es empfinden . Mehr müssen wir für andre auch nicht tun ; denn das sondert jene nur von dem kindlichen ursprünglichen Begriff . - Wir müssen des andern Geist nicht als Gast in unsre Begriffe einführen , so wie ein Gast auch weniger das Heimatliche begreift , er muß selbst durch das Mangelnde im Ausdruck auf die Spur des Begriffs geleitet werden , da nur im unverfälschten Vertrauen oder im vollkommnen Hingehenlassen , selbst in scheinbar Nachlässigem ( was doch nur vertrauungsvolle heilige Scheu der Liebe ist ) sich der Geist oft erst orientiert ; zum wenigsten wird ' s ihm viel leichter . - Mag nicht oft tiefere Wahrheitsspur verschwunden sein , wo nach ihrer Bekräftigung suchend ihr ursprünglicher Keim verletzt wurde ? Haben nicht die geistschmiedenden Zyklopen mit dem einen erhabenen Aug auf der Stirne die Welt angeschielt , statt daß sie mit beiden Augen sie gesund würden angeschaut haben ? - Das frag ich in Deinem Sinne die Philosophen , um somit hier alle weitere Untersuchung aufzuheben , und erinnere mich zu rechter Zeit an Deine leichte Reizbarkeit . Leb wohl ! An meinem Fenster gibt ' s heute zu viel Einladendes , als daß ich widerstehen könnt der Muse , die mich dahin ruft . - Leb wohl ! Ich habe Dich recht lieb . Caroline Mit Dir kann ich so sprechen , Du verstehst es , kein andrer wahrscheinlich . - Oder wer müßte das sein ? - An die Günderode Ich war heut drauß bei der Großmama , sie war allein , den ganzen Nachmittag , und wir sprachen erst von Dir , die Großmama war einen Augenblick beschäftigt , so lief ich in den Garten , um ihn nach langer Zeit wiederzusehen , aber wie war ich da erschrocken , wie ich auf die Hoftreppe kam , ich erkannte den Garten nicht wieder ; denke ! - Die hohe schwankende Pappelwand , die himmelansteigenden Treppen , die ich alle wie oft hinangestiegen bin , um der Sonne nachzusehen , um die Gewitter zu begrüßen , durchgeschnitten ! - Zwei Drittel davon in grader Linie abgesägt ! - Ich wußte nicht , wie mir geschah , und alles will ich gern begreifen und lernen , was soll mir das schaden , aber diese Pappeln , die Zeugen meiner frühsten Spielstunden , die mich als Kind von drei Jahren mit ihren Blüten beregneten , in die ich hinaufstaunte , als ob ihre Höhe in den Himmel reiche . Ach was soll ich dazu sagen , daß die als Stumpfe mit wenig Ästen noch versehen nebeneinander stehen , gemeinsamen Schimpf und Leid tragend . Ach ihr Baumseelen , wer konnte euch das tun ? - Nun ziehen alle frühen Kindheitsmorgen an mir vorüber , wo ich ihre Wipfel von weitem im Gold glänzen sah , und daß sie mir winkten , ich soll mich eilen und kommen , und wie hab ich oft ihre jungen Blättchen betrachtet und keins abgebrochen je ! - Ach , es schneidet mir ins Herz - es war , als könnten sie nicht mehr sprechen , als sei ihnen die Zunge genommen ; denn sie können ja nicht mehr rauschen . So war ihr Stummsein eine bittere , bittere Klage zu mir , die ich ewig mit mir herumtragen werde und keinem sagen als nur Dir . Du weißt , wie Du oft sagtest , wenn wir da gingen , daß ihr Rauschen mitspreche , und wie sie uns absonderten von der ganzen Welt , und wie sie einen Dom über uns bauten , und gegenüber die hohe Rosenhecke , die über die Wand vom Boskett hereinschwankte , die steht jetzt auch ohne Schutz , und die Nachtigallen , die das heilige Dunkel gewohnt waren , wie wird ' s da sein , wenn die im Frühjahr wiederkommen ! - Ach , ich bin betrübt darüber . - Die Kindertage , wo ich dort mit dem reinlichen Kies spielte und mit rosenfarbnen Steinchen und schwarzen und gelben bunte Reihen um ihre Stämme legte ! - Und konnte so versteckt hinüberklettern ins Boskett , wie kann einem doch das Paradies , wo die Seele all ihren Zauber einpflanzt , so jämmerlich zerstört werden ? - Aber bedaure Du mich nur nicht ; denn hör nur , - als ich zurückkam zur Großmutter - sah ich blaß und zerstört aus , und sie sah wohl die Spuren von meinen Tränen . - Sie sah mich an ein Weilchen - und sagte : » Du warst im Garten ? « - Da reichte sie mir die Hand . - Was sollt ich sagen ? - Ich schwieg und sie auch . - Sie sagte : » Ich werd wohl nicht mehr lang leben ! « - Ich wagte nichts zu sagen - aber bald darauf machte sie das Nebenzimmer auf , von wo man nach dem Garten sieht , und sagte : » Das Rauschen im Abendwind war meine Freude , ich werd ' s nicht mehr wieder hören , ich hätt mir ' s lassen gefallen , wenn ich unter ihrem Rauschen am letzten Abend wär eingeschlafen ! Sie hätten mir diesen feierlichen Dienst geleistet , die lieben Freunde , die ich jeden Tag besuchte , die ich mit großer Freude hoch über mir sah ; - du hast sie auch geliebt , es war dein liebster Aufenthalt - ich hab dich oft vom Fenster sehen in ihrem Wipfel abends steigen , und glaubtest , es säh es niemand - nimm meinen Segen , liebes Kind , ich hab an Dich gedacht , wie man sie trotz der schmerzlichen Verletzung meiner Gefühle verstümmelte . « - Ich wagte nicht zu fragen , wer die Schuld trüge ; denn das wär zu kränkend für die Großmama gewesen , und ich wußte auch gleich , daß nur aus grausenhaftem Philistersinn solche Untat geschehen konnt ; denn der ahnt nicht die tiefsten Wunden , der hält alles für Empfindelei , was mit den geheimsten geistigen Bedürfnissen