Kreuz-und Querfragen des allerschlauesten Inquisitionsrichters allemal fangen und erdrücken will . « » Daß nur kein Schwächling uns verräth ! « » Sorge nicht , Jan ! Deine gesammten Stammesgenossen beseelt nur ein Gedanke : Bestrafung des Verbrechers und Losreißung von seiner Herrschaft . Seine letzten Schandthaten , die ihn aus dem Verbande der Menschheit ausstoßen , machen jeden Fürsprecher verstummen . Er ist reif zur Aerndte und so soll denn auch die Sichel , welche ihn mähet , mit aller Kraft an ihn gelegt werden . - Heute Nacht beginnt der persönliche Aufruf auf allen Haidedörfern . Ich selbst habe den Richtern beim Aufsetzen der Verordnung redlich geholfen . Es bedarf nun blos noch des von Haus zu Haus wandernden Krummholzes . Es wird diesmal auch an die Thür der niedrigsten und ärmsten Hütte nicht vergebens pochen . « Während dieses Gesprächs hatte Sloboda sein Haus erreicht und nöthigte den für ihn so unermüdlich thätigen Freund einzutreten und ein frugales Abendbrod mit ihm zu genießen . Wir wissen , daß Heinrich ein solches Anerbieten nie von der Hand wies , wenn es ihm irgend die Zeit erlaubte , und so nahm er auch diesmal die Einladung des Wenden an . - - Um dieselbe Zeit saß Haideröschen in der geräumigen Wohnstube Ehrholds auf der Bank am Fenster , ließ flink das Rädchen schnurren und zupfte mit ihren schlanken Fingern , die ungeachtet der harten Arbeit , der sie sich in der Wirthschaft unterziehen mußte , immer weiß und zart blieben , den silbernen Flachs vom Rocken , um das feinste Garn daraus zu spinnen . Es war dasselbe Rädchen , derselbe Rockenhalter , den sie am lustigen Abend der letzten Spinnte gebraucht hatte . Seitdem war blos ein halbes Jahr vergangen und ach , welche Tage des Kummers , welche schlaflos durchwachten , thränenreichen Nächte lagen dazwischen ! - Sie war Frau , die geliebte Frau ihres Erwählten geworden , sie fühlte ein zum Leben erwachendes Leben unter ihrem Herzen sich regen , und sie schauderte vor diesem erwachenden Leben , und Gedanken trüben Wahnsinns ließen ihre Brandmale in der gepeinigten Seele zurück ; denn sie konnte und durfte ja den geliebten Gatten nicht Vater nennen ! Selbst der Name Mutter machte sie erbeben und häufig in Krämpfe und ohnmächtige Erstarrung fallen . Seit der unseligen Hochzeitsnacht , die für sie die letzte Nacht irdischer Freuden gewesen war , trug sie die halbe Trauer . Ein schwarzer lündischer1 Faltenrock umhüllte ihre zarten Glieder . Das bunte Tuch von lebhaften Farben mußte einem schlichten weißen Linnentuch weichen , das sie um Hals und Busen legte . Eben so verhüllte sie sich den Kopf und die schönen seidenweichen goldblonden Haare , die in ein dickes Nestchen gewunden unter der Frauenhaube um verlorenes Glück und geraubte Unschuld trauerten . Die aufknospenden Lockenröschen , die ihrem Gesicht einen so eigenthümlichen Ausdruck schalkhaften Reizes gegeben hatten , waren verschwunden . Ging sie aus , so warf sie noch ein weißes Tuch über Kopf und Schulter , so daß nur das jetzt bleicher gewordene trauernde Gesicht und die schönen melancholisch tiefen Augen sichtbar blieben . Mit immer gleicher Beharrlichkeit zupfte Haideröschen die zartesten Fäden aus dem schimmernden Flachse und drehte taktmäßig ihr schnurrendes Rädchen , ohne des Pochens und Schütterns an den Holzwänden zu achten , welche Clemens und sein Vater mit Laub und Stroh gegen die Winterkälte verwahrten . Der schnelle Tod des Grafen Erasmus beschäftigte auch sie und über dem Unglücke Herta ' s , das in wenigen Tagen zum lauten Geheimniß geworden war , vergaß sie ihr eigenes , der verehrten Herrin so ähnliches Leid . Nun begrisf sie auf einmal das tiefe Verstummen , das entsetzliche Hinstarren des Fräuleins nach jener räthselhaften Nacht , ja sie wunderte sich fast , daß ein so zartes , schönes und gebildetes Wesen , wie Herta es in ihren und Aller Augen war , das Gräßliche hatte überleben können , ohne den Verstand zu verlieren . Es war bereits so dunkel im Zimmer , daß Haideröschen nicht mehr den Faden deutlich erkennen konnte , den sie zwischen den Fingern drehte , als die draußen schaffenden Männer von ihrem Thun abließen und in ' s Haus zurückkehrten . Jetzt hielt auch die Spinnerin ihr Rädchen an , schob es zurück und ging nach dem Kamin , um Holz aufzuschichten und das weithin leuchtende Abendfeuer anzuzünden . Während dieser Beschäftigung sagte sie zu Clemens : » Hast Du Dich nun entschieden , ob wir zusammen auf ' s Schloß gehen werden , damit ich dem guten todten Herrn meine Hand zum ewigen Lebewohl reichen kann ? « » Es wird sich nicht thun lassen , liebes Röschen , « versetzte der Gefragte . » Sichern Nachrichten zufolge ist der böse Herr auf Boberstein und Du kannst wohl denken - « » Ich verstehe , guter Clemens , « unterbrach ihn Haideröschen . » Wir bleiben daheim , ich bete für den geschiedenen Greis , für das arme Fräulein und singe an seinem Begräbnißtage ein Lied zu seinem Andenken . Er wird mir das im Himmel eben so hoch anrechnen , als hätte ich an seinem Sarge geweint . - Wenn soll er denn bestattet werden ? « » Uebermorgen . « » Ist es wahr , daß er kein Testament hinterlassen hat ? « » Es geht allgemein die Rede davon . « » Dann bedaure ich blos das gütige Fräulein ! - Nicht wahr , Clemens , Du stehst ihr gern bei , wenn sie es je bedürfen sollte ? « » Ihr und Dir soll mein letzter Blutstropfen fließen ! - Aber sie wird unserer Hilfe nicht bedürfen , glaube mir ! Der Himmel läßt es gewiß nicht zu , daß ein böser Mensch in allen Genüssen irdischer Glücksgüter schwelgen darf , während eine Gerechte dem Mangel erliegen muß . « Indem pochte es an die Hausthür und Ehrhold , der hinausging , um zu fragen , wer Einlaß begehre , begann ein kurzes Zwiegespräch