in der Küche schon die größte Regsamkeit an . Die eigentliche Führerin des Haushalts war wohl die über dem Salatbeete gebückte Matrone . Aber hier in der Küche stand , vom prasselnden Feuer beschienen , ein jüngeres dienendes Wesen und gab , angeredet um den Herrn Pfarrer , aus der Ferne kaum verständliche Antwort ; Eierspeisen , um die es sich allein bei einem improvisirten Abendimbiß handeln konnte , gebieten Aufmerksamkeit auf Pfanne und Löffel ; das wußte Lucinde wohl von ihren frühern mißglückten Versuchen in diesem Fache . Nun folgte sie der eigenen Führung und verließ sich auf ihr Ohr , das durch die Thür zur Rechten auch schon Männerstimmen hörte . Lauschen konnte sie nicht , wenn sie auch wollte , denn im gleichen Augenblick öffnete sich die Thür und Hedemann trat ihr entgegen , mit Schüsseln in der Hand und mit Gedecken . Er half an den Zurüstungen zum Nachtimbiß . Wie staunte er , als ihm Lucinde alles ohne weiteres aus der Hand nahm und damit in die Küche ging ! Hedemann blieb stehen , hielt die Thür auf und sagte , zugleich bestätigend , daß man eben von ihr gesprochen : Da ist ja jetzt das Fräulein ! Bonaventura hatte Lucinden nach der Mittheilung der Frau von Gülpen zu Kocher am Fall schon in der Frühe erwarten dürfen . Und wie ein Priester , der nach der Beichte einer noch so großen Sünde dem Sünder begegnen kann als hätte er nicht ein Wort von ihm vernommen , schritt er jetzt hinaus , begrüßte freundlich lächelnd Lucinden in der Küche , beschwichtigte das Erstaunen der alten , aus dem Garten zurückgekehrten Frau und führte sie dann wie eine unverfängliche , ihm willkommene alte Bekanntschaft mit Wohlwollen an der Hand in das Wohnzimmer zurück . Ihre Hand zitterte in der ruhigen seinen . Sie wollen zu meinem Onkel ! begann er mit dem milden und weichen Tone , den Lucinde eben auf dem Friedhof gehört , dem Tone , den sie aus frühern Zeiten kannte , ja aus Zeiten schon , wo sie ihn selbst noch gar nicht gesehen ; denn so konnte Serlo sprechen , wenn er auf dem Sopha lag , unbehelligt von seiner Frau und wehmüthig auf die Vergangenheit und Zukunft blickend . Aber diese sanfte Stimme kam hier vom Leben , von der Gesundheit , von einer Zukunft , die eine sichere und verbürgte war . So wissen Sie - ? erwiderte sie und schlug die Augen nieder , als wäre sie sich der Glut derselben bewußt ... Sie reichte die Bücher dar und erzählte ihren Einfall in den Garten . Dann gab sie Briefe ab , die sie von Priestern und Freunden Bonaventura ' s mitbrachte . Dieser erbrach die Briefe , las sie und überließ Lucinden den weitern Erkennungen und Ueberraschungen und Verständigungen zwischen ihr und Benno . Ob Bonaventura mit ganzer Theilnahme las ? ... Ob er dies mit dem Gefühl that : Da ist sie die Abgesandtin des Himmels oder - der Hölle ? Man rüstete das Mahl . Benno plauderte über Armgart , über das Erstaunen derselben , daß sie Lucinden blos aus den Schilderungen ihrer Freundin Paula erkannt und dann von Angelika Müller , der Lehrerin , die Richtigkeit ihrer Vermuthungen bestätigt erhalten hatte , über diese Lehrerin , die wenig mehr über Lucinden gewußt zu haben schien , als daß sie einst auf einer Reise sie begleitet hätte - wußte sie mehr , so paßte es schwerlich für die jungen Mädchen - über den Doctor Laurenz Püttmeyer , über Hegel ' s Lehrstuhl , über die metaphysische Drechselbank ... Bonaventura behielt Zeit , beim Lesen auch sich zu sammeln und vielleicht jenes Bildes in seinem Gedächtniß zu gedenken ... Er war seit acht Wochen Priester und saß zum ersten mal im Beichtstuhl ... Es war ein uralter , von Eichenholz kunstvoll gearbeiteter . Ein alter Holzschnitzer hatte die Zierathen dieses Stuhles aus der Geschichte des Sündenfalls entnommen . Der Stuhl drückte die Versuchung aus und die Erlösung . Adam und Eva standen links und rechts an den beiden Eingängen ; der Priester saß wie im Baume der Erkenntniß ; ringsum ihn windet sich die Schlange . Ueber ihm erhebt sich die Erlösung , der siegende Christus mit dem Kreuz und jene Maria , von der Friedrich von Spee , der Sänger der » Trutz-Nachtigall « , erzählt hat , daß sie einst zu ihrem Sohne gesagt haben soll : » Mußt du so leiden , so bitte den Vater , daß er mich früher hingehen läßt « ; aber der Heiland erwiderte : » Zwei haben im Paradiese gesündigt , Adam und Eva ! Zwei müssen auch die Marter leiden , ich und du ! « ... Und in diesem Beichtstuhl war es gewesen , daß beim ersten Beichthören die erste Stimme , die zu Bonaventura gesprochen , ohne daß er die Beichtende sah , nach dem ersten Anmelden ihn anredete : Ehrwürdiger Priester ! Ist es wahr , daß alles in Erfüllung geht , was wir , während ein Priester geweiht wird , von Gott erbitten ? ... Bonaventura , ohne der Stimme zu achten , die er hörte , versenkt in die ihm so heilige Bedeutung des Amtes , Mitwisser fremder Fehle und Mitträger fremder Schuld , Mitträger fremder Reue und Buße zu sein , hatte erwidert : So Sie um ein ewiges Gut gebeten haben , gewiß ; doch würde es Ihnen Gott auch erfüllen in jeder andern Lage , wo Sie in Andacht zu ihm beten ! Darauf hatte die Stimme erwidert : Ich bat um ein Unmögliches , die Wiedererweckung eines Todten , oder darf man annehmen , daß der Geist sich auch auf Erden schon unsterblich erneuert und in wechselnden äußern Gestalten doch derselbe bleibt , dieselben Wunder wirkt , dieselbe Liebe entzündet ? ... Bonaventura hatte erwidert : Der Geist , der heilig ist , ist ausgesandt in alle Welt und ist nur einer ! ... Wodurch heiligen wir