einer als Mann hält , was er als Kind versprochen , so selten einer erleuchtet stirbt , wie erleuchtet er schon vom sechsten Jahre , das heißt schulpflichtigen Alter an gepriesen wurde . Es ist aber auch wahr , Vreneli hatte mit sich selbst eine harte Arbeit und oft mußte es unwillkürlich mit der Hand ans Herz fahren , um es zu halten , daß es nicht zerspringe , mußte sich zwingen , mit den Kindern zu reden und zu tändeln , es war ihm , als müsse es seinen Mund verschließen und seine Rede aussterben lassen , und manchmal wollte ihns ein wilder , zorniger Geist ergreifen , wollte in seine Hände fahren , sie reizen , zu turnieren mit Pfannen und Schüsseln , wollte Glut werfen in seine Seele , um dann als zorniger Feuerstrom zu fahren aus seinem Munde in die Schweine hinein , das heißt in Mägde und Knechte , ja manchmal auch über Uli und Kinder . Es mußte Vreneli gar heftig kämpfen mit sich selbst , um zu bewahren einen ergebenen Sinn , Ruhe des Gemütes und ein mildes Wort . Manchmal wollte es sich ihm schier nicht geben ; es erfuhr , was es heiße : Niemand wird gekrönt , er kämpfe denn recht . Siebzehntes Kapitel Nach der Angst kommt der Tod » Lenore fuhr ums Morgenrot empor aus schweren Träumen , « so gings auch Vreneli . Vom Brennen hatte es geträumt , hatte seine Kinder in den Flammen gesehen , zu ihnen gewollt und nicht gekonnt , war wie in Ketten und Banden gelegen . Ein heftiges Klopfen am Fenster brach den Bann , mit einem Satze war Vreneli mitten im Zimmer , riß die Augen auf , stockfinster wars ; ob es geträumt oder nicht , war ihm nicht klar . Da klopfte es noch heftiger ; rasch riß es das Fensterchen auf und rief : » Wo brennts ? « » Komm geschwind , die Frau will sterben , sie kommt nicht mehr fort mit dem Reden ; sie wollte nie machen , was ich angab , drum gehts ihr jetzt so ; hätte sie gehorcht , sie hätte es noch lange machen können , so wohl am Leibe , wie sie war . « Es war Joggeli , der so sprach . Ehe er wieder beim Stock war , war Vreneli hinter ihm , vor ihm in der Stube und fand die gute Base im Sterben . Nach Tropfen und Salben griff es schnell ; die Base tat wohl die Augen auf , tappte nach seiner Hand , strengte sich augenscheinlich an , etwas zu sagen , brachte bloß undeutliche Töne hervor , man wußte nicht , wollte sie Haus oder Geld oder Hand sagen , und wenn man nach diesem oder jenem deutete , schüttelte sie den Kopf und deutete auch , aber man wußte nicht , nach was . Bei allem , was man ihr vorwies oder sagte , schüttelte sie den Kopf , seufzte tief auf , schloß die Augen und öffnete sie hienieden nimmer wieder . Sie habe die Sache nie zu rechter Zeit sagen können , und man habe eigentlich nie recht gewußt , was sie meine ; wenn man geglaubt , jetzt sei es ihr einmal das Rechte , so sei es ihr eben nicht recht gewesen ; wenn sie auf ihn gehört , sie lebte noch , aber sie hätte es immer so gehabt ; was er gesagt , habe nie etwas bei ihr gegolten . Daneben sei sie eine rechte Frau gewesen , und niemanden sei es übler gegangen als ihm ; sie seien an einander gewöhnt gewesen , und so alt , wie er sei , gewöhne man sich nicht mehr gerne anders ; da dünke es ihm , sie hätte wohl können ihm zu Gefallen mehr ums Leben tun , das Geld hätte ihn nicht gereut , aber so sei sie immer gewesen , was sie im Kopf gehabt , das hätte man ihr nicht mehr herausgebracht . Das war Joggelis Leichenklage , von welcher indes Vreneli wenig hörte , denn ihm war die Mutter gestorben . Es war , als sei es vom Eckstein seines Daseins weggestoßen , schwebe über einem Abgrunde , der unergründlich , unerforschlich seinen Schlund ihm entgegendehne . Doch seinem Schmerze gab es nicht lange ungemessen sich hin . Vreneli hatte sich untertan gemacht der Pflicht ; wo Pflicht erschien , gehorchte es ihr mitten in jeder Bewegung , wie der Soldat in allen Lagen , sie mögen heißen wie sie wollen , die Hand an den Tschako , Helm oder Käppi legt , wenn ein Offizier vorübergeht . Daß wir hier nicht von bernerischen Soldaten reden , versteht sich - zwar nicht von selbst , sondern sonst ! Vreneli fühlte , daß ihm jetzt hauptsächlich die Besorgung aller Formalitäten oblag , denn Joggeli hatte weder Übersicht des Nötigen noch das schnelle Wort zur Beschickung des Nötigen . Es drückte die Hand aufs Herz , wischte die Augen aus , stund auf und frug Joggeli , was er meine , daß jetzt gemacht werden müsse ? Eben , sagte er , habe er gedacht , und schluchzte erbärmlich dazu , es sei doch nichts gemacht von seiner Frau selig , daß sie nicht gesagt , wie sie es wünsche ; es sei doch sonst überall Gebrauch , daß wer sterbe , sage , wie man es mit seinem Leichenbegängnis halten solle , und sonst befehle , was es noch möchte . Sie habe kein Wörtlein davon gesagt , und das hätte sie doch sollen , wenn sie es gut mit ihm gemeint . Nit , klagen wolle er nicht , es sei eine brave Frau gewesen , bravere werde es wohl nicht viele geben , aber das Wort hätte sie ihm nicht gegönnt , und wenn er was von sich aus gemacht , so sei es doch nicht recht gewesen ; er wolle jetzt auch nichts dazu sagen , vielleicht wäre es