öfter welche gesehen , nehmen wir unbedingt an . - Es ist das Stellen lebender Bilder in Familiencirkeln eine Krankheit , die hie und da einreißt , die oftmals sporadisch auftritt , dann aber auch für gewisse Winter ganze Städte epidemisch beherrscht . Das sind Zeiten der forcirten Bewunderung , wo man oftmals nach ausgestandenem Jammer den Lenker aller Dinge anklagen möchte , daß es überhaupt Bilder gibt , und daß Jemand auf die - schöne Idee kam , lebende Bilder zu arrangiren . Wie schon bemerkt , so erfaßt die Lust nach diesem Vergnügen oftmals ganze Städte , und alsdann entgeht keiner seinem Schicksale ; wer nicht zum Mitstehen gepreßt wird , der muß zusehen ; und welche Art von Schlachtopferei menschlicher Grausamkeit die schlimmere sei , soll der Beurtheilung einer zweiten Miß Stowe vorbehalten bleiben . Man hat alle Arten von Vergnügen erschöpft , man hat große Kaffeegesellschaften arrangirt , in welchen eine ungeheure Menge von Backwerken verzehrt , eine Anzahl guter Namen zerrissen , ja eine Masse von Zukunften vernichtet wurde . Was das Letztere anbelangt , - die harmlosen Zuthaten zum Kaffee nämlich , - so müssen wir den geneigten Leser versichern , daß die Vieruhr- , überhaupt die Nachmittagskaffeegesellschaften die schlimmsten , die blutdürstigsten sind . Das Mittagessen ist vorüber gegangen , und der Gemahl , der vielleicht in der Kanzlei von einem Vorgesetzten bedeutend geärgert wurde , kam verdrießlich zu Tische und findet , daß die Suppe versalzen , die lange Sauce des Gemüses zu mehlig und die Räucherung des Schweinefleisches nicht vollkommen gelungen sei . Es gab das eine kleine häusliche Scene , die Kanzleiräthin erlebte einige scharfe Bemerkungen , welche in viel kräftigerer Tonart , aus allen Registern klingend , in der Küche wiedergeorgelt wurden . Darauf ist das Bäbele verdrießlich geworden ; » es ist überhaupt keine Freude in dem Hause ; « denkt sie , und statt daß sie mit dem Spülen um halb Drei fertig wäre , zieht sie dies Geschäft bis halb Vier hinaus , wo sie dann erst langsam die Hände mit Seife wascht , um darauf der ängstlich harrenden Gebieterin das Kleid zuzumachen . Diese , geärgert , echauffirt , kann mit dem übrigen Anzug kaum fertig werden , und erscheint nun statt um vier Uhr eine Viertelstunde später - der geneigte Leser mag selbst beurtheilen in welcher Laune - zum Kaffee . Wie schon angedeutet , diese Nachmittagsgesellschaften sind entsetzlich , und der Geist der Verleumdung muß sie einstmals in höchsteigener Person erfunden und dazu geladen haben den gelben Neid , die grüne Bosheit , gräuliche Heuchelei , und alle andern Schwestern und Brüder dieser Geschlechter . Hier wird Alles , was in den Bereich der giftigen Zungen kommt , zerstückelt , zerrissen , verdammt ohne alle Gnade und Barmherzigkeit . - Abends bei einem harmlosen Thee geht es schon einige Grade sanfter und gemüthlicher zu . Am Ende des Tages ist man überhaupt versöhnlicher gestimmt , ist zu Liebe und Duldung geneigter jeder Mensch , ja sogar die Zunge der schlimmsten Frau . Da geht es denn oftmals ohne bedeutendes Blutvergießen ab ; es herrscht hier - mit Ausnahmen natürlich - ein Geist der Sanftmuth ; nur zuweilen wird ein guter Name geknickt , ein bis dahin guter Ruf vernichtet . Aber im Laufe des Winters werden sie langweilig diese Gesellschaften , man hat sich schon zum Oefteren auf gleiche Weise beisammen gesehen , man hat schon unzählige Mal die neu plattirte Theemaschine bewundert oder das Porzellanservice , das voriges Jahr angeschaffte ; auch weiß man , daß der Silbervorrath aus achtzehn Löffeln besteht ; die neuen Ueberzüge des Sopha ' s und der Stühle geben keinen rechten Stoff mehr zur Unterhaltung , ja sogar die eigenen Zungen sind abgenutzt und die Zähne haben sich stumpf gebissen an dem Wohl und Wehe des lieben Nächsten . Was das Schlimmste ist , es ist vielleicht keiner der glühenden Wünsche erfüllt worden , mit denen man die Wintersaison eröffnet , - es kamen die Wasser all ' , die gebeten wurden , aber die Einladungen dagegen fielen spärlich aus . Madame konnte sich trotz des großen Aufwands von Zucker , Thee und Backwerk nicht aus der siebenten Rangklasse erheben und hineinschmuggeln in höhere Regionen . Man vergrößert nun die Theegesellschaften ; statt daß man , wie bis jetzt , die Magd oder einen entlehnten Bedienten herum schickt und auf eine Tasse mit Zuthaten einladen läßt , werden nun Karten geschrieben , auf denen es heißt : Herr und Madame Backstein bitten Frau Regierungsräthin Hintenüber mit vier Töchtern zu einem Thé dansant auf morgen Abend etc. Unten links in der Ecke steht das bekannte : U.A.w.g. - Um Antwort wird gebeten ; die jüngeren Damen übersetzen es sich aber : Und Abends wird getanzt . Zur gewöhnlichen Theegesellschaft war doch nur eine kleinere Anzahl von Gästen versammelt , die der Salon ohne viele Schwierigkeiten in sich aufnehmen konnte , eine Anzahl Auserwählter , ein Elitencorps , ein Cadre der Armee ; zum tanzenden Thee dagegen ist nun die sämmtliche Mannschaft einberufen worden : Kriegsreserve , Landwehr ersten und zweiten Aufgebots , ja längst schon nicht mehr dienstfähige und sehr strapazirte Invaliden . Da rüstet sich nun Alles , diesem Rufe Folge zu leisten , und erscheint zu Fuß und zu Wagen . Einige Zeit nach der angegebenen Stunde sind dann die hinteren Zimmer auch glücklich mit Menschen vollgepropft , und die vorderen füllen sich nach und nach ebenso an . Man becomplimentirt sich , man stößt einander , man tritt sich auf die Hühneraugen , man kann nicht zu einer hübschen Frau gelangen , denn sie ist von einem Kreis von Vaterlandsvertheidigern umgeben , und wenn man endlich glaubt , durchbrechen zu können , wird man von einem langweiligen Kerl zurückgehalten , der durch die hinten Stehenden fast auf uns hinaufgeschoben wird , der mit stets offenem Munde spricht , uns beständig in gelinder Anfeuchtung erhält , und der , ehe er sich in eine Unterhaltung mit