in den Briefen , die aus der Heimat angekommen waren . Wie der Vater es vorausgesehen , hatte Eduard sich der Verbindung Jenny ' s mit Walter gefreut , von deren Wahrscheinlichkeit Jener ihn benachrichtigt hatte . Er sah darin unwiderleglich den Triumph der Vernunft über die Vorurtheile , deren Bekämpfung sein Lebenszweck geworden , und während diese Heirath Jenny ' s Glück begründete , gewann sie für Eduard einen Bundesgenossen , der aus Rücksicht auf sein eigenes Interesse und seine eigene Ehre , künftig die Rechte der Juden vertreten mußte , wo sie irgend angefochten wurden . Eduard meldete noch , daß Ferdinand hergestellt und in den Kreis seiner Familie zurückgekehrt sei , was auch ein Brief von William und Clara wiederholte , die Beide in den wärmsten Ausdrücken von dem Danke sprachen , zu dem sie Eduard verpflichtet wären . Sie nannten ihn den Gründer ihres Glückes , eines Glückes , dem jetzt nur die Anwesenheit ihrer Kinder fehle , um ein ganz vollkommenes zu sein , und Clara bat Jenny und den Vater , ihre Abreise von Baden wo möglich zu beschleunigen , weil sie sich nach den Kindern sehnte . Da nun ohnehin die Zeit , welche Frau von Meining gewöhnlich in Baden zuzubringen pflegte , sich bereits ihrem Ende nahte , so entschied man sich , Clara ' s Bitte nachzukommen und Baden etwas früher zu verlassen , als man es beabsichtigt hatte . Ueber der Meier ' schen Familie , die wir durch wechselnde Erlebnisse begleitet , schien nun ein günstiges Gestirn in ruhiger Klarheit zu leuchten . Vereint mit Frau von Meining und Walter hatte man Baden verlassen , die Erstere fast bis in ihre Heimat begleitet , und nachdem man die Kinder wohlbehalten in Clara ' s Arme geführt , hatte Jenny freudigen Herzens an Walter ' s Seite ihr väterliches Haus betreten . Die vollste Eintracht verband ihre Familie mit der Horn ' schen . Eduard schien in dem Glücke seiner Schwester , in der Freundschaft William ' s und Clara ' s den fröhlichen Sinn seiner frühesten Jugend wiederzufinden und gab sich von ganzer Seele dem Vertrauen hin , mit dem Walter ihm brüderlich entgegenkam . Männer wie Eduard und der Graf mußten sich leicht verständigen , da ihre Gesinnungen , wenn auch von verschiedenen Punkten ausgehend , sich am Ziele begegneten , und selbst die Ankunft von Walter ' s Onkel , deren Jenny bisweilen mit Scheu gedacht hatte , trug nur dazu bei , ihr Glück zu erhöhen . Eine gewisse vornehme Zurückhaltung , welche der alte Graf bei der ersten Begegnung mit Jenny und ihrer Familie beobachtete , war vor Jenny ' s Liebenswürdigkeit und der ruhigen Würde ihrer Angehörigen bald gewichen . Schon nach wenigen Tagen , in denen sie die volle Liebe des alten Grafen gewonnen hatte , sagte er , als er sich Abends mit Walter allein befand : Da es einmal nicht zu ändern ist , bekenne ich Dir , Du hättest schlechter wählen können , als dies Mädchen , die , ihre Geburt abgerechnet , eine wahre Perle unter den Frauen ist . Aber folge mir ! heirathe sie bald . Es klingt mir doch nicht angenehm , Deinen Namen immerfort mit dem dieser übrigens wackern Familie vereinigt nennen zu hören . Ist Jenny Deine Frau , so hört das natürlich auf und die Gräfin Walter ist leichter gegen jede Einwendung zu souteniren als das Fräulein Meier . Sage dem lieben Mädchen , daß ich es wohl mit ihm meine und darum die Beschleunigung Eurer Ehe wünsche . Ich denke den Vater schnell zu überzeugen , daß es für Euch das Beste ist , wenn Ihr bald als Mann und Frau auf Deine Güter geht und dort verweilet , bis Alles in die Residenz zurückkehrt , wo ich Euch erwarten will , um bei Eurem ersten Auftreten in unsern Kreisen mit dabei zu sein . Obgleich die Wichtigkeit , welche der alte Graf auf die Ausführung dieses Planes legte , Walter übertrieben schien , stimmte er doch so wohl mit seinen eigenen Wünschen zusammen , daß er bereitwillig darauf einging , und man erlangte von Herrn Meier das Versprechen , Jenny ' s Hochzeit mit Walter schon in den ersten Tagen des Novembers zu feiern . Der Onkel - wie wir den alten Grafen mit Walter nennen wollen - der Onkel selbst machte fast überall den Begleiter und Beschützer der Verlobten , deren Gesellschaft ihm das lebhafteste Vergnügen gewährte . Bisweilen fiel es ihm wohl auf , wie er jetzt ganz außer seinem gewohnten Kreise , in der Mitte einer jüdischen Familie lebe und sich ganz behaglich dabei fühle , dann aber beruhigte er sich mit dem Gedanken , daß es vernünftig sei , gute Miene zum bösen Spiel zu machen , und daß seine Pflicht ihm gebiete , den Schritt , den sein Neffe nun doch gethan habe , gleichsam durch die Anerkennung zu rechtfertigen und zu heiligen , die er der künftigen Gräfin Walter schon jetzt bewies . Er hatte erklärt , bis zur Hochzeit seines Neffen in der Stadt bleiben zu wollen , und unbeschäftigt , wie er es war , betrieb er angelegentlich die Besorgung der Equipagen , des Silbergeräthes und alles Dessen , was sonst noch zur vollständigen Einrichtung des künftigen Haushaltes gehörte ; oder er besuchte , da die Jagdzeit begonnen hatte , die Edelleute seiner Bekanntschaft , die in der Nähe ihre Besitzungen hatten . So war man in die letzten Tage des Oktobers gekommen , als der Onkel , während sie im Meier ' schen Hause zu Mittag aßen , seinen Neffen aufforderte , ihm zum Dank für die Mühe , welche ihm die Besorgung der neuen Einrichtung verursachte , auch seinerseits gefällig zu sein und ihn zu einem Freunde zu begleiten , der am nächsten Tage eine Jagdpartie veranstalten wollte , zu der er auch die beiden Grafen eingeladen hatte . Walter antwortete Anfangs ausweichend , aber der alte Herr wollte keine Entschuldigungen