in welcher auch Albert sich auszudrücken verstand , doch sprachen Mehrere in dem Zirkel seine Muttersprache und die Töchter des Hauses , vor allen Luise , beeiferten sich , ihm deutsch zu lehren , wobei er im kurzen die auffallendsten Fortschritte machte . Alle , vom Herrn des Hauses , bis zum geringsten der Diener begegneten ihm mit der größten Aufmerksamkeit , jedes Mitglied der Gesellschaft suchte auf das freundlichste , seinem Mangel an geselliger Gewandheit zu Hülfe zu kommen . Die ältern Herrn und Damen nannten ihn lächelnd l ' Ingénu , und die anmuthige Naivetät mit welcher der Jüngling in die ihm so neue Welt hinein sah , flößte ihrer Seltenheit wegen Allen ein gewisses Interesse für ihn ein , und machte Jedermann ihm geneigt . So von Allen begünstigt , so freundlich angezogen von allen Seiten , lebte und athmete Albert doch nur in Luisens Gegenwart allein . Der Funke der glühendsten Leidenschaft , den ihr erster Anblick in seinem Gemüthe geweckt hatte , schlug bald zur hell lodernden , nicht mehr zu erstickenden Flamme auf . Alles um ihn her trug bei , sie zu nähren und zu vergrößern , besonders der ihm ganz neue Anblick des traulichen Verhältnisses zwischen Konstanzen , der ältesten Schwester , und ihrem verlobten Bräutigam . Die mächtige Leidenschaft , die aus Alberts Augen blitzte , in jeder seiner Handlungen , jedem seiner Worte unverkennbar sich aussprach , konnte nicht verfehlen , auf das junge Herz der kaum funfzehnjährigen Luise den tiefsten Eindruck zu machen und bald war sie selbst überzeugt , nicht minder heftig zu lieben , als sie geliebt wurde . Ihre Eltern , denen dieses unter ihren Augen sich entspinnende Verhältniß unmöglich entgehen konnte , thaten ihrerseits wenigstens keinen Schritt , um störend dazwischen zu treten . Sie wußten wenig mehr von Alberts persönlicher Lage , als daß es der jüngere Bruder sey und alles , was der allgemeine Ruf von dem ältern verkündete , bestärkte sie in der Hoffnung , daß dieser sich gewiß geneigt finden lassen würde , Alberts Glück auf jede Weise zu fördern . Da sie sich überdem die innere Zerrüttung ihres Vermögens nicht füglich länger selbst verbergen konnten , die mit einer Lebensweise entstanden war , welche die Kräfte ihres Vermögens weit überstieg , so mußte jede Aussicht zur Versorgung einer ihrer Töchter ihnen unter diesen Umständen doppelt willkommen seyn . Nach mehreren Wochen , welche Albert im gastlichen Hause des Barons Steinau verlebt hatte , langte endlich Bernhard , gleich nach seiner Flucht von der verkannten Geliebten auf Leuenstein an , ohne eine Ahnung von des Bruders Nähe zu haben ; denn sowohl die Briefe aus Rom , welche Alberten anmelden sollten , als die Boten , welche von dem Justiziar zu Leuenstein ausgeschickt worden waren , hatten durch ein eigenes Zusammentreffen mehrerer Zufälligkeiten ihn verfehlt . Bernhards sehr trübe Stimmung erlaubte ihm nicht , Alberten persönlich in dem ihm ganz fremden Kreise des Barons Steinau aufzusuchen ; er begnügte sich , ihm seinen Wagen zu schicken um ihn zu sich holen zu lassen , und dieses war für den armen Albert ein allerdings sehr günstiger Zufall . Denn die Verzweiflung , mit welcher dieser die früher sehnlichst herbei gewünschte Nachricht von der Ankunft seines Bruders so anhörte , als würde sein eigenes Todesurtheil ihm verkündet , hätte gewiß auf Bernhards , damals ohnehin sehr hart verletztes Gemüth , den traurigsten Eindruck machen müssen . Bleich , zitternd , verstummend im tiefsten Schmerz bestieg Albert endlich den Wagen , und sein Zustand während der kurzen Fahrt war in der That bedauernswürdig zu nennen . Doch seine Quaal stieg bis zum Unerträglichen als er auf Leuenstein angelangt war , und nun den Blick fest an den Boden geheftet , vor dem hohen edlen Manne stand , dem er angehörte , ohne ihn je gesehen oder auch nur seine Persönlichkeit sich deutlich gedacht zu haben . Er fühlte sich erdrückt von Bernhards Nähe , welche das Ende seines kurzen Glücks ihm verkündete ; er konnte nicht reden , kaum athmen , und es bedurfte aller der milden Ueberredungskraft , die Bernhard in so hohem Grade besaß , um den fast Vernichteten anfangs nur einiges Vertrauen einzuflößen . Doch dieses wuchs von Minute zu Minute , sobald Albert es nur einmal über sich gewann , die Augen zu dem Bruder aufzuschlagen , der mit unendlicher Liebe und Milde im Blick und Herzen , ihm mit offenen Armen gegenüber stand , und der Brust voll eigener Quaalen vergaß , über dem Bemühen den Zagenden aufzurichten . Mit überströmenden Augen warf Albert sich jetzt in diese Arme , an diese Brust , und das Geständniß seiner hoffnungslosen Leiden , seiner Verzweiflung , ergoß sich unaufhaltsam über seine Lippen mit jener Gewalt der hinreißendsten Beredsamkeit , die unwiderstehlich das Herz trifft , weil sie tief und wahr aus dem Herzen kommt . Nie konnte Bernhards Gemüth einem Bekenntnisse dieser Art empfänglicher seyn , als gerade in diesem Augenblick , wo alle Hoffnung auf eigenes Lebensglück ihm verschwunden war . Alberts und Luisens traurige Lage erregte sein inniges Mitgegefühl und forderte ihn unwiderstehlich zur Errettung des in der Blüthe der Jugend hoffnungslos untergehenden Paares auf . Was er nach einigen Tagen reiflicher Ueberlegung zu diesem Zwecke mit der edelsten Aufopferung seiner selbst beschloß , ist dem Leser bekannt , und daß nicht bloßes , in Schwäche ausartendes Mitleid zu diesem Entschlusse ihn bewog , daß andre sehr ernste Ansichten dabei mit vorwalteten , beweist sein oben angeführtes Schreiben aus Maltha . Alberts reines Gemüth , sein vielseitig , wenn gleich noch nicht für das praktische Leben gebildeter Geist , wurden bald mit hoher Freude von seinem Bruder anerkannt ; Bernhard benutzte jede Stunde , um , so viel es die Kürze der Zeit erlaubte , seinen Albert zu den Geschäften vorzubereiten , welche künftig ihm obliegen würden ; diesen hingegen hob der innigste Wunsch , dem edlen Bruder seine Dankbarkeit auszudrücken , weit über sich selbst empor und verlieh