ihm geloben , es morgen selbst zu thun . O Junia ! Das wird ein schrecklicher Tag werden ! Einige Stunden später . Wie ein Engel , von Gott gesandt , ist mir auf einmal der Gedanke gekommen , mich an den edlen Constantin zu wenden . Er ist Agathokles Freund , es kann ihm an dem Zartgefühl nicht fehlen , das die Behandlung dieses Verhältnisses fordert . Ich werde ihm schreiben , mein Brief wird meine Rettung in Trachene , meine Befreiung durch Heliodor , meinen Aufenthalt in Synthium , in Nicäa , und die Beweggründe enthalten , die mich bisher so handeln machten . Constantin müßte nicht so edel seyn , als ihn der Ruf und seine Gestalt verkündet , wenn er nicht Sinn für meine Lage , und den festen Willen haben sollte , das peinliche Verhältniß auf die Art zu lösen , wie es für seinen Freund und mich am besten ist . Er kennt sein Herz , er wird die Wirkung beurtheilen können , die diese Entdeckung auf ihn machen muß . O wenn er - ich werde ihn dringend darum bitten - wenn er es so einzuleiten wüßte , daß Agathokles selbst damit zufrieden wäre , mich nie wieder zu sehen ! Nie wiedersehen ! Junia ! Niemals - niemals , in meinem ganzen Leben nicht wieder sehen ! - Es ist ein schrecklicher Gedanke ! - Ich sehe seine Nothwendigkeit ein , aber ich zittere noch davor - ich kann ihn noch nicht ganz fassen . - Niemals . Später . Der Brief ist geschrieben . Ich erwarte Constantins Ankunft . Mit welchen Gefühlen ! kannst du mir leichter nachempfinden , als ich sagen . O in dem Augenblicke , da das Loos fallen muß , da wir in die schicksalvolle Urne greifen , entsetzt sich das Herz , die festesten Entschlüsse wanken noch ein Mal , zum letzten Mal ; und so drückend uns die Ungewißheit dünkte , so heftig ergreifen wir jeden Augenblick , der sie zu verlängern im Stande ist . Die Nacht ist da . Calpurnia , die jeden Tag mit der Dämmerung kömmt , ist bereits wieder fort . Constantin kann jeden Augenblick kommen - dann ist Alles unwiderruflich geschehen ! dann ist mein Stab gebrochen ! Bei der Gewißheit , daß ich ihn in meinem Leben nicht mehr sehen werde , habe ich gestern und heute das einzige Glück , das mir übrigt , mit Geiz genossen . Sein Zimmer zu betreten wagte ich seit acht Tagen nicht mehr , seitdem Calpurniens erster Besuch mich daraus vertrieb . Tabitha hat seine Pflege übernommen , ich besorge dafür ihre Kranken ; aber im Nebenzimmer halte ich mich auf , so viel ich kann . Da höre ich ihn athmen , reden , seufzen - ach für wen ? Es ist eine schmerzliche Freude , aber es ist meine einzige - meine letzte ! Bald werde ich auch ihr entsagen müssen ! Dann wird seine Stimme nie wieder tausend süße Gefühle und Erinnerungen in meiner Brust wecken , dann werde ich nichts mehr für ihn zu sorgen haben - dann ist Alles - Alles verloren ! O Junia ! Vielleicht folge ich diesem Briefe bald - bis morgen ist mein Schicksal entschieden - ich komme schnell - schnell ! 73. Calpurnia an Sulpicien . Nikomedien , den 26. Februar 303 . Es ist seltsam , wie ein Abenteuer , eine Beschwerlichkeit , die wir um eines Freundes willen übernehmen , plötzlich diesem Freunde einen viel höhern Werth in unsern Augen gibt - wie Gärtnern die Pflanzen am liebsten werden , mit denen sie die meiste Mühe hatten . Ich habe oft darüber nachgedacht und dir einst in Rücksicht auf den Flattersinn der Männer darüber geschrieben ; jetzt finde ich diese Beobachtung an mir bestätigt . Zweimal bin ich nun in meiner Sclavenhülle bei ihm gewesen . Wahrlich ein Mann , der sonst nicht schön ist , wird nicht reizend dadurch , wenn er bleich und verwundet auf seinem Bette liegt ! Dennoch dünkt mich , er sey mir noch nie so anziehend vorgekommen , als eben jetzt . Gerade , daß er mir nur die Linke reichen kann , weil sein rechter Arm verwundet ist , daß ich ihm manchmal bei etwas helfen muß , wozu er zwei Hände brauchte , daß ihn das so ungeschickt , so hülflos macht , bewegt mich seltsam , und die Blässe seines Gesichts , der weichere Ton seiner Stimme , die mindere Lebhaftigkeit seiner Bewegungen rührt mich , ich weiß nicht warum , weit mehr , als wenn er auf einmal durch die Sprüche einer thessalischen Zauberin in einen Adonis wäre umgewandelt worden . Das ist seltsam , aber mich dünkt , es ist vollkommen gut , daß es so ist . Nicht um meinetwillen - lächle nicht spöttisch , wenn du dies liesest ; mein Verhältniß zu Agathokles ist gar nicht von der Art ; wie du denkst , und unsre Gespräche sind von so ernstem Inhalt , daß die sanftern Gefühle scheu davor zurückbeben müssen - aber ich finde diese Einrichtung für ' s Ganze gut . Das Schicksal , die Natur , die Vorsicht , die Götter , oder wie man das Wesen nennt , das die Sorge für die Anordnung und Erhaltung der Welt über sich genommen hat , hat diesen Zug mit vieler Weisheit in die Tiefe unsers Herzens gelegt . Die Welt ist nun einmal so eingerichtet , daß im Physischen wie im Moralischen nichts ohne Mühe , Anstrengung , Kampf erlangt werden kann . Dem Muthigen hilft das Glück , der Anstrengung gewähren die Götter Alles . Das sind uralte Sprüche , die jede Generation von den Vätern übernimmt , und durch ihr Beispiel bestätigt den Enkeln hinterläßt . Wie weise ist es nun , daß diese warme Anhänglichkeit und Vorliebe für das Kind unsers Fleißes , unserer Aufopferungen , uns für die vergangene Mühe entschädigt , zu künftiger spornt , und oft , recht