- so bin ich in des alten Jochai ' s Armen aufgehoben wie im Schooße der Mutter ! « - » Wohlan denn ! « sprach Dagobert : » So reiten wir noch diese Nacht . Jenes Dach beherbergt meine Rosse und meinen Knecht . Folge mir bis dahin , und wir wollen überlegen , wie Du am schnellsten fortzubringen bist . « - Er unterstützte sie während des kurzen Gangs . - » Hast Du auch Alles überlegt ? « fragte er an der Herbergspforte noch das Mädchen : » Ich bin ein junger wilder Geselle , dessen Arm Dich schon einmal umfing , dessen Lippen schon einmal auf den Deinen ruhten . Hast Du jener Zeit vergessen , oder meinst Du , ich hätte es gethan ? Hegst Du Vertrauen zu mir , und übergibt Dich mir auf der weiten Fahrt ohne Scheu , ohne Mißtrauen ? « - » Ob ich jener Zeit vergessen ? « fragte Esther entgegen mit leuchtendem Blicke : » Ihr scherzt wohl , edler guter Herr . Aber so wahr als diese Hecken um uns her den Frühling künden durch ihre Knospen , so wahr ist das Vertrauen zu Euch , das in mir lebt . Auf der weiten Welt lebt Keiner , dem ich so zuversichtlich mein Leben anvertraue und meine Ehre . Ihr werdet mich führen zum Vater , Ihr werdet durch Eure fromme Hülfe meinen Pfad ebnen , und den Frieden in mein Herz zurückbringen , wie die scheidende Sonne den Thau auf die lechzende Wüste . Denn auch Ihr werdet dann scheiden von mir , und nur die Erinnerung in meiner Seele lassen und die Dankbarkeit , die nimmer Verlöschende . Mein Gebet für Euch sey Friede , und der hochgelobte Gott verwirkliche hundertfältig den Segen , den schon jetzt mein Mund vom hohen Himmel herab auf Euch lenken möchte ! « » Genug ! genug ! « fiel hier Dagobert rasch und abstoßend ein : » Laß uns erst an ' s Ziel gelangen , und möge es für Dich ein Erwünschtes seyn . Die Vergangenheit werde nie zwischen uns berührt , und Deine Gesinnung über diesen Punkt gibt mir erst den Muth , Dein Gefährte zu bleiben , bis an Frankfurts Thore . Von da aus findest Du den Weg in ' s Vaterhaus allein , und unter uns sey es , als hätten wir uns nie gekannt . « » So sey es ! « flüsterte Esther zögernd und kleinlaut , während Thränen ihre Wangen benetzten . Der junge Mann hingegen , der jetzt erst einen großen Sieg über sein eigen Herz davon getragen , und nun den Talisman gefunden zu haben vermeinte , jeder Versuchung zu widerstehen , ging sorglosen Muthes hin , die Rosse zu rüsten , und Alles zu der Reise vorzubereiten , die auch mit dem ersten Frühstral angetreten wurde . Ende des ersten Bandes . Zweiter Band Erstes Kapitel . Der Lenz ist angekommen ! Habt ihr es nicht vernommen ? Es sagen ' s euch die Vögelein , Es sagen ' s euch die Blümelein : Der Lenz ist angekommen ! Ihr seht es an den Feldern , Ihr seht es an den Wäldern ; Der Kukuk ruft , der Finke schlägt , Es jubelt , was sich froh bewegt : Der Lenz ist angekommen . Hier Blümlein auf der Heide , Dort Schäflein auf der Weide ! Ach seht doch , wie sich alles freut , Es hat die Welt sich schön erneut : Der Lenz ist angekommen ! Altd . Lied aus der Sage vom Venusberge . Es ist doch eine gar schöne , muntre und selige Zeit , wenn der Frühling wieder herein kommt ins Land , der gar nicht unedel von den Dichtern einem Bräutigam verglichen wird , welcher seine Braut zu schmücken und zu umfangen naht , im Glanz und Prunk des Hochzeittages . Ein Fürst der Erde könnte er nicht minder genannt werden , denn tausend leichtbeschwingte und buntgefiederte Herolde ziehn vor ihm her , seine Ankunft verkündend ; himmelblau und golden ist sein Kleid , an das sich der fernen Eisberge Saum anschmiegt , wie Hermelinsverbrämung , und alle Blüthenbüsche fügt er in eine duftende Krone , womit er sich und seine Liebe ziert . Und die Braut , im Gewande zarter Hoffnung , umgürtet von den Silberbändern , deren Juwelenschmuck erst wieder lebendig wurde durch des Ersehnten feurigen Goldblick , winkt dem Nahenden mit jugendlich grünen Zweigen , und scheint ihn demüthig zu fragen : Kommst Du noch einmal , mit mir den Bund zu schließen in neuer Verjüngung ? Nicht umsonst , Geliebter , trägst Du die Farbe der Beständigkeit , denn viele tausendmal begingen wir schon unsre Feier , und dennoch freist Du keine Andre als mich ? - Der Hochzeiter schüttelt hierauf lächelnd die wohlriechenden Locken , daß Blüthe auf Blüthe und Perle auf Perle daraus in den Schooß der Freundin sinkt , als ein Geschenk seiner Freigebigkeit . Keine Andre als Du , spricht er , schmückt mir Lager und Teppich so bunt und reizend ; keine wölbt mir Lauben luftig und schattig , wie Du ; keine andre theilt meine Lust , das Leben zu beglücken , das aus Dir stammt , in Dir vergeht , und wieder von neuem aufsproßt , sich unsrer zu freuen . Glücklich sey das Geschlecht , während meines Reiches Dauer , denn nach mir kommen strengere Herrscher , und die Sorge , und die Welkezeit , und die Nacht ! - Wer hat sich nicht schon gefreut unter dem lindwehenden Panier des fröhlichen Lenzes ? Wer , der ein fühlend Herz in der Brust trägt , hätte nicht schon unter dem sonnigen Frühlingsschein die Arme ausgebreitet mit unnennbarem Sehnen , entzückt von Dankbarkeit , erregt von milder Rührung ? Predigt die schöne Jugendzeit des Jahrs nicht Friede und Versöhnung ? Entwaffnet sie nicht den Haß in edeln Gemüthern ? O wahrlich , diese goldnen Tage sollten kein gezücktes Schwert schauen