ihn einzutreten einlud und wie durch einen Zauber ihn in die Gemeinschaft mit den lebensvollen Gestalten des vergangenen Jahrhunderts einführte . Er blieb am Eingange stehen , den Raum gleichsam befragend , ob er derselbe sei , und mußte bald sich eingestehen , verändert sei nur er , um ihn dagegen sei Alles in unerschütterlicher Ordnung geblieben . Er sah sie noch alle vor sich , die großen Gefährten seiner damaligen Einsamkeit ; sie blickten aus ihren breiten goldenen Rahmen noch mit denselben Blicken nieder und schienen noch jetzt zufrieden , in so vollkommener Abbildung der Nachwelt überliefert zu sein . Doch anders war der Antheil gestellt , womit der Mann die Ansprüche , die ihnen in Wahrheit zustanden , abwog , zuerkannte oder verweigerte ; und wenn er von manchen ihrer Sünden sich mit Verachtung wegwandte , hatte er dagegen nicht minder für ihre Herrschertugenden und das durch sie bewirkte Gute ein vaterländisch anerkennend Herz . Er wandte sich , wie absichtlich , von dem ihm zunächst befindlichen Bilde und eilte dem entgegen , das , als die Krone aller , der Thür gegenüber die Hauptwand einnahm . Es war das Bild der Königin Elisabeth , ihr Pathengeschenk bei der Geburt des letztverstorbenen Herzogs , von einer unbekannten Meisterhand im vollsten Zauber von Farbe und Licht dargestellt . Die stolze Frau liebte auf ihrer unbestrittenen Höhe , zur frühern Ungunst des Geschickes sich zurück versetzt zu sehen , und Woodstock , wo sie in philosophischer Zurückgezogenheit und Verbannung den Wissenschaften lebte , blieb wohl zu allen ihren Bildern der selbstgewählte Hintergrund . Auch hier gewahrte man das kleine feste Schloß , von dessen Terrassen sich ein breiter Weg bis zu dem schönen Eichbaume hinzog , unter dessen Schatten sie einst die Gesandten Englands empfing , die sie auf den Thron ihrer Väter riefen . Sie selbst saß auf diesem Bilde vor einem violetten Vorhange , der an der rechten Seite aufgezogen , die erwähnte Gegend zeigte . Ihre Physiognomie trug den lebhaften und geistreichen Ausdruck , der ihren großen und männlichen Gesichtsformen ein wahrhaft königliches Ansehen gab , und , in Betracht ihrer hohen Bestimmung , jeden Anspruch auf weibliche Schönheit leicht aufgeben ließ . Ihr reiches Kleid von Silberstoff war mit einem Latz von Perlen und Juwelen um ihren vollen Körper in der freien Mode damaliger Zeit so geordnet , daß ihre schönen Schultern unverhüllt und von dem hohen Spitzkragen zart umsäumt erschienen . Sie hatte den Kopf hoch gehoben und etwas zur rechten Seite gewendet ; ihr glänzendes röthliches Haar war frei empor gekämmt und zeigte die große , runde Stirn mit den hochgewölbten Augenbrauen . Auf der Mitte des Kopfes nach hinten über saß eine brillantene Krone , und die Fülle von Locken , die ihr reiches Haar zuließ , fiel von da , wie es scheinen sollte , in leichter Nachlässigkeit von beiden Seiten nieder . Die Lippen waren wie zu einer rednerischen Bewegung geöffnet , und die rechte Hand , von großer Schönheit , hielt in ihrem Schooße die Oden des Horaz . Etwas zur Linken zeigte sich auf einer Terme die Büste des Plato und darunter , aus dem Bilde schon herausgehend , so daß man nur einen Theil eines Tabourets gewahrte , sah man den königlichen Hermelin , auf den Elisabeth so eben , wie der Horaz in ihrer Hand andeutete , den Musen huldigend , mit ihrer linken Hand den Zepter niederlegte . Wie reich und bedeutungsvoll dies Bild auch in seinen Beiwerken sein mochte , es war dem Künstler doch vollkommen gelungen , sie sämmtlich der mächtigen Persönlichkeit der königlichen Frau unterzuordnen . Dieser kühne , überzeugte Blick , diese stolz gehobenen Lippen kündigten vollkommen sie als diejenige an , die Sixtus der Fünfte nächst sich selbst und Heinrich dem Vierten zu den drei einzigen Selbstherrschern rechnete , und gewiß mußte vor ihrem Bilde ein Jeder in seinen Ausruf einstimmen : Un grand cervello di principessa ! Links ihr zur Seite hing das Bild ihres Vaters , Heinrich des Achten , von seinem Liebling Holbein mit aller Kunst und Sorgfalt dieses großen Meisters ausgeführt . Er war zur Zeit der Vermählung seiner Schwester mit Ludwig dem Zwölften bei dem Hoflager zu Calais gemalt , zur schönsten Zeit seines männlichen Alters und in dem vollen Glanze des damals unermeßlichen Kleideraufwandes . Er saß zurückgekehrt in einem thronartigen Sessel , einen kleinen mit Juwelen besetzten und mit einer Feder aufgeklappten Hut halb zurückgeschoben auf dem hohen Kopfe ; die eine Hand über die auf einem Tische seitwärts stehende Krone gelegt , hielt er in der andern seine eigne Uebersetzung des Neuen Testaments . Sein Gesicht schaute halb lächelnd grade aus . Es lag mehr Hohn und Triumph , als Freude oder Heiterkeit darin , und dem Beobachter mußte leicht der Uebergang zu finden sein von diesen noch jugendlich überwölbten Zügen zu dem wilden Gepräge des später so blutdürstigen Tyrannen . Ihm gegenüber hingen die Bilder seiner beiden Kinder , Eduard des Sechsten und dessen grausamer Schwester , der nachherigen Königin Maria . König Eduard war als Knabe abgebildet , er hatte seinen Lieblingshund , ein großes weißes Windspiel , mit dem rechten Arme umfaßt und schien die zarte , schwankende Gestalt an ihm zu stützen . Seine dichten braunen Locken hingen schlicht um das bleiche , kranke Antlitz , und die großen dunkeln Augen blickten aus dem wasserblauen Grunde mit einer Wehmuth , als wollten sie im Voraus das trübe Loos des künftigen schwachen Königs beklagen . Weit hinter ihm in der gothischen Halle , die den Raum des Bildes füllte , lagen auf einem kleinen Polster die Insignien der ihn einst so drückenden königlichen Würde . Schmerzliches Loos ! rief Richmond , wenn die Natur im Widerspruche mit dem Berufe , den uns der Himmel durch die Geburt zu überweisen scheint , die Mittel uns versagt , ihn zu erfüllen ; und besser doch Dein trübes , schwaches Walten in Kraftermangelung , als jener Mißbrauch empfangener Gewalt , um die Höllengeister