusehen , so gräßlich , daß die Andern davon liefen - aber ich wollte ihn nicht verlassen in seiner letzten Noth , denn er war , böse wie er war , doch Oscar ' s Sohn und ich hatte ihn , als er ein unschuldig Kind war , auf meinen Armen getragen und auf meinen Knieen gewiegt . So hielt ich aus und betete , während er sich und Gott verfluchte , bis der Tod ihm auf ' s Herz schlug , daß er laut aufschrie und auf sein Kissen zurückfiel . Da war es aus mit ihm und seine arme Seele hatte Ruhe . Und hatte der Baron keinen Freund , der ihm in seiner letzten Stunde hätte beistehen können ? Freunde genug , und es waren Männer dabei , die sich vor einem Sterbebette nicht fürchteten ; aber vor Harald fürchteten sie sich ; er hätte den erwürgt und zerrissen , der ihm in dieser Stunde vor die Augen getreten wäre . Ja , ich möchte , sie wären gekommen , Einer nach dem Andern ; es verdiente Jeder von ihnen , daß ihm der Hals wäre umgedreht worden . Und wer waren diese schlimmen Freunde ? Zuerst Herr von Barnewitz , nicht der auf Süllitz , der noch lebt , der Vater von dem jungen Herrn von Barnewitz - das ist ein guter Mensch , dem Keiner nichts Böses nachsagen kann , - sondern der auf Schmittow , der hernach all ' sein Geld an Herrn von Berkow verspielte , und ihm dafür seine Tochter verkaufte . Melitta ! stöhnte Oswald und seine Hände griffen krampfig nach den Lehnen des Stuhls . Was hast Du , Junker , sagte die Alte . Nichts , nichts ; murmelte Oswald , mit übernatürlicher Anstrengung das aus Abscheu , Mitleid , Haß und Rachedurst grauenhaft gemischte Gefühl niederkämpfend , das in seiner Brust aufkochte , als er der Geliebten heiliges Bild so in den Schmutz gemeiner Leidenschaften geschleift sah . - Melitta verkauft , von ihrem eigenen Vater einem Manne verkauft , den sie nicht liebte , dem sie sich nur vermählte , ihren Vater von der Schande zu retten - Oswald fühlte , daß dieser Gedanke ihn wahnsinnig machen würde , wenn er ihn bis zu Ende verfolgte ; und zugleich fürchtete er , der scharfsinnige Albert , von dessen festem Schlaf er keineswegs überzeugt war , obgleich ein gelegentliches leichtes Schnarchen von der Lade her ertönte , könne seine Aufregung bemerken . So zwang er sich denn , sitzen zu bleiben und mit scheinbarer Ruhe zu fragen : Gehörte Herr von Berkow auch zu den Freunden des Barons ? war er damals nicht noch zu jung ? Er war der Jüngste , sagte Mutter Clausen , und auch der Beste . Er that , was er die Andern thun sah , ohne weiter zu überlegen , ob es Recht sei , oder Unrecht . Auch hatte er nicht die mächtige Natur der Andern . Wo er eine Flasche trank , trank Harald drei , und dabei blieb Harald bei Besinnung und Berkow lag unter dem Tisch . War es ein hübscher Mann ? fragte Oswald . Nicht so hübsch , wie Harald und lange nicht so hübsch wie Du , Junker . Er war kleiner und schwächlicher wie Ihr , und Harald hätte es mit sechs solchen Männern zugleich aufnehmen können . Aber es war auch weit und breit Niemand so stark und so kühn , wie Harald . Er konnte das wildeste Pferd im Lauf aufhalten und zahm und folgsam machen , wie einen Hund , und in den Sattel sprang er , ohne den Bügel zu berühren . Sie erzählten sich Wunderdinge von seiner Riesenkraft , aber es war just so , wie sie sagten . Wenn er zornig war , und er war es nur zu oft , zerbrach er einen schweren eichenen Stuhl oder Tisch , als wären sie von Glas . Dann schwollen ihm die Adern auf der Stirn an , wie Aeste , und er preßte die weißen Zähne knurrend an einander , daß es gräulich anzusehen und anzuhören war ; aber wenn er lachte und freundlich that , da mußte man ihn doch wieder lieb haben . Da konnte er so schön thun , und so gute Worte geben , daß kein Mensch nicht glauben konnte , wie böse er war . Denn böse war er bei alledem ; was ihm gefiel , das