noch einige Stunden zu plaudern , bemerkte ich , daß die Gegenstände der Liebe und der geschlechtlichen Verhältnisse nun ausschließlicher und ausgeprägter der Stoff der neckischen Gespräche geworden , aber so , daß die Jünglinge mit gleichgültig verwegener und etwas spöttischer Galanterie eine große Sprödigkeit , Männerverachtung und jungfräuliche Selbstzufriedenheit an den Tag zu legen bemüht schienen , und an der Art und Weise , wie die sich kreuzenden Scherze und Angriffe hier reizten , dort scheinbar verletzten , war nicht zu verkennen , daß hier die Kristallelemente zusammenzuschießen auf dem Punkte waren . Ich war anfangs still und suchte mich in den wort-und witzreichen Scharmützeln zurechtzufinden ; die Mädchen betrachteten mich als einen anspruchlosen Neutralen und schienen einen frommen und bescheidenen Knappen an mir gewinnen zu wollen . Doch unversehens nahm ich , das Scheingefecht für vollen Ernst haltend , die Partei meines Geschlechts . Die vermeintliche Bedürfnislosigkeit und stolze Selbstverklärung der Schönen schien mir gefährlich und beleidigend und entsprach nicht im mindesten meinen Gefühlen . Aber leider setzte ich , anstatt mich der praktischeren und beliebteren Waffen meiner Genossen zu bedienen , knabenhafter- und ungalanterweise den Mädchen ihre eigene Kriegführung entgegen . Der trotzige Stoizismus , welchen ich gegen das jungfräuliche Selbstgenügen aufwandte , warf mich um so schneller in eine isolierte und gefährliche Stellung , als ich in meiner Einfalt augenblicklich selber daran glaubte und mit heftigem Ernste verfuhr . Ich vereinigte sogleich alle Pfeile des Spottes auf mich als ein nicht zu duldender Aufrührer ; die männlichen Teilnehmer ließen mich auch im Stich oder hetzten mich fälschlicherweise auf , um bei den erzürnten Mädchen desto besser ihre Rechnung zu finden , worüber ich wieder verdrießlich und eifersüchtig ward , und es ärgerte mich gewaltig , wenn ich bemerkte , wie mitten im Kriege die verständnisvollen Blicke häufiger fielen und der schone Feind seine Hände den Burschen immer anhaltender und williger überließ . Kurz , als die Gesellschaft auseinanderging und ich die Treppe hinanstieg als ein erklärter Weiberfeind , verfolgten mich die drei Basen , jede ihr Nachtlämpchen tragend , spottend bis vor die Tür meines Schlafzimmers . Dort wandte ich mich um und rief » Geht , ihr törichten Jungfrauen mit euren Lampen ! Obgleich jede nur zu bald ihren irdischen Bräutigam haben wird , fürchte ich doch , das Öl eurer Geduld reiche nicht aus für die kürzeste Frist ; löscht eure Lichter und schämt euch im Dunklen , so spart ihr das bißchen Öl , ihr verliebten Dinger ! « Eine Magd trug gerade ein Becken mit Wasser hinein ; sie tauchten ihre Finger in das Wasser und spritzten mir dasselbe ins Gesicht , während sie mit ihren brennenden Lämpchen mir um Haar und Nase herumzündeten und mich hart bedrängten . » Mit Feuer und Wasser « , sagten sie , » taufen wir dich zu ewigem Frauenhasse ! Nie soll eine wünschen , diesen Haß schwinden zu sehen , und das Licht der Liebe soll dir für immerdar erloschen ! Schlafen Sie recht wohl , gestrenger Herr , und träumen Sie von keinem Mädchen ! « Hiemit bliesen sie meine Kerze aus und huschten auseinander , daß ihre Lichtchen in dem dunklen Hause verschwanden und ich im Finstern stand . Ich tappte in das Zimmer , stieß an alle Gegenstände und streute in der Dunkelheit mißmutig meine Kleider auf dem Boden umher . Und als ich endlich das Kopfende des Bettes gefunden und mich rasch unter die Decke schwingen wollte , fuhr ich mit den Füßen in einen verwünschten Sack , daß ich sie nicht ausstrecken konnte , sondern in meiner gewaltsamen Bewegung auf das unangenehmste gehemmt und zusammengebogen wurde . Die Leintücher waren , infolge einer ländlich-sittlichen Neckerei , so künstlich ineinandergeschürzt und - gefaltet , daß es allen meinen ungeduldigen Bemühungen nicht gelang , sie zu entwirren , und ich mußte mich in der unbequemsten und lächerlichsten Lage von der Welt zum Schlafe zusammenkauern . Allein dieser wollte trotz meiner Müdigkeit sich nicht einfinden ; ein ärgerliches und beschämendes Gefühl , daß ich mich in eine schiefe Stellung geworfen , die Besorgnis , wie Anna sich Zu all diesem verhalten wurde , und das verhexte Bett ließen mich die Augen nur auf Augenblicke schließen , wo dann die unruhigsten Traumbilder mich verfolgten . Die Nacht im Tale war unruhig und geräuschvoll , denn es war diejenige des Sonnabends auf den Sonntag , in welcher die ledigen Bursche bis zum Morgen zu schwärmen und ihren Liebeswegen nachzugehen pflegen . Ein Teil derselben durchzog in Haufen singend und jauchzend die nächtliche Gegend , bald fern , bald nah laut werdend ; ein anderer Teil schlich einzeln um die Wohnungen her , mit verhaltner Stimme Mädchennamen rufend , Leitern anlegend , Steinchen an Fensterladen werfend . Ich stand auf und öffnete das Fenster ; balsamische Mailuft strömte mir entgegen , die Sterne zwinkerten verliebt hernieder , ein Kätzchen duckte sich um die eine Hausecke , um die andere bog ein schlanker Schatten mit einer langen Leiter und lehnte sie an das Haus , drei oder vier Fenster von mir . Rüstig klomm er die Sprossen entlang und rief halblaut den Namen der ältesten Base , worauf das Fenster leise aufging und ein trauliches Geflüster begann , von einem Geräusche unterbrochen , welches von demjenigen feuriger Küsse nicht im mindesten zu unterscheiden war . Oho ! dachte ich , das sind feine Geschichten ! und indem ich so dachte , sah ich einen andern Schatten aus dem Fenster der mittleren Base , welche eine Treppe tiefer schlief , sich auf den Ast eines nahen Baumes schwingen und flink zur Erde gleiten ; kaum war er aber fünfzig Schritte entfernt , so brach er , den fernen Nachtschwärmern antwortend , in ein mörderliches Jauchzen aus , welches weithin widerhallte . Mit sehr gemischten Empfindungen machte ich vorsichtig das Fenster zu und suchte in meinem boshaften Leinwandlabyrinth Mädchen , Liebe , Mainacht und Verdruß zu vergessen . Noch gemischten Gefühle jedoch kehrten zurück , als ich am