, so sei ihm jenes auch nicht verwehrt . Um mich zu retten , betrachte ich alle Erscheinungen als unabhängig voneinander und suche sie gewaltsam zu isolieren ; dann betrachte ich sie als Korrelate , und sie verbinden sich zu einem entschiedenen Leben . Dies bezieh ' ich vorzüglich auf Natur ; aber auch in bezug auf die neueste um uns her bewegte Weltgeschichte ist diese Betrachtungsweise fruchtbar . Alles , was wir Erfinden , Entdecken im höheren Sinne nennen , ist die bedeutende Ausübung , Betätigung eines originalen Wahrheitsgefühles , das , im stillen längst ausgebildet , unversehens mit Blitzesschnelle zu einer fruchtbaren Erkenntnis führt . Es ist eine aus dem Innern am Äußern sich entwickelnde Offenbarung , die den Menschen seine Gottähnlichkeit vorahnen läßt . Es ist eine Synthese von Welt und Geist , welche von der ewigen Harmonie des Daseins die seligste Versicherung gibt . Der Mensch muß bei dem Glauben verharren , daß das Unbegreifliche begreiflich sei ; er würde sonst nicht forschen . Begreiflich ist jedes Besondere , das sich auf irgendeine Weise anwenden läßt . Auf diese Weise kann das Unbegreifliche nützlich werden . Es gibt eine zarte Empirie , die sich mit dem Gegenstand innigst identisch macht und dadurch zur eigentlichen Theorie wird . Diese Steigerung des geistigen Vermögens aber gehört einer hochgebildeten Zeit an . Am widerwärtigsten sind die kricklichen Beobachter und grilligen Theoristen ; ihre Versuche sind kleinlich und kompliziert , ihre Hypothesen abstrus und wunderlich . Es gibt Pedanten , die zugleich Schelme sind , und das sind die allerschlimmsten . Um zu begreifen , daß der Himmel überall blau ist , braucht man nicht um die Welt zu reisen . Das Allgemeine und Besondere fallen zusammen ; das Besondere ist das Allgemeine , unter verschiedenen Bedingungen erscheinend . Man braucht nicht alles selbst gesehen noch erlebt zu haben ; willst du aber dem andern und seinen Darstellungen vertrauen , so denke , daß du es nun mit dreien zu tun hast : mit dem Gegenstand und zwei Subjekten . Grundeigenschaft der lebendigen Einheit : sich zu trennen , sich zu vereinen , sich ins Allgemeine zu ergehen , im Besondern zu verharren , sich zu verwandeln , sich zu spezifizieren und , wie das Lebendige unter tausend Bedingungen sich dartun mag , hervorzutreten und zu verschwinden , zu solideszieren und zu schmelzen , zu erstarren und zu fließen , sich auszudehnen und sich zusammenzuziehen . Weil nun alle diese Wirkungen im gleichen Zeitmoment zugleich vorgehen , so kann alles und jedes zu gleicher Zeit eintreten . Entstehen und Vergehen , Schaffen und Vernichten , Geburt und Tod , Freud und Leid , alles wirkt durcheinander , in gleichem Sinn und gleicher Maße , deswegen denn auch das Besonderste , das sich ereignet , immer als Bild und Gleichnis des Allgemeinsten auftritt . Ist das ganze Dasein ein ewiges Trennen und Verbinden , so folgt auch , daß die Menschen im Betrachten des ungeheuren Zustandes auch bald trennen , bald verbinden werden . Als getrennt muß sich darstellen : Physik von Mathematik . Jene muß in einer entschiedenen Unabhängigkeit bestehen und mit allen liebenden , verehrenden , frommen Kräften in die Natur und das heilige Leben derselben einzudringen suchen , ganz unbekümmert , was die Mathematik von ihrer Seite leistet und tut . Diese muß sich dagegen unabhängig von allem Äußern erklären , ihren eigenen großen Geistesgang gehen und sich selber reiner ausbilden , als es geschehen kann , wenn sie wie bisher sich mit dem Vorhandenen abgibt und diesem etwas abzugewinnen oder anzupassen trachtet . In der Naturforschung bedarf es eines kategorischen Imperativs so gut als im Sittlichen ; nur bedenke man , daß man dadurch nicht am Ende , sondern erst am Anfang ist . Das Höchste wäre , zu begreifen , daß alles Faktische schon Theorie ist . Die Bläue des Himmels offenbart uns das Grundgesetz der Chromatik . Man suche nur nichts hinter den Phänomenen ; sie selbst sind die Lehre . In den Wissenschaften ist viel Gewisses , sobald man sich von den Ausnahmen nicht irremachen läßt und die Probleme zu ehren weiß . Wenn ich mich beim Urphänomen zuletzt beruhige , so ist es doch auch nur Resignation ; aber es bleibt ein großer Unterschied , ob ich mich an den Grenzen der Menschheit resigniere oder innerhalb einer hypothetischen Beschränktheit meines bornierten Individuums . Wenn man die Probleme des Aristoteles ansieht , so erstaunt man über die Gabe des Bemerkens und für was alles die Griechen Augen gehabt haben . Nur begehen sie den Fehler der Übereilung , da sie von dem Phänomen unmittelbar zur Erklärung schreiten , wodurch denn ganz unzulängliche theoretische Aussprüche zum Vorschein kommen . Dieses ist jedoch der allgemeine Fehler , der noch heutzutage begangen wird . Hypothesen sind Wiegenlieder , womit der Lehrer seine Schüler einlullt ; der denkende treue Beobachter lernt immer mehr seine Beschränkung kennen , er sieht : je weiter sich das Wissen ausbreitet , desto mehr Probleme kommen zum Vorschein . Unser Fehler besteht darin , daß wir am Gewissen zweifeln und das Ungewisse fixieren möchten . Meine Maxime bei der Naturforschung ist : das Gewisse festzuhalten und dem Ungewissen aufzupassen . Läßliche Hypothese nenn ' ich eine solche , die man gleichsam schalkhaft aufstellt , um sich von der ernsthaften Natur widerlegen zu lassen . Wie wollte einer als Meister in seinem Fach erscheinen , wenn er nichts Unnützes lehrte . Das Närrischste ist , daß jeder glaubt überliefern zu müssen , was man gewußt zu haben glaubt . Weil zum didaktischen Vortrag Gewißheit verlangt wird , indem der Schüler nichts Unsicheres überliefert haben will , so darf der Lehrer kein Problem stehenlassen und sich etwa in einiger Entfernung da herumbewegen . Gleich muß etwas bestimmt sein ( » bepaalt « sagt der Holländer ) , und nun glaubt man eine Weile den unbekannten Raum zu besitzen , bis ein anderer die Pfähle wieder ausreißt und sogleich enger oder weiter abermals wieder bepfählt .