einen Seespiegel am größten ist . Kömmt das aus Zufall , haben die abstürzenden , dem See zueilenden Wässer die Berge so schön gefurcht , gehöhlt , geschnitten , geklüftet , oder entspringt unsere Empfindung von dem Gegensatze des Wassers und der Berge , wie nämlich das erste eine weiche , glatte , feine Fläche bildet , die durch die rauhen absteigenden Riffe , Rinnen und Streifen geschnitten wird während unterhalb nichts zu sehen ist , und so das Rätsel vermehrt wird ? Ich dachte bei dieser Gelegenheit : wenn das Wasser durchsichtiger wäre , zwar nicht so durchsichtig wie die Luft , doch beinahe so ; dann müßte man das ganze innere Becken sehen , nicht so klar wie in der Luft , sondern in einem grünlichen feuchten Schleier . Das müßte sehr schön sein . Ich blieb in Folge dieses Gedankens länger an dem See , mietete mich in einem Gasthofe ein , und machte mehrere Messungen der Tiefe des Wassers an verschiedenen Stellen , deren Entfernung vom Ufer ich mittelst einer Meßschnur bezeichnete . Ich dachte , auf diese Weise könnte man annähernd die Gestalt des Seebeckens ergründen , könnte es zeichnen , und könnte das innere Becken von dem äußeren durch eine sanftere , grünlichere Farbe unterscheiden . Ich beschloß , bei einer ferneren Gelegenheit die Messungen fortzusetzen . Diese Bestrebungen brachten mich auf die Betrachtung der Seltsamkeiten unserer Erdgestaltungen . In dem Seegrunde sah ich ein Tal , in dessen Sohle , die sich bei andern Tälern mit dem vieltausendfachen Pflanzenreichtume und den niedergestürzten Gebirgsteilen füllt und so einen schönen Wechsel von Pflanzen und Gestein darstellt , kein Pflanzengrund sich entwickelt , sondern das Gerölle sich sachte mehrt , der Boden sich hebt und die ursprünglichen Klüftungen ausfüllt . Dazu kommen die Stücke , die unmittelbar von den Wänden in den See stürzen , dazu kommen die Hügel , die außer der gewöhnlichen Ordnung von bedeutenden Hochwassern in den See geschoben und von dem nachträglichen Wellenschlage wieder abgeflacht werden . In Jahrtausenden und Jahrtausenden füllt sich das Becken immer mehr , bis einmal , mögen hundert oder noch mehr Jahrtausende vergangen sein , kein See mehr ist , auf der ungeheuren Dicke der Geröllschichten der menschliche Fuß wandelt , Pflanzen grünen und selbst Bäume stehen . So kannte ich manche Stellen , die einst Seegrund gewesen waren . Der Fluß , der Vater des Sees , hatte sich in seinem Weiterlaufe tiefer gewühlt , er hatte den Seespiegel niederer gelegt , der Seegrund hatte sich gehoben , bis nichts mehr war als ein Tal , an dem jetzt die Ufer als grüne Wälle in langen Strecken stehen , mit kräftigen Kräutern , blühenden Büschen und mancher lachenden Wohnung von Menschen prangen , während das , was einmal ein mächtiges Wasser gebildet hatte , jetzt als ein schmales Bändlein in glänzenden Schlangenlinien durch die Landschaft geht . Ich betrachtete vom See aus die Schichtungen der Felsen . Was bei Kristallen der Blätterdurchgang ist , das zeigt sich hier in großen Zügen . An manchen Stellen ist die Neigung diese , an manchen ist sie eine andere . Sind diese ungeheuern Blätter einst gestürzt worden , sind sie erhoben worden , werden sie noch immer erhoben ? Ich zeichnete manche Lagerungen in ihren schönen Verhältnissen und in ihren Neigungen gegen die wagrechte Fläche . Wenn ich so die Blätter durchging und die Gestaltungen ansah , war es mir wie eine unbekannte Geschichte , die ich nicht enträtseln konnte , und zu der es doch Anhaltspunkte geben mußte , um die Ahnungen in Nahrung zu setzen . Wenn ich die Stücke unbelebter Körper , die ich für meine Schreine sammelte , ansah , so fiel mir auf , daß hier diese Körper liegen , dort andere , daß ungeheure Mengen desselben Stoffes zu großen Gebirgen aufgetürmt sind , und daß wieder in kleinen Abständen kleine Lagerungen mit einander wechseln . Woher sind sie gekommen , wie haben sie sich gehäuft ? Liegen sie nach einem Gesetze , und wie ist dieses geworden ? Oft sind Teile eines größern Körpers in Menge oder einzeln an stellen , wo der Körper selber nicht ist , wo sie nicht sein sollen , wo sie Fremdlinge sind . Wie sind sie an den Platz gekommen ? Wie ist überhaupt an einer Stelle gerade dieser Stoff entstanden und nicht ein anderer ? Woher ist die Berggestalt im großen gekommen ? Ist sie noch in ihrer Reinheit da , oder hat sie Veränderungen erlitten , und erleidet sie dieselben noch immer ? Wie ist die Gestalt der Erde selber geworden , wie hat sich ihr Antlitz gefurcht , sind die Lücken groß , sind sie klein ? Wenn ich auf meinen Marmor kam - wie bewunderungswürdig ist der Marmor ! Wo sind denn die Tiere hin , deren Spuren wir ahnungsvoll in diesen Gebilden sehen ? Seit welcher Zeit sind die Riesenschnecken verschwunden , deren Andenken uns hier überliefert wird ? Ein Andenken , das in ferne Zeiten zurück geht , die niemand gemessen hat , die vielleicht niemand gesehen hat , und die länger gedauert haben , als der Ruhm irgend eines Sterblichen . Eine Tatsache fiel mir auf . Ich fand tote Wälder , gleichsam Gebeinhäuser von Wäldern , nur daß die Gebeine hier nicht in eine Halle gesammelt waren , sondern noch aufrecht auf ihrem Boden standen . Weiße , abgeschälte tote Bäume in großer Zahl , so daß vermutet werden mußte , daß an dieser Stelle : ein Wald gestanden sei . Die Bäume waren Fichten oder Lärchen oder , Tannen . Jetzt konnte an der Stelle ein Baum gar nicht mehr wachsen , es sind nur Kriechhölzer um die abgestorbenen Stämme , und auch diese selten . Meistens bedeckt Gerölle den Boden , oder größere , mit gelbem Moose überdeckte Steine . Ist diese Tatsache eine vereinzelte , nur durch vereinzelte Ortsursachen hervorgebracht ? Hängt sie mit der großen Weltbildung zusammen ? Sind die Berge gestiegen , und haben