du , der du ihn bis auf den Tod beleidigst ? « fiel die Mutter ein . » Freilich , Leo ist ja fern ; er steht im Kampfe für die heiligsten Güter seines Volkes , und während er stündlich das Leben dafür einsetzt , ahnt er nicht , daß sein Bruder zu Hause , hinter seinem Rücken – « Sie hielt inne , denn Waldemars Hand legte sich schwer auf die ihrige . » Mutter , « sagte er mit einer Stimme , welche die Fürstin warnte , denn dieser dumpfe gepreßte Ton ging bei ihm stets einem Ausbruche voraus . » Laß die Beschuldigungen , an die du selbst nicht glaubst ! Du weißt besser als jeder andre , wie Wanda und ich gegen diese Leidenschaft gekämpft haben , weißt , welcher Moment es war , der uns endlich das Siegel von den Lippen nahm . Hinter Leos Rücken ! Auf meinem Zimmer liegt der Brief , den ich an ihn schrieb , ehe ich zu Wanda ging ; meine Unterredung mit ihr ändert darin nichts . Wissen muß er es , daß das Wort › Liebe ‹ zwischen uns gefallen ist ; wir würden es beide nicht ertragen , ihm das zu verhehlen . Ich wollte den Brief dir übergeben . Du allein weißt mit Sicherheit , wo Leo jetzt zu finden ist , und kannst das Schreiben in seine Hände gelangen lassen . « » Um keinen Preis ! « rief die Fürstin heftig . » Ich kenne zu gut das Blut meines Sohnes , um ihm eine solche Folter aufzuerlegen . Fern zu bleiben , vielleicht noch monatelang , während seine ganze Eifersucht entfesselt ist und er sich hier in seinem Teuersten bedroht weiß – das geht über seine Kräfte . Und doch muß er ausharren , doch darf er seinen Posten nicht verlassen , ehe nicht alles dort entschieden ist . Nein , nein , davon kann keine Rede sein . Ich habe Wanda bereits das Wort abgenommen , zu schweigen , und auch du wirst mir das versprechen . Sie kehrt heute noch nach Rakowicz zurück und geht , sobald sie völlig hergestellt ist , zu unsern Verwandten nach M. , um dort so lange zu bleiben , bis Leo zurückgekehrt ist und seine Rechte persönlich wahren kann . « » Ich weiß es , « entgegnete Waldemar finster . » Sie selbst hat es mir gesagt . Sie kann ja jetzt nicht Meilen genug zwischen uns legen . Was die Liebe , was die Verzweiflung nur eingeben kann , das habe ich bei ihr versucht – es war vergebens ; sie setzt mir immer dieses unwiderrufliche Nein entgegen . – Sei ' s denn , bis zu Leos Rückkehr ! Vielleicht hast du recht – es ist besser , wir machen das Auge in Auge ab , und mir ist diese Art jedenfalls die liebste . Ich bin jeden Augenblick bereit , ihm Rede zu stehen . Was dann zwischen uns geschieht , ist freilich eine andre Frage . « Die Fürstin erhob sich und trat zu ihrem Sohne . » Waldemar , gib diese unsinnige Hoffnung auf ! Ich sage dir , Wanda würde nie die Deine , auch wenn sie frei wäre . Es steht zu vieles , zu unübersteigliches zwischen euch . Du täuschest dich , wenn du auf eine Sinnesänderung bei ihr rechnest . Was du nationale Vorurteile nennst , das ist für sie das Lebensblut , mit dem sie genährt ist seit ihrer frühesten Jugend , das sie nicht lassen kann , ohne das Leben selbst zu lassen . Mag sie dich lieben , die Tochter der Morynski , die Braut des Fürsten Baratowski weiß , was Pflicht und Ehre von ihr fordern , und wüßte sie es nicht , so sind wir da , sie daran zu erinnern , ich , ihr Vater , vor allen Dingen Leo selber . « Ein verächtliches Lächeln spielte um die Lippen des jungen Mannes , als er erwiderte : » Und glaubst du denn wirklich , daß einer von euch mich hindern würde , wenn ich Wandas Ja hätte ? Daß sie sich mir versagt , daß sie mir verbietet , für sie und um sie zu kämpfen , das ist ' s , was mir vorhin bei ihr die Fassung raubte . Aber gleichviel ! Wer wie ich nie im Leben Liebe erfahren hat , und wem sie sich dann plötzlich so ganz , so beglückend aufthut , wie in jener Stunde , der verzichtet und entsagt nicht so leicht . Der Preis ist mir denn doch zu hoch , als daß ich den Kampf nicht versuchen sollte . Wo ich alles zu gewinnen habe , da setze ich auch alles ein , und wenn sich noch zehnfach größere Hindernisse zwischen uns auftürmten – Wanda wird mein . « Es lag eine unbeugsame Energie in diesen Worten . Der rote Feuerschein vom Kamine her beleuchtete Waldemars Züge , die in diesem Augenblicke wie aus Erz gegossen erschienen . Die Fürstin mußte es wieder einmal anerkennen , daß es ihr Sohn war , der da vor ihr stand mit der verhängnisvollen blauen Linie an der Stirn , mit jenem Blicke und jener Haltung , » als sähe man die Mutter selbst « . Sie hatte sich bisher vergebens gemüht , das Unerhörte , Unmögliche zu begreifen , daß Waldemar , der kalte , finstere , abstoßende Waldemar ihrem Leo vorgezogen wurde , daß er Sieger blieb gegen den schönen ritterlichen Bruder , wo es sich um die Liebe eines Weibes handelte – in diesem Augenblicke begriff sie es . » Hast du vergessen , wer dein Gegner ist ? « fragte sie mit ernstem Nachdruck . » Bruder gegen Bruder ! Soll ich die feindselige , vielleicht blutige Begegnung zwischen meinen Söhnen mit ansehen ? Denkt ihr gar nicht an die Angst der Mutter ? « » Deine Söhne ! « wiederholte Waldemar . » Wo es sich um