saß an einer Pritsche , den Kopf aufgestützt , derselbe Fremde da , der sich Dankmarn allerdings nur durch eine Visitenkarte , aber denn doch auch durch seltene Bildung und die feinste Erziehung als Prinz Egon von Hohenberg zu erkennen gegeben hatte . Da ist der Herr , den Sie sprechen wollen ! sagte Pfannenstiel . Und wie ist ' s nun mit dem Mittagessen ? setzte er hinzu . Gehen Sie in die Krone ! sagte Dankmar nach seiner Gewohnheit rasch entschlossen ; bestellen Sie das beste Mittagessen , das der Wirth für zwei anständige Personen nur auftreiben kann . Um ein Uhr muß es hier sein ! Auch eine Flasche Wein ! Verstehen Sie ? Damit drückte er dem Meister Pfannenstiel ein Trinkgeld in die Hand . Dieser , schon an die möglichen Überbleibsel der Mahlzeit denkend und von dergleichen freigebigen , luxuriösen Inculpaten und Zeugen , die hier selten vorkamen , überrascht , erbot sich zur pünktlichsten Besorgung , rückte mit aller Beflissenheit einen alten Tisch ans Fenster und fragte , ob wol noch ein Stuhl nöthig sei ? Dankmar , mit Gefängnissen vertraut , ergriff die Pritsche , auf der ein alter verfaulender Strohsack lag , warf diesen herunter , rückte das Holzgestell an den Tisch und sagte : Das ist gut genug zum Sitzen . Viel Meubel machen ' s hier zu eng .... Wie Sie wollen , sagte Pfannenstiel und ganz erstaunt , die beiden jetzt zu Inhaftirenden so curios sicher und vertraut sich begrüßen zu sehen - der Andere war allerdings anfangs kaum aufgestanden - schloß er die Thür wieder ab und polterte draußen so gräulich mit seinen Schlössern und Riegeln , daß nach jener Seite hin an ein Entrinnen nicht zu denken war . Als man das letzte Eisen vorgeschoben hörte , sprang der Gefangene von einem Schemel , auf dem er während der Verständigung zwischen Dankmar und Pfannenstiel , unbeweglich den Kopf in beiden Händen stützend , gesessen hatte , auf und rief : O mein Gott ! Was sagen Sie nun dazu ? Durchlaucht sehen mich hier , antwortete Dankmar , um von Ihnen Etwas zu vernehmen , das soviel wie eine Aufklärung ist . Ich bin ganz Ohr ! Dankmar war sonst kein Freund von Titulaturen . Er hob die Würde des Gefangenen nur darum so nachdrücklich hervor , um zu sehen , ob dieser sie wirklich zu behaupten verstand .... Nichts von Durchlaucht ! sagte der Fremde ; keine Förmlichkeiten , die ich schon draußen in der Freiheit hasse , und die hier in diesem abscheulichen Loche am wenigsten am Platze wären . Ich habe Sie auf unserer Reise schätzen , ja lieben gelernt . Vor allen Dingen ! Seien Sie mir Freund , Wildungen ! Damit reichte er Dankmarn erregt die noch von seinem eben Erlebten zitternde Hand . Dankmar ergriff sie etwas zögernd . Er konnte denn doch nicht umhin , sich zu sagen : Wunderliche Herablassung eines gefangenen Diebes , der vielleicht wirklich unschuldig , aber denn doch auch vielleicht nichts weniger als der Prinz Egon ist ! Sie haben kein Vertrauen mehr zu mir , Wildungen ! sagte der Fremde . Und ich Wahnsinniger verdien ' es auch nicht ! Wie kann ich mir einbilden , daß Sie meinen Worten trauen können ! Wie kann ich glauben , daß Sie mich für Egon Hohenberg halten ! Höchstens , daß Sie mich für keinen Tischler nehmen ! Und was das Schlimmste ist , Wildungen ! Ich bin ... Der Gefangene stockte .... Als ihn Dankmar erwartungsvoll fixirte , sagte er leise : Ich bin wirklich ein Dieb . Durchlaucht ... Ich habe auf dem Schlosse wirklich stehlen wollen .... Dankmar besann sich bald . Mein Fürst , sagte er , man nennt Das nicht stehlen , was das Antreten einer Erbschaft , das Besitzergreifen von einem Eigenthum ist . Allein ... Nun ? Nicht wahr ? Auch dieser Act muß in gesetzlichen Formen geschehen ? Allerdings , sagte Dankmar . Ich kann nicht glauben , daß Sie sich in der That auf dem Schlosse irgend Etwas haben heimlich aneignen wollen . Der Fremde schwieg und suchte nach Fassung . Nach einem Augenblick strich er sich mit der Hand durch das lichtbraune Haar , das von dem blassen edeln Angesicht jetzt noch schöner abstach , und sagte : Weg mit den Grillen ! Bedenk ' ich es genau , so ist das Ganze ein Abenteuer und ich wünschte , der Wein aus der Krone wäre schon da , damit Sie mit mir auf die Befestigung unserer Freundschaft anstoßen . Dankmar konnte sich in diesen Übergang zur Heiterkeit nicht finden . Es überfielen ihn plötzlich alle nur möglichen Zweifel an dem Fremden , von dem er sich düpirt zu werden als Etwas dachte , was ihm das Blut in die Wangen trieb .... Er sah sich um und kam auf die Widerwärtigkeit eines solchen Ortes zurück , in dem sie sich wiederfinden mußten .... Es ist toll ! sagte der Fremde . Aber wie glauben Sie nur , daß ich aus diesem Rattenneste frei werde ? Vor allen Dingen , meinte Dankmar mit bestimmter Betonung , vor allen Dingen müßt ' ich doch wissen , mit welchem Rechte Sie hierher kamen ? Weil ich stehlen wollte .. Wie ? Scherzen Sie ? In der That ! Ich bin ein Dieb .... Ich habe nicht gesagt , Durchlaucht , beweisen Sie , daß Sie der Prinz Egon von Hohenberg sind ; aber daß Sie ein Dieb sind , müssen Sie jetzt wirklich beweisen .... .... Was soll ich zuerst beweisen ? Ich sehe , Sie glauben Beides nicht . Ohne zu schmeicheln , möcht ' ich fast glauben , wenn Sie mir beweisen , daß Sie der Prinz Egon von Hohenberg sind , so hätten Sie kaum nöthig , entschuldigend von Ihrem sogenannten Diebstahl zu sprechen .... Ah ! Sie Demokrat ! Finden denn die Fürsten bei Ihnen noch so ein gutes Vorurtheil ? Dankmar schwieg mit seinem