Hochehrwürden möchten das einsehen . « - » Ich habe , « erwiderte der Abt als Kreisler nun endlich innehielt , » ich habe Sie nicht unterbrechen mögen in Ihren seltsamen Scherzreden , Kapellmeister , die eben das beweisen , was ich behaupte . - Wohl fühle ich auch den Stachel , der mich verwunden sollte , aber nicht verwundet hat ! - Wohl mir , daß ich nie an jene chimärische Liebe geglaubt , die körperlos in den Lüften schwebt und nichts gemein haben soll mit dem Bedingnis des menschlichen Prinzips ! - Wie ist es möglich , daß Sie bei dieser krankhaften Spannung des Geistes - Doch genug hievon ! - Es ist an der Zeit , dem bedrohlichen Feinde näher zu treten , der Sie verfolgt - Haben Sie während Ihres Aufenthalts in Sieghartshof nicht von dem Schicksal jenes unglücklichen Malers , jenes Leonhard Ettlinger gehört ? « - Kreislern durchfuhren die Schauer das unheimlichen Grauens , als der Abt diesen Namen nannte . Weggelöscht vom Antlitz war jede Spur jener bittern Ironie , die ihn zuvor erfaßt , und er fragte mit dumpfer Stimme : » Ettlinger ? - Ettlinger ? was soll mir der ? - was habe ich mit dem zu schaffen ? - Nie hab ' ich ihn gekannt , nur ein Spiel erhitzter Phantasie war es , als ich einmal wähnte , er spräche zu mir herauf aus dem Wasser . « » Ruhig , « sprach der Abt sanft und milde , indem er Kreislers Hand faßte , » ruhig , mein Sohn Johannes ! - Nichts hast du gemein mit jenem Unglücklichen , den die Verirrung einer zu mächtig gewordenen Leidenschaft in das tiefste Verderben stürzte . Doch zum warnenden Beispiel mag dir sein entsetzliches Schicksal dienen . Mein Sohn Johannes ! - auf noch schlüpfrigerem Wege befindest du dich als jener , drum entflieh - entflieh ! - Hedwiga ! - Johannes ! ein böser Traum hält die Prinzessin fest in Banden , die unauflöslich scheinen , wenn ein freier Geist sie nicht durchschneidet ! - Und du ? « - Tausend Gedanken gingen auf in Kreisler bei diesen Worten des Abts . Er gewahrte , daß der Abt nicht allein mit allen Begebnissen des fürstlichen Hauses zu Sieghartshof , sondern auch mit dem bekannt war , was sich dort während seines Aufenthalts zugetragen . Klar wurd ' es ihm , daß die krankhafte Reizbarkeit der Prinzessin wohl in seiner Annäherung eine Gefahr befürchten lassen , an die er gar nicht gedacht , und eben diese Furcht , wer anders konnte sie hegen und darum wünschen , daß er vom Schauplatz ganz abtrete , als die Benzon ? - Eben diese Benzon mußte mit dem Abt in Verbindung stehen , von seinem ( Kreislers ) Aufenthalt in der Abtei unterrichtet sein , und so war sie die Triebfeder alles Beginnens des ehrwürdigen Herrn . Lebhaft gedachte er aller Momente , in denen die Prinzessin wirklich , wie von einer im Innern aufkeimenden Leidenschaft befangen , erschienen , aber , selbst wußte er nicht , warum bei dem Gedanken , daß er selbst der Gegenstand jener Leidenschaft sein könne , es ihn erfaßte wie Gespensterfurcht . Es war ihm , als wolle eine fremde geistige Macht gewaltsam in sein Inneres dringen und ihm die Freiheit des Gedankens rauben . Prinzessin Hedwiga stand plötzlich vor ihm , starrte ihn an mit jenem seltsamen Blick , der ihr eigen , aber in dem Augenblick dröhnte ein Pulsschlag ihm durch alle Nerven , wie damals , als er zum erstenmal der Prinzessin Hand berührte . Doch war ihm auch nun jene unheimliche Angst entnommen , er fühlte eine elektrische Wärme wohltätig sein Inneres durchgleiten , er sprach leise wie im Traum : » Kleiner schalkischer Raja torpedo , neckst du mich schon wieder und weißt doch , daß du nicht ungestraft verwunden darfst , da ich aus reiner Liebe zu dir Benediktinermönch geworden ? « Der Abt betrachtete den Kapellmeister mit durchbohrendem Blick , als wollte er sein ganzes Ich durchschauen , und begann dann ernst und feierlich : » Mit wem redest du , mein Sohn Johannes ? « Kreisler wurde aber wach aus seinen Träumen ; es fiel ihm ein , daß der Abt , war er von allem , was sich in Sieghartshof zugetragen , unterrichtet , vor allen Dingen den weiteren Verlauf der Katastrophe , die ihn fortgetrieben , wissen mußte , und wohl war ihm daran gelegen , mehr davon zu erfahren . » Mit , « erwiderte er dem Abt , skurril lächelnd , » mit niemanden anders sprach ich , hochehrwürdiger Herr , als , wie Sie ja vernommen haben , mit einer schalkischen Raja torpedo , die sich ganz unberufenerweise in unser vernünftiges Gespräch mischen und mich noch konfuser machen wollte , als ich es schon wirklich bin . - Doch aus allem muß ich ja zu meinem großen Leid gewahren , daß diverse Leute mich für ebensolch einen großen Narren halten als den seligen Hofporträtisten Leonardus Ettlinger , der eine erhabene Person , die sich natürlicherweise aus ihm gar nichts machen konnte , nicht bloß malen wollte , sondern auch lieben , und zwar so ganz ordinär wie Hans seine Grete . O Gott ! hab ' ich es denn jemals an Respekt fehlen lassen , wenn ich die schönsten Akkorde griff zu schnöder Singefaselei ! - Habe ich jemals unziemliche oder grillenhafte Materien aufs Tapet zu bringen gewagt , von Entzücken und Schmerz , von Liebe und Haß , wenn der kleine fürstliche Eigensinn sich seltsam gebärden in allerlei wunderbaren Gemütsergötzlichkeiten und ehrsame Leute vexieren wollte mit magnetischen Visionen ? - habe ich solches jemals getan ? Sagt - « » Doch , « unterbrach ihn der Abt , » doch sprachst du , mein Johannes , einst von der Liebe des Künstlers - « Kreisler starrte den Abt an , dann rief er , indem er die Hände zusammenschlug und den Blick