, gnädige Herrin ? « » Wir haben Euch weder um Ekkehards Erziehung noch um Werfung eines Gastgeschenks zum Fenster hinaus ersucht « , sprach die Herzogin bitter . Praxedis schwieg . Die Herzogin konnte sich von der eleganten Schmähschrift lange nicht trennen . Ihre Gedanken waren dem blonden Mönch nicht mehr zugewendet wie damals , als er sie über den Hof des heimischen Klosters trug . Im Augenblick überschwenglichen Gefühls nicht verstanden werden , ist gleich der Verschmähung , der Stachel weicht nicht wieder . Wenn sie ihn jetzt erschaute , pochte das Herz nicht in höherem Schlag ; oft war ' s Mitleid , was ihre Blicke ihm noch zuführte , aber nicht jenes süße Mitleid , aus dem die Liebe aufsprießt wie aus kühlem Grunde die Lilie - es barg einen bösen Keim von Geringschätzung in sich . Durch Gunzos Schmähschrift ward auch das Wissen , das die Frauen seither hoch an ihm gehalten , in Staub gezogen , was blieb noch Gutes ? Das stille Weben und Träumen seiner Seele verstand die Herzogin nicht , zarte Scheu ist in anderer Augen Torheit . Daß er in der Frühe ausgegangen , das hohe Lied zu lesen , war zu spät ; er hätte das im vorigen Herbst tun sollen ... Der Abend dunkelte . » Ist Ekkehard heimgekehrt ? « fragte die Herzogin . » Nein « , sprach Praxedis , » Herr Spazzo auch nicht . « » Dann nimm den Leuchter « , befahl Frau Hadwig , » und trage die Pergamentblätter auf Ekkehards Turmstube . Er darf nicht ununterrichtet bleiben von seiner Mitbrüder Werken . « Die Griechin gehorchte , aber unfroh . In der Turmstube droben war schwüle Hitze . Ungeordnet lagen Bücher und Gerätschaften umher . Auf dem Eichentisch war das Evangelium des Matthäus aufgeschlagen : » Am Geburtsfest des Herodes aber tanzte der Herodias Tochter vor der Gesellschaft , und sie gefiel dem Herodes , daß er ihr mit einem Eidschwur verhieß zu geben , um was sie bitten wollte , und sie sprach : Gib mir auf einer Schüssel den Kopf Johannes des Täufers ! ... « Die priesterliche Stola , Ekkehards Weihnachtsgeschenk von der Herzogin , lag daneben , die goldgewirkten Fransen hingen über das Fläschlein mit Jordanwasser , das ihm der alte Thieto einst mitgegeben . Da schob Praxedis alles zurück und legte Gunzos Epistel auf den Tisch ; es tat ihr leid , wie sie alles geordnet . Beim Fortgehen wandte sie sich , tat das Fenster auf , riß ein Zweiglein von dem üppig am Turm sich emporschlingenden Efeugerank und warf ' s drüber hin . Ekkehard war spät heimgekommen . Er hatte den wunden Cappan gepflegt ; noch größere Arbeit war es ihm , des Hunnen langes Ehegemahl zu trösten . Nachdem das erste Wehgeheul verstummt und ihre Tränen getrocknet , war bis nach Sonnenuntergang ihre Rede nur ein einziger großer Fluch auf den Klostermeier , und wenn sie ihren starken Arm gen Himmel hob und von Augauskratzen und Bilsenkraut in die Ohren gießen und Zähneeinschlagen sprach , und ihre braunen Zöpfe wildbedrohlich im Winde flatterten , so bedurfte es eindringlichen Zuspruchs , sie zu beruhigen . Doch war ' s gelungen . In der Stille der Nacht las Ekkehard die Blätter , die ihm die Griechin in seine Stube gelegt . Seine Hand spielte mit einer wilden Rose , die er heimgehend im Tannenwald gepflückt , während sein Auge die geharnischten Angriffe des welschen Gelehrten aufnahm . Woher mag es kommen , dachte er und sog den Duft der Blume ein , daß so vieles der Tinte Entsprossenes seinen Ursprung nicht verleugnen kann ? Alle Tinte kommt vom Gallapfel und aller Gallapfel vom bösen Wespenstich ... Mit heiterem Antlitz legte er schließlich die gelben Pergamentblätter weg : Eine gute Arbeit - eine recht fleißige gute Arbeit - o , der Wiedehopf ist auch eine wichtige Person unter dem fliegenden Getier . Aber die Nachtigall hat kein Ohr für seinen Gesang ... Er schlief ausgezeichnet gut nach seiner Lesung . Wie er des andern Morgens von der Burgkapelle zurückschritt über den Hof , traf er auf Praxedis . » Wie geht ' s Euch , Hunnentäufer ? « sprach sie leicht , » ich bin ernstlich um Euch besorgt . Es hat mir geträumt , ein großer brauner Meerkrebs sei den Rhein herauf geschwommen und aus dem Rhein in den Bodensee , und vom Bodensee sei er auf unsere Burg gekrochen und hätt ' schneidige Scheren und hätt ' Euch drein geklemmt und scharf ins Fleisch geschnitten . Der Seekrebs heißt Gunzo . Habt Ihr noch viel so gute Freunde ? « Ekkehard lächelte . » Ich mißfalle manchem Mann , der mir auch nicht gefallen kann « , sprach er . » Wer an rußige Kessel anstößt , kann leichtlich schwarz werden . « » Scheint Euch aber ganz gleichgültig zu sein « - sprach Praxedis . » Ihr solltet Euch schon heut auf eine Antwort besinnen . Siedet den Krebs rot ab , dann beißt er nimmer . « » Die Antwort « , erwiderte Ekkehard , » hat ein anderer für mich gegeben . Wer zu seinem Bruder spricht : Rakka ! wird des hohen Rates schuldig sein , und wer sagt : du Narr ! wird des höllischen Feuers schuldig sein . « » Ihr seid recht fromm und mild « , sagte Praxedis , » aber sehet zu , wie weit Ihr damit in der Welt kommet . Wer sich seiner Haut nicht wehret , dem wird sie abgezogen . Auch den schlechten Feind sollt Ihr nicht gering anschlagen : Sieben Wespen zusammen stechen ein Roß tot . « Die Griechin hatte recht . Stumme Verachtung unwürdigen Angreifers gilt allzuleicht für Schwäche . Aber es war Ekkehards Natur so . Praxedis trat einen Schritt auf ihn zu , daß er betroffen zurückwich . » Soll ich Euch noch einen guten Rat geben , Ehrwürdigster ? « sprach sie . Er