, die sie freilich ihrem Vater veruntreut : aber doch nur so , daß sie vorgab , dieselben in seinem Trödlerkram verkauft zu haben und das Geld dafür behalten zu dürfen bat , um es zu irgend einem Bedürfniß , Kleidungsstück oder dergleichen für sich verwenden zu dürfen ; denn eine solche Bitte schlug ihr der Vater niemals ab , der sie gern geputzt sah , um den Reichthum des Vaters zu bezeigen - natürlich nicht auf der Straße , wo dergleichen den Juden verboten war und Ezechiel sich auch immer den Christen und besonders der christlichen Obrigkeit gegenüber arm zu stellen suchte , damit er nicht noch mehr von ihr gebrandschatzt würde , sondern bei den jüdischen Festen , die sie nur in ihren Häusern und in der Synagoge , allein unter ihren Glaubensgenossen feierten . Wohl aber erzählte sie , daß sie die Baubrüder Ulrich und Hieronymus nach dem Ringe habe fragen wollen , daß sie aber von deren Mutter Martha mit Schimpf empfangen und zur Treppe hinabgeworfen worden sei - zugleich auch die Nachricht erhalten habe , daß die beiden Baubrüder in ' s Kloster zum heiligen Kreuz gegangen seien . » Gewiß hat die Alte den Ring und verhehlt ihn nur , um selbst damit zu machen ein gutes Geschäft ; diese Christen denken ja noch obendrein , daß es verdienstlich ist , den Juden abzujagen so sauer erworbenes Gut . Du hättest laufen sollen zu allen Goldschmieden Nürnbergs und beschreiben den Ring , damit keiner ihn etwa kaufe , sondern der Frau abnehmen , wozu sie auf unrechte Weise gekommen . « » Ich wußte ja nicht , ob Jemand wissen durfte , daß der Ring uns anvertraut worden sei , « sagte Rachel . » Ach , wenn es sich handelt um einen so großen Verlust , darf man sich von keinem Bedenken abhalten lassen , wiederzukommen zu seinem Kleinod oder dem Geld , « belehrte der Vater . » Die Baubrüder sind ehrlich , « sagte Rachel , » und wenigstens Ulrich von Straßburg kennt kein Ansehen der Person ; wenn der den Ring hat gefunden , so giebt er ihn uns ganz gewiß wieder heraus . « » Hast ein gutes Zutrauen zu diesen christlichen Bauleuten ! « höhnte der Alte ; » das sind die Rechten . « » Sie haben uns ja geholfen - « » Nur um mit den andern Gesellen Streit anzufangen und mich in ' s Loch zu bringen - schöne Hülfe ! « » Nein , daran sind sie unschuldig ; ich danke meine Rettung ganz allein diesem Ulrich ; er hat mich nicht nur auf der Straße , er hat mich auch im Hause vor der rohen Frau beschützt . Wenn er weiß , wo der Ring hingekommen , so hilft er uns zu unserem Eigenthum - darauf schwör ' ich ! « » Du redest , wie Du es verstehst ! Wenn ihn hat der Ulrich , so ist das gerade das allergrößte Unglück . Der giebt ihn der Scheurlin - und dann sind wir Alle geprellt . « Rachel starrte den Vater fragend an . » Hast Du nicht gesehen , daß in dem Ring ein E B steht ? Er hat einst Elisabeth Behaim gehört . Daran wird der Ulrich gleich denken , mit dem sie sich eingelassen , und wird ihr ihn geben « - - Aber Ezechiel besann sich , daß er eben Jacobea versprochen , seine Tochter von ihrem Plan nichts ahnen zu lassen , und so schwieg er . Er hatte sich niedergesetzt , die Ellenbogen auf den Schooß gestemmt und den Oberkörper vorgebeugt hatte er sein runzliches Gesicht in die Hände gedrückt , daß nur der lange Bart darunter hervorwallte , und so saß er da und sann nach , wie er diese Sachen noch leiten könne . Nach langem Schweigen sich wieder aufrichtend sagte er : » Vor allen Dingen mußt Du doch zu den Goldschmieden gehen und fragen , ob ihnen Jemand hat zu verkaufen gebracht den Ring oder wirklich verkauft . « Rachel schickte sich an zu gehorchen , ohne weiter ein Wort zu erwiedern . Aber auch sie hatte dabei ihre stillen Gedanken . Was redete da der Vater von Ulrich und der Scheurl ? Was wußte er weiter , was konnte er wissen , als daß damals der Baubruder sein Leben gewagt , und war das doch auf ihre , Rachel ' s Veranlassung geschehen , hatte doch damals erst Ulrich noch erklärt , daß ihm die Scheurl nichts anginge , und daß lieber Rachel selbst sie warnen möge - nur auf ihre Bitten hatte er Jener sich angenommen . Dann , wußte sie , waren Beide , Elisabeth wie Ulrich , gleichzeitig über ein halbes Jahr in Todesgefahr gewesen und hatten so in keiner Weise einander sich nähern können . War es nachher geschehen - oder dachte es nur ihr Vater , hatte nur Streitberg diesen Verdacht ? Rachel war wohl selbst noch unschuldig und rein geblieben ; aber in der gemeinen Sphäre , in der sie lebte , in der sie nicht nur selbst die gemeinsten und unsittlichsten Dinge geschehen sah , sondern es oft mit anhören mußte , wie gerade die christlichen Vornehmen der Stadt niedere Buhlschaft trieben und zur Ausführung dahin führender Bubenstücke sich ihres Vaters oder der alten Jacobea bedient : da hatte sie gerade keinen großen Respect vor der Unschuld und Tugend der honetten Nürnberger . Elisabeth ' s hohe Schönheit und die Art von Stolz und Freiheit , mit der sie sich über manche hergebrachte Form hinwegsetzte , hatten schon zu manchem nachtheiligen Gerücht über sie Veranlassung gegeben - und seit jetzt König Max , der sie bei seinem ersten Hiersein so öffentlich ausgezeichnet , gar in ihrem eigenen Hause eingekehrt war , nannte sie der gemeine Volkshaufe seine heimliche Buhlerin , und fand eine neue Bestätigung dafür darin , daß ihrem Gatten der König den Adel verliehen . Freilich war es nun ein weiter