die Braut dein nach Recht und Billigkeit . Trag mir meine Fahne vor , wir wollen sie aufpflanzen auf meinem Schloß und jenes bündische Banner in den Staub treten ! Gemmingen und Hewen , ihr seid heute nacht noch meine Gäste ; wir wollen sehen , ob uns die Herren vom Schwabenbund noch ein Restchen Wein übriggelassen haben ! « So ritt Herzog Ulerich , umgeben von den Rittern , die seinem Zuge gefolgt waren , wieder in die Tore seiner Residenz . Die Bürger schrieen Vivat und die schönen Mädchen verneigten sich freundlich an den Fenstern zum großen Ärgernis ihrer Mütter und Liebhaber , denn alle dachten , diese Grüße gelten dem schönen jungen Ritter , der des Herzogs Banner trug und beleuchtet vom Fackelschein wie Sankt Georg der Lindwurmtöter aussah . IV O Burg , von Geistern tapfrer Ahnen Die tatenfreudig hier gelebt , Und wackrer Fürsten Ruhm umschwebt , Oh , deren Bild mit frommem Mahnen Sich in des Nahen Bilder webt . Ph. Conz Das alte Schloß zu Stuttgart hatte damals , als es Georg von Sturmfeder am Morgen nach des Herzogs Einzug beschaute , nicht ganz die Gestalt , wie es noch in unsern Tagen zu sehen ist , denn dieses Gebäude wurde erst von Ulerichs Sohn , Herzog Christoph aufgeführt . Das Schloß der alten Herzoge von Württemberg stand übrigens an derselben Stelle und war in Plan und Ausführung nicht sehr verschieden von Christophs Werk , nur daß es zum größten Teil aus Holz gebaut war . Es war umgeben von breiten und tiefen Graben , über welche gegen Mitternacht eine Brücke in die Stadt führte . Ein großer , schöner Vorplatz diente in früheren Zeiten dem fröhlichen Hofe Ulerichs zum Tummelplatz für ritterliche Spiele und mancher Reiter wurde von des Herzogs eigener gewaltiger Hand in den Sand geworfen . Die Zeichen dieses ritterlichen Sinnes sprachen sich auch in andern Teilen des Gebäudes aus . Die Halle im unteren Teil des Schlosses war hoch und gewölbt wie eine Kirche , daß die Ritter in dieser » Tyrnitz « bei Regentagen fechten und Speere werfen und sogar die ungeheuren Lanzen ungehindert darin handhaben konnten . Von der Größe dieser fürstlichen Halle zeugt die Aussage der Chronisten , daß man bei feierlichen Gelegenheiten dort oft zwei- bis dreihundert Tische gedeckt habe . Von da führte eine steinerne Treppe aufwärts so breit , daß zwei Reiter nebeneinander hinaufreiten konnten . Dieser großartigen Einrichtung des Schlosses entsprach die Pracht der Zimmer , der Glanz des Rittersaales und die reichen , breiten Galerien , die zum Tanz und Spiele eingerichtet waren . Georg maß mit staunendem Auge diese verschwenderische Pracht der Hofburg . Er verglich den kleinen Sitz seiner Ahnen mit diesen Hallen , diesen Höfen , diesen Sälen , wie klein und gering kam es ihm vor ! Er erinnerte sich der Sage von der glänzenden Hofhaltung Ulerichs , von seiner prachtvollen Hochzeit , wo er in diesem Schloß siebentausend Gäste aus allen Teilen des deutschen Reiches speiste und tränkte , wo in dem hohen Gewölbe der Tyrnitz und in dem weiten Schloßhofe einen ganzen Monat lang Ritterspiel und Gelage gehalten wurden , und wenn der Abend einbrach , hundert Grafen , Ritter und Edelleute mit Hunderten der schönsten Damen in jenen Sälen und Galerien tanzten ! Er blickte hinab in den herrlichen Schloßgarten , das Paradies genannt . Seine Phantasie bevölkerte diese Lustgehege und Gänge mit jenem fröhlichen Gewimmel des fröhlichen Hofes mit den Heldengestalten der Ritter , mit den festlich geputzten Fräulein , mit allem Jubel und Sang , der einst hier erscholl . Aber wie öde und leer deuchten ihm diese Mauern und Gärten , wenn er die Gegenwart mit den Bildern seiner Phantasie verglich . Die Gäste der Hochzeit , der glänzende , lustige Hof ist verschwunden , sprach er zu sich , die fürstliche Gemahlin ist entflohen , der glänzende Frauenkreis , der sie einst umgab , hat sich zerstreut , die Ritter und Grafen , die einst hier schmausten und ein reiches Leben voll Spiel und Tanz verlebten , sind von dem Fürsten abgefallen , die zarten Sprossen seiner Ehe sind in fernen Landen - er selbst sitzt einsam in dieser herrlichen Burg , brütet Rache an seinen Feinden und weiß nicht wie lange er nur in dem Hause seiner Väter bleiben wird ; ob nicht aufs neue seine Feinde noch mächtiger heranziehen , ob er nicht noch unglücklicher wird als je zuvor . Vergebens strebte der Jüngling diese trüben Gedanken , welche der Widerspruch der Pracht seiner Umgebungen mit dem Unglück des Herzogs in ihm erweckt hatten , zu unterdrücken . Vergebens rief er das Bild jenes holden Wesens herauf , das er jetzt bald auf ewig sein nennen durfte , vergebens malte er sich sein häusliches Glück an ihrer Seite mit den lockendsten , reizendsten Farben aus , jene trüben Bilder kehrten immer wieder . Sei es , daß jener Mann durch die Erhabenheit , die er im Unglück gezeigt hatte , einen so großen Raum in der Brust des Jünglings gewonnen hatte , sei es , daß ihn die Natur in einzelnen Augenblicken mit einem unwillkürlichen Gefühl der Ahnung begabte , er blieb sinnend und ernst und es war ihm , als sei der Herzog nichts weniger als glücklich , als müsse er ihn vor irgendeinem drohenden Unglück warnen . » So überaus ernst , junger Herr ? « fragte eine heisere Stimme hinter ihm und weckte ihn aus seinen Gedanken . » Ich dächte doch , Georg von Sturmfeder hätte alle Ursache , heiter und guter Dinge zu sein ! « Der junge Mann wandte sich verwundert um und schaute herab - auf den Kanzler Ambrosius Volland . War ihm dieser Mann schon gestern durch seine widrige Freundlichkeit , durch sein katerhaftes , schleichendes Wesen unangenehm aufgefallen , so war dies heute noch mehr der Fall , da der Kanzler durch überladenen Putz seine Mißgestalt noch mehr herausgehoben hatte . Sein dunkelgelbes verwittertes Antlitz , mit dem ewigen